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AA-Sonderprojekt 2010: ''Bildungspartnerschaften''
Stipendienprogramme: Eine Chance für kluge Köpfe
Recherche am Rechner mit deutschen Kommilitonen; © Jan Greune
Recherche am Rechner mit deutschen Kommilitonen; © Jan Greune
Vielfältige Stipendienprogramme sind ein wichtiges Instrument der Außenwissenschaftspolitik des Auswärtigen Amts und werden von diesem finanziert. Sie ermöglichen internationalen Spitzenkräften von morgen Studien- und Forschungsaufenthalte in Deutschland. Zugleich legen sie die Basis für Wissenspartnerschaften mit klugen Köpfen in der ganzen Welt. Jun Zhu, Jurist aus China und Doktorand in Göttingen, ist einer von ihnen. Er wird, wie andere hochqualifizierte junge Akademikerinnen und Akademiker aus dem Ausland, vom DAAD gefördert.
Jun Zhu gehört einem weltweiten Netzwerk an, das schon heute mehr Mitglieder hat als die Stadt Frankfurt am Main Einwohner: 710.000 internationalen Studierenden, Graduierten, Doktoranden und Wissenschaftlern hat der DAAD seit 1950 mit einem Stipendium die Chance gegeben, Deutschland kennenzulernen. Auch Jun Zhu reiste mit einem DAAD-Stipendium im Gepäck im Herbst 2008 von Nanjing nach Göttingen, mit einem klaren Ziel: Der chinesische Jurist promoviert an der Georg-August-Universität, einer der neun deutschen Exzellenzuniversitäten.

Professor Rüdiger Krause im Gespräch mit seinem Doktoranden Jun Zhu
Professor Rüdiger Krause im Gespräch mit seinem Doktoranden Jun Zhu
© Jan Greune
Förderung der Besten
Im Internet hatte Jun Zhu gelesen, dass der DAAD Stipendien für Doktoranden vergibt. Er bewarb sich, besorgte Gutachten seiner Professoren, fand in dem Göttinger Arbeitsrechtler Professor Rüdiger Krause einen Doktorvater und überzeugte eine mit deutschen und chinesischen Experten besetzte Auswahlkommission in Peking im Gespräch. Kein ganz leichter Weg. "Über die Stipendienzusage habe ich mich sehr gefreut", sagt Jun Zhu in fließendem Deutsch, "für mich ist das eine Riesenchance und auch eine Anerkennung meiner bisherigen Leistungen". Denn für den DAAD zählt bei allen Stipendienbewerbern nur eins: die Qualität. "Es gibt keine Fächerquoten oder die Förderung bestimmter Modefächer", erläutert Dr. Klaus Birk, für Asien zuständiger Gruppenleiter beim DAAD. "Wir wollen einfach die Besten. Wer dazu gehört und aus gutem Grund nach Deutschland will, soll kommen können."

Mehr Stipendien durch die Initiative Außenwissenschaftspolitik
Stipendien für hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler sind ein wichtiges Instrument der deutschen Außenwissenschaftspolitik. Im Jahr 2010 fördert das Auswärtige Amt im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik Wissenschaft, Forschung und Entwicklung mit insgesamt 230 Millionen Euro. Mit der 2009 gestarteten Initiative Außenwissenschaftspolitik wird das bestehende Stipendienangebot noch erheblich ausgebaut: Insgesamt stellt das Auswärtige Amt rund 140 Millionen Euro an finanzieller Unterstützung für Gaststudierende und Wissenschaftler aus dem Ausland zur Verfügung. Die meisten dieser Stipendien werden über den DAAD vergeben. Weitere wichtige Partner sind die Alexander von Humboldt-Stiftung, die Politischen Stiftungen und das Deutsche Archäologische Institut.

Jun Zhu und Professor Krause in der juristischen Fachbibliothek
Jun Zhu und Professor Krause in der juristischen Fachbibliothek
© Jan Greune
Leidenschaft für das Promotionsthema
Jun Zhu, Jahrgang 1982, brachte ideale Voraussetzungen für die Bewerbung um ein DAAD-Stipendium mit: hervorragende Noten, einen Bachelorabschluss in Germanistik, einen Doppel-Magister des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaften in Nanjing – und viel Leidenschaft für Jura. "Sein Engagement gefällt mir sehr", sagt sein Betreuer Professor Krause, zugleich seit 2009 Mitdirektor des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaften in Nanjing. "Manchen geht es nur um den Doktortitel, aber Herr Zhu will den Dingen auf den Grund gehen". Das Arbeitsrecht, ein sich schnell veränderndes juristisches Feld von international großer gesellschaftlicher Bedeutung, findet der chinesische Jurist spannend: "China ist heute mit vielen Problemen konfrontiert, die in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgetreten sind", sagt er. Deshalb untersucht Jun Zhu in seiner Doktorarbeit, wie sich die "Mankohaftung", also die Verantwortlichkeit von Arbeitnehmern vor allem für Kassenfehlbeträge, in Deutschland entwickelt hat. Für die chinesische Rechtswissenschaft ist nicht nur dieser Teil des Arbeitsrechts noch weitgehend Neuland. Jun Zhus Thema hat auch für Deutschland Relevanz. "Durch Reformen in den letzten Jahren gibt es neuen Forschungsbedarf", sagt Professor Krause, "daher sind die Ergebnisse auch für mich interessant". Jun Zhu schätzt an seinem Doktorvater, der auch drei chinesische DAAD-Magisterstipendiatinnen aus Nanjing betreut, dass er sich viel Zeit für ihn nimmt, immer ansprechbar ist. "Er gibt mir viele gute Anregungen", sagt Jun Zhu "und auch Möglichkeiten, Vorträge zu halten, zum Beispiel in der Sommerschule des Deutsch-Chinesischen Instituts".

