Deutsch-arabische Studiengänge
Regional denken - mit interkulturellem Wissen
Studierende der bikulturellen deutsch-arabischen Masterprogramme erfuhren in Berlin mehr über den Zusammenhang zwischen Entwicklungs-, Wirtschafts-, Außen- und Kulturpolitik. Ein Fazit: Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen die arabischen Länder auch stärker untereinander kooperieren.

"Erneuerbare Energien sind für Syrien enorm wichtig." Fadi Aljawabra
© Martin Sasse
Fadi Aljawabra will den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranbringen. Nicht in Deutschland, wo der Maschinenbauingenieur derzeit studiert, sondern in seiner Heimat Syrien, einem Land, das in Sachen Energiewirtschaft vor allem als Erdöl- und Erdgasexporteur bekannt ist. Doch die fossilen Ressourcen Syriens werden knapper. „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist für unser Land enorm wichtig“, sagt der 29-jährige DAAD-Stipendiat. Und um Windkraft und Solarenergie vor Ort zu fördern, sei eine Zusammenarbeit mit Deutschland essentiell: „Deutschland ist einer der ganz großen Player auf diesem Gebiet und verfügt über die nötigen institutionellen Förderstrukturen, um in anderen Ländern bei solchen Projekten mitzuwirken.“

Seminarwoche Berlin
Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik dürften Aljawabra künftig nicht fehlen: Anfang Juni konnte er sich bei dem Seminar „German-Arab Cooperation in Development, Business, Culture and Politics“ in Berlin eine Woche lang mit deutschen Ministerien und Förderinstitutionen und deren Projekten zur deutsch-arabischen Zusammenarbeit vertraut machen. Ausgerichtet wurde das Seminar vom DAAD und der Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft (DAFG). Das Ziel: den Teilnehmern den Zusammenhang zwischen Entwicklungs-, Wirtschafts-, Außen- und Kulturpolitik zu vermitteln und ihnen das deutsche parlamentarische und Regierungssystem näher zu bringen.

Hängt zusammen: Entwicklungs-, Wirtschafts-, Außen- und Kulturpolitik werden auf der Seminarwoche in Berlin diskutiert
Hängt zusammen: Entwicklungs-, Wirtschafts-, Außen- und Kulturpolitik werden auf der Seminarwoche in Berlin diskutiert
© Martin Sasse
Insgesamt kamen 37 deutsche und arabische DAAD-Stipendiaten nach Berlin – allesamt Studierende der drei deutsch-arabischen Masterstudiengänge, die der DAAD im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aufgelegt hat. Diese Master-Programme sollen arabische und deutsche Nachwuchs- und Führungskräfte für die Gestaltung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit qualifizieren. Sie werden jeweils von einer deutschen und einer arabischen Hochschule getragen: „Integrated Water Resources Management“ (Amman, Köln), „Economic Change in the Arab Region“ (Damaskus, Marburg) und „Renewable Energies/Energy Efficiency for the MENA Region“ (Kairo, Kassel).

Netzwerke fördern interkulturelle Kompetenzen
Netzwerke fördern interkulturelle Kompetenzen
© Martin Sasse
Deutsch-arabische Tandems schreiben Master-Arbeit
Je zehn arabische und zehn deutsche Bewerber beginnen mit dem Master-Studium – alle als DAAD-Stipendiaten. Sie studieren erst im jeweiligen arabischen Land und dann in Deutschland. Ihre Abschlussarbeit können sie auch in deutsch-arabischen Tandems schreiben. „Die Stipendiaten sollen sich fachlich weiterqualifizieren, dabei deutsch-arabische Netzwerke bilden und interkulturelle Kompetenzen erwerben“, erklärt Anke Stahl, die beim DAAD die Förderaktivitäten für entwicklungsländerbezogene Aufbaustudiengänge koordiniert.

Die arabischen Studierenden sollen möglichst Erfahrungen in der deutsch-arabischen Zusammenarbeit mitbringen. Wie Aljawabra, der nach seinem Diplom beim syrischen Bauministerium in Damaskus gearbeitet hat und dort die Zusammenarbeit mit europäischen Projektträgern koordinierte – unter anderem mit der GTZ und der KfW Entwicklungsbank. Seit August 2009 studiert der Ingenieur nun „Renewable Energy“. Sein Lebenslauf ist typisch für viele der Stipendiaten: die große Mehrheit war bereits für entwicklungspolitische Institutionen tätig, für die Regierung des Heimatlandes oder für Nichtregierungsorganisationen.

„Wir möchten die verschiedensten Aspekte der jeweiligen Themengebiete abdecken und so eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Gruppen erreichen“, betont Anke Stahl. Mandy Zuchold beispielsweise hat in Berlin ein Wirtschaftsrechtsstudium absolviert und macht nun den Master in Wassermanagement. Die 29-jährige Juristin hat sich während ihres ersten Studiums mit Wassernutzungsrechten befasst. Nach dem Abschluss kann sie sich vorstellen, an der Gestaltung von Wassernutzungsrechten in arabischen Ländern mitzuwirken.

In der Region kooperieren
Auch Aljawabra hat bereits Pläne für die Zukunft: Seine Master-Arbeit möchte er über Förderstrukturen für Erneuerbare Energien in Syrien schreiben. „Die Technik für Wind- und Solarenergie kann man kaufen, aber die regulatorischen Rahmenbedingungen müssen wir selber bereitstellen“, begründet er seinen thematischen Fokus. Den Master begreift er als Chance, sein ohnehin schon großes Netzwerk im Bereich der Erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Dabei sei der Kontakt zu deutschen Kommilitonen ebenso wichtig wie zu arabischen. „Beim Ausbau der Erneuerbaren Energien müssen die arabischen Länder auch untereinander kooperieren“, sagt Aljawabra. Ägypten übernimmt in der Region die Vorreiterrolle beim Ausbau der Erneuerbaren Energien. Ähnliches auch in Syrien zu erreichen – das wäre sein Traum.

Autor: Dietrich von Richthofen
Veröffentlichungsdatum: 24.08.2010
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