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Grimm-Preis |
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"Die Germanistik muss vergleichend betrieben werden" |
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Der Jacob- und Wilhelm-Grimm-Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) geht in diesem Jahr an den renommierten amerikanischen Germanisten Professor Dr. David E. Wellbery. Der Preis wird ihm in Warschau im Rahmen des Kongresses der Internationalen Vereinigung für Germanistik (IVG) verliehen. David E. Wellbery lehrt an der Universität Chicago und ist Gründungsdirektor des dortigen „Center for Interdisciplinary Research on German Literature and Culture“.
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Grimm-Preisträger Wellbery: "Aus Deutschland kommen wichtige wissenschaftliche Impulse"
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| © University of Chicago |
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Herr Prof. Wellbery, was ist Ihr Spezialgebiet als Germanist?
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Ich beschäftige mich hauptsächlich mit der klassischen deutschen Literatur und zwar in erster Linie mit Goethe. Aber ich widme mich auch der Goethe-Zeit insgesamt, also auch den Autoren der Romantik. Daneben interessiere ich mich für die Literatur der klassischen Moderne und der Jahrhundertwende. Schließlich gehören die Literaturtheorie und die Geschichte der Ästhetik zu meinen Arbeitsgebieten. Aber Goethe ist für mich eine Schlüsselfigur. In der Ansprache bei der Preisverleihung werde ich deshalb auf Goethes Drama „Pandora“ eingehen.
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Sie haben Germanistik in vielen Ländern unterrichtet. Ist die Auslandsgermanistik ein „Orchideenfach“, das bald aussterben wird?
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Ich hoffe sehr, dass das nicht passiert. Die Germanistik ist natürlich ein kleines Fach. Deshalb kann es nur in Kooperation mit anderen Fächern existieren, die sich mit Sprachen und Kulturen beschäftigen – nicht nur mit europäischen. Ich glaube, dass sich die Germanistik innerhalb einer international ausgerichteten Konstellation behaupten muss. Sie muss vergleichend betrieben werden. In den USA halte ich die Germanistik aber für ein sehr wichtiges Fach innerhalb der Geisteswissenschaften.
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Warum ist die Germanistik so wichtig für die USA?
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Dafür gibt es mehrere Gründe. Zunächst sind die kulturellen Traditionen Deutschlands für das kulturelle Bewusstsein in den USA sehr wichtig. Die Ausbildung des amerikanischen Bewusstseins Anfang des 19. Jahrhunderts bei der intellektuellen Bewegung der Transzendentalisten beispielsweise war maßgeblich von deutschen Einflüssen geprägt: der nach-kantischen Philosophie, oder von Dichtern wie Goethe und Schiller. Und natürlich haben die deutschen Immigranten in den USA eine wichtige Rolle gespielt. All das hat die amerikanische Kultur und die Entwicklung der Universitäten hier beeinflusst. Deshalb gehört die Germanistik hierher, nicht als etwas fernes, exotisches, sondern als Teil des kulturellen Bewusstseins.
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University of Chicago: In den USA gibt es etwa 95.000 Germanistik-Studierende
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| © Public Domain |
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Laut einer aktuellen Erhebung gibt es in den USA fast 95.000 Studierende, die Deutsch lernen. Woher kommt das Interesse?
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Manchmal hat es damit zu tun, dass die Studenten deutsche Vorfahren haben, das ist als Motivation nicht zu unterschätzen. Und auch wenn Deutsch nicht mehr als international anerkannte Wissenschaftssprache gilt, aus Deutschland kommen nach wie vor wichtige wissenschaftliche Impulse, insbesondere aus den Geisteswissenschaften. Auch das regt das Interesse an. Und dann spielt natürlich das Interesse an Deutschland eine Rolle, ein Land, das ein wichtiger Partner der USA ist und politisch wie wirtschaftlich eine maßgebliche Rolle spielt.
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Sie haben wissenschaftliche Standardwerke sowohl in Deutsch als auch in Englisch publiziert. Unterscheidet sich die Forschung von Germanisten in Deutschland und im Ausland?
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Ich glaube nicht, dass es so etwas wie nationale Unterschiede gibt. Aber die Germanistik in den USA hat bestimmte Themen in das allgemeine Bewusstsein der Wissenschaft gehoben. Sie hat auf bestimmten Gebieten Pionierarbeit geleistet, beispielsweise auf dem Feld der DDR-Forschung. Auch die Erforschung deutschsprachiger Literatur und Kultur im Kontext des Kolonialismus und die feministische Forschung sind stark vertreten. Bestimmte Themen werden hier mehr gepflegt, weil man in einem komparatistischen Umfeld arbeitet.
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Der Grimm-Preis ist mit 10.000 Euro und einem vierwöchigen Forschungsaufenthalt dotiert. An welcher Universität in Deutschland werden Sie zu Gast sein?
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Ich freue mich sehr, dass mir diese Gelegenheit geboten wird. Der Zeitpunkt meiner Reise steht noch nicht fest. Ich weiß aber schon, dass ich Gast an der Universität Konstanz sein werde. Dorthin habe ich seit Jahren enge Verbindungen.
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Autorin: Das Interview führte Kristina Vaillant |
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Veröffentlichungsdatum: 03.08.2010 |
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© DAAD |
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