Jahrbuch des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaft
Jahrbuch des Deutsch-Chinesischen Instituts für Rechtswissenschaft
© Jan Greune
Wissenschaft als Bindeglied
Im Jahr 2009 setzten rund 4000 vom DAAD ausgewählte ausländische Jahresstipendiaten wie Jun Zhu ihr Studium in Deutschland fort oder promovierten hier. Daneben macht der DAAD, die weltweit größte Stipendienorganisation, noch eine Vielzahl weiterer Angebote, zum Beispiel mit Sonderprogrammen für bestimmte Länder oder Fächer und mit Semester- und Kurzstipendien bis zu sechs Monaten. Das Studium im Heimatland unterstützen so genannte "Sur Place"-Stipendien, das "Sandwich"-Modell ermöglicht Doktoranden, ihre Arbeit zu Hause zu beginnen, eine Forschungsphase in Deutschland einzuschieben und die Promotion dann an der Heimatuniversität mit Beteiligung des deutschen Betreuers abzuschließen. Der größte Anteil der Stipendiaten kommt aus Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika und Asien, die meisten sind Doktoranden der Mathematik oder Naturwissenschaften sowie der Sprach- und Kulturwissenschaften. Der Anteil der Master- und Magisterstipendiaten wächst allerdings stark. 2009 stellte das Auswärtige Amt dem DAAD insgesamt 83 Millionen Euro für die Förderung der ausländischen Nachwuchseliten an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung: Wissenschaft wird als starkes Bindeglied zwischen Deutschland und seinen Partnern in der Welt gesehen. Daher ermöglicht die Initiative Außenwissenschaftspolitik auch weitere neue Stipendienprogramme für die besten ausländischen Akademikerinnen und Akademiker. Sie unterstützt zudem gezielt Hochqualifizierte aus Konfliktregionen wie dem Irak oder Afghanistan, die nach ihrer Rückkehr einen wertvollen Beitrag für ihre Länder leisten können.

Professor Rüdiger Krause mit den chinesischen DAAD-Stipendiaten Yusi Fan und Jun Zhu aus Nanjing
Professor Rüdiger Krause mit den chinesischen DAAD-Stipendiaten Yusi Fan und Jun Zhu aus Nanjing
© Jan Greune
Erfolg mit Perspektive
Auch für Jun Zhu steht fest, dass er nach Abschluss der Promotion seine Karriere in China fortsetzen will. Der deutsche Doktortitel gilt als hervorragende Voraussetzung dafür. "Am liebsten möchte ich in der Wissenschaft bleiben, meine Kenntnisse weitergeben und so zum Aufbau des chinesischen Arbeitsrechts beitragen", sagt er. Wenn ihm das gelingt, erfüllt er die Erwartungen des DAAD aufs Beste und wird ein idealer DAAD-Alumnus: "Unser Erfolg misst sich am persönlichen beruflichen Erfolg der Stipendiaten", sagt DAAD-Asienexperte Birk. Prominente Beispiele dafür gibt es viele: Zahlreiche frühere DAAD-Stipendiaten bekleiden heute Führungspositionen in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur in ihren Ländern. Wichtig ist für den DAAD aber auch der nachhaltige Kontakt – kurz: der Netzwerkgedanke, die Verbindung der klugen Köpfe aus Deutschland und der Welt. Jun Zhu wird ganz sicher ein guter Partner in diesem stetig wachsenden internationalen Wissensgeflecht sein.

Weitere Informationen
Lesen Sie mehr zu den Bildungspartnerschaften auf der Website des Auswärtigen Amts:

- Interview mit Dr. Helmut Blumbach, Leiter der Programmabteilung Süd im DAAD
- Infoboxen mit prominenten DAAD-Alumni
- Zahlen und Fakten rund um die Stipendienprogramme
- Links rund um die Stipendienprogramme

Autorin: Janet Schayan
Veröffentlichungsdatum: 19.05.2010
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