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Inventionen 2010 |
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Kino für die Ohren |
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Musik für mehr als einen Lautsprecher - so hieß das Motto des Berliner Festivals "Inventionen 2010", das das Berliner Künstlerprogramm des DAAD und die TU Berlin organisierten. Die Besucher erlebten virtuelle Klangskulpturen. Die Technik soll künftig Kino und Computerspiele bereichern.
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Tausende Lautsprechermembranen wurden beim Festival "Inventionen 2010 - Musik für mehr als einen Lautsprecher" zum Vibrieren gebracht. Das vom Berliner Künstlerprogramm (BKP) des DAAD und dem Elektronischen Studio der TU Berlin organisierte Klangkunstfestival wurde vom 27. Juli bis 1. August 2010 vom Birmingham ElectroAcoustic Sound Theatre (BEAST) mit seinen knapp 100 Lautsprechern und dem in den Hörsaal 104 der TU Berlin eingebauten System der Wellenfeldsynthese mit mehr als 2.000 Lautsprechern geprägt. Technisch war dies eine Show der Superlative - und ein Einblick in die Möglichkeiten der Modellierung von Klang im Raum.
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Ohrenkino in der St. Elisabeth-Kirche: Knapp 100 Lautsprecher sorgen für das optimale Klangerlebnis
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| © Folkmar Hein |
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Mit der Wellenfeldsynthese, einer Weiterentwicklung handelsüblicher Soundsysteme, können virtuelle Klangskulpturen erzeugt werden. Der Architekt und Klangkünstler Bernhard Leitner führte dieses Potential mit der Klanginstallation "HörSaal" eindrücklich vor. Der ehemalige Gast des BKP ließ in den Vorlesungsraum ein Gewirr von Stimmen eindringen, die sich an einzelnen Stellen zu Vorträgen verschiedener Berliner Nobelpreisträger verdichteten. Man konnte sich ganz dem kollektiven Gewisper hingeben, aber auch der gedanklichen Klarheit eines Max Planck oder Albert Einstein lauschen. Außer den Zuhörern vermochte auch der Klang selbst zu wandern. Dies wurde bei Kompositionen des aktuellen BKP-Gastes Yutaka Makino und des Edgard-Varèse-Gastprofessors Simon Emmerson deutlich. Makino jagte an- und abschwellende Klangstürme durch den Saal, während Emmerson in seiner "Memory Machine" verschiedene Klangschichten übereinander legte.
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Der japanische Komponist und BKP-Alumni Shintaro Imai präsentiert sein Werk "Figure in Aperture"
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| © Kai Bienert |
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Die Wellenfeldsynthese ist eine Weiterentwicklung handelsüblicher Soundsysteme. Für einen der Leiter des Elektronischen Studios der TU, André Bartetzki, wird ein Einsatz der Technologie im Kino und in Computerspielen in absehbarer Zeit erfolgen. "Einige Kinos sind damit bereits ausgestattet", sagte Bartetzki. Als "Kino für die Ohren" bezeichnete daher Folkmar Hein, emeritierter Leiter des TU-Studios, das Festival. Er hob die "Inventionen" 1982 gemeinsam mit der Abteilungsleiterin Musik des BKP, Helga Retzer, aus der Taufe. Hein und die Nachfolgerin von Retzer, Ingrid Beirer, kuratierten gemeinsam mit dem BEAST-Leiter Jonty Harrison das aktuelle Festival.
Harrison, der derzeit als Edgard-Varèse-Gastprofessor an der TU lehrt, begann die Arbeit an BEAST vor 28 Jahren mit vier Lautsprechern in Birmingham. Ursprüngliches Ziel war, den Klangverlusten einer konventionellen Stereo-Architektur entgegenzuwirken. "Wir wollen, dass man nicht nur an einem wohl definierten Platz zwischen zwei Lautsprechern ein optimales Klangerlebnis hat", meint Harrison. Insgesamt 39 Kompositionen, zumeist von ehemaligen und aktuellen BKP-Gästen, Edgard-Varèse-Gastprofessoren sowie Absolventen der Universität Birmingham, wurden durch die BEAST-Anlage in das restaurierte Gemäuer der St. Elisabeth Kirche gebracht.
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Paul DeMarini beseelte Lautsprecher durch Schlafgeräusche
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| © Kai Bienert |
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Die meisten Komponisten nutzten die einzigartigen technischen Möglichkeiten vor allem zur filigranen Bearbeitung technischer und natürlicher Geräusche. Menschliche Stimmen wurden wegen der Gefahr, als "Bedeutungsträger" überinterpretiert zu werden, meist ausgeschlossen. Wie dieser Gefahr beizukommen ist, demonstrierte der englische Vokalperformer und Komponist Trevor Wishart. In seinem Klangstück "Encounters of the Republic of Heaven" zerlegte er die Sprech- und Singstimmen einzelner Personen und setzte sie zu einem neuen Klangteppich zusammen. Nur acht Lautsprecher benötigte der letztjährige BKP-Gast Paul DeMarinis, der mit seiner Klanginstallation "Pneuma" den konzeptuellen Gegenpol der "Inventionen" bildete. Er ließ in der Berliner daadgalerie die Lautsprechermembranen durch die Atemgeräusche schlafender Menschen bewegen. Weil er das Gehäuse komplett entfernte, verwandelten sich die technischen Geräte unversehens in Organe beseelten Lebens.
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Autor: Tom Mustroph |
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Veröffentlichungsdatum: 12.08.2010 |
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© DAAD |
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