China-Tage/Hamburg
"Unerhört anders"
China ist überall auf dem Vormarsch – auch in der Wissenschaft. Auf den China-Tagen an der Universität Hamburg überzeugten sich Ende Juni Wissenschaftler und Studierende davon, wie attraktiv Forschung, Lehre und Studium dort sind.
Gewinnspiel, Essen, Theater und Musik - der China-Tag präsentierte ein
Gewinnspiel, Essen, Theater und Musik - der China-Tag präsentierte ein "unerhört anderes" Land
© Dörthe Hagenguth
„Warum China?“ lautete der Slogan der China-Tage in Hamburg, die am 25. und 26. Juni 370 Teilnehmer anzogen. Veranstalter war der DAAD in Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut der Universität Hamburg und dem Bundesforschungsministerium. Ihr Ziel: detailliert über das Land und seine akademischen Möglichkeiten zu informieren. Schließlich ist China mehr als eine Reise wert. „Man sollte nicht fragen ‚warum China’, sondern ‚wie’. Wie kommt man am billigsten oder am schnellsten nach China?“, kommentierte DAAD-Generalsekretär Christian Bode das Motto, das zwei Tage lang die vielen Informations-Foren zu Studium und Forschung bewegte. Dieter Lenzen, Präsident der Hamburger Universität, betonte die hervorragenden Austauschmöglichkeiten, die zahlreiche wissenschaftliche Partnerschaften und Programme bieten.

Chinesisch mit Stäbchen - oder lieber Messer und Gabel?
Chinesisch mit Stäbchen - oder lieber Messer und Gabel?
© Dörthe Hagenguth
Begeisterte China-Erlebnisse
Ihre Studienerfahrungen in China inszenierten Annika Wöhner und Laura Stangl in einem Dialog. Die beiden DAAD-Stipendiatinnen erzählten begeistert von ihren Erlebnissen, auch im Alltag. „Das intensive, äußerst spannende Handeln beim Blumenkauf vermisse ich jetzt in Berlin“, sagt die Sinologin Laura Stangl. Für sie war das Studium in China eine „äußerst lehrreiche Zeit“. Physikstudentin Annika Wöhner betonte das erworbene „Verständnis für eine andere Kultur und die enorme Gastfreundschaft“. Eine wichtige Erkenntnis für alle interessierten Nicht-Sinologen: Die Unterrichtssprache ist häufig Englisch.

Zweifler umwarb Jiang Feng als Gesandter der chinesischen Botschaft in Berlin mit beeindruckenden Statistiken: China belegt bei der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen weltweit Platz zwei und Rang drei im Weltkulturerbe-Ranking. Unter anderem zählen die Chinesische Mauer, die Kaiserpaläste der Ming- und Qing-Dynastien oder das Mausoleum Qin Shihuangdis dazu. Sein Fazit: „China hat sich stark verändert, aber viele Menschen haben das noch nicht erkannt.“ In den Mittelpunkt seines Plädoyers für ein China-Studium stellte er den Ausspruch eines deutschen Wissenschaftlers. Zu Beginn der Reise noch furchtsam, hatte er nach seiner Rückkehr aus China bekannt: „Es war einfach schön, und es war unerhört anders.“

Boomende Architektur
Unerhört anders: Das trifft auch auf den anhaltenden Bau-Boom in China zu. Im Architektur-Forum fesselte Martin Wollensak, Professor an der Universität Wismar, die Zuhörer mit seinem Bericht über umweltgerechte Architektur in China. Der Diplom-Ingenieur gilt als Pionier der deutsch-chinesischen Kooperation im Städtebau. „Wir bieten in China Workshops zum Klima- und Umweltschutz an. Das Interesse ist dort so groß, dass wir es kaum bewältigen können.“ Die Architektur-Studentin Isabelle Arnold, die derzeit einen chinesisch-deutschen Kooperationsstudiengang der Technischen Universität Berlin und der Tongji Universität Shanghai besucht, lobte die Praxis: „In China kann man erleben, wie Theorie in einem Projekt realisiert wird.“ Die Studentin war auch an einer der drei Ausstellungen beteiligt, die die Besucher visuell mit Momentaufnahmen aus Shanghai, Beijing und Berlin auf China einstimmten. Thema: „City Moves – Urban bewegt“.

Schön (und) kompliziert: Die chinesische Kalligraphie
Schön (und) kompliziert: Die chinesische Kalligraphie
© Dörthe Hagenguth
Echo ist zu verhalten
Foren zu Medizin, Verkehrs- und Umweltwissenschaften, Wirtschaft und Recht boten Studierenden und Graduierten ebenfalls die Chance, sich eingehend mit einem Studien- und Forschungsaufenthalt in China zu befassen. Noch – so meinen die Experten – ist das Echo angesichts der wachsenden Bedeutung Chinas zu verhalten. Das zu ändern, dazu sollte der China-Tag beitragen. Er war Abschluss der China-Wochen an deutschen Hochschulen, die in Zusammenhang mit dem deutsch-chinesischen Jahr der Wissenschaft und Bildung vom Bundesforschungsministerium, der Hochschulrektorenkonferenz und der chinesischen Botschaft organisiert wurden.

Autor: Jürgen Herbst
Veröffentlichungsdatum: 24.08.2010
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