 |
Hochschulbildung ohne Grenzen |
 |
 |
 |
 |
 |
"Spätkommer, aber Senkrechtstarter" |
 |
 |
Deutsche Hochschulen sind als Bildungsexporteure an vielen Orten der Welt erfolgreich. Das Besondere: Sie setzen vor allem auf partnerschaftliche Modelle und Kooperation mit den Gastländern.
|
 |
 |
 |
|
„Deutsche Hochschulen sind Spätkommer, aber Senkrechtstarter“, kommentiert DAAD-Generalsekretär Christian Bode deren Engagement im Ausland. Vor zehn Jahren schrieb der DAAD erstmals ein Programm aus, das die Hochschulen gezielt bei ihrem Bildungsexport unterstützt. Damals hatten sich amerikanische, australische und britische Hochschulen schon längst mit kommerziellen Studienangeboten etabliert. Inzwischen gibt es auch über 60 deutsche Angebote im Ausland, vom einzelnen Studiengang bis hin zur kompletten Hochschule. Sie werden in unterschiedlichen Programmen des DAAD aus Mitteln von drei Ministerien gefördert: dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Endwicklung. Damit verfolgen sie sowohl bildungs- als auch außen- und entwicklungspolitische Ziele. Am 21. und 22. Juni zogen die beteiligten Hochschulen in Berlin Bilanz.
|
 |

|
 |
|
Stellen sich Fragen der Journalisten (v.l): Ashraf Mansour (GUC), Rita Süßmuth (DTU), Christian Bode (DAAD), Andereas Geiger (GJU)
|
| © David Ausserhofer/DAAD |
 |
|
|
Deutsche Bildung hat hohe Anziehungskraft
|
|
Klar ist: „Bildung made in Germany“ kommt gut an. Ein Beispiel ist die German-Jordanian University (GJU) in Amman. Hier studieren die angehenden Bachelor und Master nach dem Lehrplan einer deutschen Fachhochschule. Partner ist ein Fachhochschulkonsortium unter der Leitung der Hochschule Magdeburg-Stendal. „Ein Studium nach deutschem Vorbild hat eine hohe Anziehungskraft. Deutschland steht für hohe Qualität, Effizienz und eine tragfähige Wirtschaft“, sagt der Magdeburger Rektor, Professor Andreas Geiger, zugleich Leiter des FH-Konsortiums. Die staatliche Neugründung finanziert haben die jordanische Regierung und der DAAD. Heute sind in den über 20 Studiengängen – darunter Ingenieurwissenschaften, Umweltwissenschaften, Architektur, Informatik und Biotechnologie – rund 1.800 Studierende eingeschrieben, 5.000 sollen es werden. Die ersten Absolventen verlassen im Herbst die GJU.
|
 |
 |

|
 |
|
Bunte Vielfalt: Vertreter von Hochschulprojekten im Ausland in Berlin
|
| © David Ausserhofer/DAAD |
 |
Einzigartig in Kasachstan
Die enge Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis ist häufig der Pluspunkt des deutschen Bildungsexports. Vor allem Ingenieurwissenschaften, aber auch Wirtschafts- und Naturwissenschaften sind beliebt. „Ich habe den Studiengang Informationstechnologie gewählt, da er einzigartig in Kasachstan ist und mir selbst beste Chancen zur Umsetzung meiner persönlichen Ziele und Berufsperspektiven bietet“, sagt Ruslan Shamstudinov, Bachelor-Student an der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) in Almaty. Dort lernen die Studierenden zusätzlich zum Fach je sechs Stunden Deutsch und Englisch pro Woche. Trotz dieser Belastung steigt die Nachfrage an einem Studium an der DKU.
Die Chinesin Cao Lu studiert in Shanghai „Analytical Instruments, Measurement and Sensor Technology“ – angeboten von der Hochschule Coburg und der University of Shanghai for Science and Technology. Sie bringt einen anderen positiven Aspekt des internationalen Studiums ins Spiel: „Als Studentin in diesem Master-Programm lerne ich nicht nur die Innovationen der Sensortechnik kennen, sondern auch, wie man in einem Team arbeitet und wie Kameradschaft und Freundschaft die Grenzen von Nationalitäten überwinden.“ Dies bekräftigt die Afrikanerin Augustine Titani Magolowondo, die in Kapstadt ihren Master in „Development Management“ macht, ein Gemeinschaftsangebot der Ruhr-Universität Bochum und der University of the Western Cape: „Jeder Tag im Studium ist wie ein Besuch einer internationalen Konferenz zu Entwicklungsmanagement: In einer Klasse sitzen Studierende aus 14 verschiedenen Ländern, die alle Regionen der Erde repräsentieren. Das ist von großem Wert für neue Ideen in der Entwicklungszusammenarbeit.“
|
 |
 |

|
 |
|
"Nicht gewohnt, ökonomisch erfolgreiche Modelle zu entwickeln." Udo Steffens, Frankfurt
|
| © David Ausserhofer |
 |
Ökonomisch erfolgreiche Modelle entwickeln
Noch ist die Anzahl der Studierenden an den deutschen Studiengängen und Hochschulen im Ausland überschaubar: Etwa 16.000 sind es zurzeit, davon allein 7.000 an der German University in Cairo, der 2002 gegründeten, ersten deutschen Universität im Ausland. Zum Vergleich: In britischen Einrichtungen sind es rund 250.000. Wenn sich künftig deutlich mehr junge Menschen für eine deutsche Auslandshochschule entscheiden, sind nicht-kommerziell ausgerichtete Angebote nicht mehr finanzierbar, lautete die Meinung der meisten Hochschulvertreter auf der Berliner Konferenz. Den ökonomischen Aspekt zu stärken und den Bildungsexport klarer unternehmerisch auszurichten, fordert deshalb auch die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Margret Wintermantel.
„Angesichts ihrer staatlichen Finanzierung sind die deutschen Hochschulen es nicht gewohnt, ökonomisch erfolgreiche Modelle zu entwickeln“, gab der Präsident der privaten Frankfurt School of Finance and Management, Professor Udo Steffens, zu bedenken. Die Frankfurt School hat im Rahmen des „African Excellence“-Programm des DAAD ein Kongolesisch-deutsches Fachzentrum für Mikrofinanz in Kinshasa aufgebaut. Tatsächlich stehen heute andere Faktoren beim Auslandsengagement im Mittelpunkt: Hochschulen wollen sich internationalisieren, sie steigern mit starken Partnerschaften im Ausland ihre Reputation, rekrutieren die besten Graduierten für Master- oder Doktoranden-Programme in Deutschland oder leisten Entwicklungshilfe. Bildungsexport ja, aber partnerschaftlich und auf Augenhöhe heißt nach wie vor die Devise.
|
 |
 |
 |
|
|
 |
 |
 |
Autorin: Katja Spross |
 |
 |
Veröffentlichungsdatum: 09.07.2010 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
© DAAD |
|
 |
|
|