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50 Jahre Kairo
Vertrauen geschaffen
Seit einem halben Jahrhundert arbeitet die DAAD-Außenstelle in Kairo für Studierende und Wissenschaftler in Ägypten. Das Jubiläum war Anlass für zahlreiche Veranstaltungen wie ein Treffen von rund 200 Alumni, einen Festakt und eine regionale Tagung von Sozialwissenschaftlern.
„Fünfzig Jahre kontinuierliche Arbeit im Land schafft Vertrauen“, sagt Christian Hülshörster, Außenstellenleiter in Kairo. Seit 1960 gibt es die DAAD-Außenstelle mitten in der ägyptischen Millionenstadt. Die Aufbauarbeit begann unter der Leitung von Rudolf Geisler mit Entwicklungshilfe und wurde in wechselnder Besetzung auch in kritischen Zeiten fortgeführt. Selbst als Mitte der 1960er Jahre die diplomatischen Beziehungen abrissen, blieben die Pforten des DAAD-Büros offen. Das deutsch-ägyptische Wissenschaftsjahr 2007 war schließlich ein Meilenstein in der Zusammenarbeit und markiert eine Zeitenwende. „Wir sind uns heute gegenseitig zuverlässige und gleichberechtigte Partner geworden“, sagt Hülshörster.

Zusammen gefeiert: Rund 200 Alumni kamen zur Jubiläumsveranstaltung in Kairo
Zusammen gefeiert: Rund 200 Alumni kamen zur Jubiläumsveranstaltung in Kairo
© DAAD
Weltniveau erreichen
Über das Kerngeschäft hinaus – die Information und Beratung über Stipendienvergabe – leistet die Außenstelle Kairo einen entscheidenden Beitrag zur Hochschulzusammenarbeit auf internationalem Boden. „Der strategische Plan ägyptischer Hochschulen ist Weltniveau zu erreichen“, sagt Hülshörster. Der Weg führt über Forschungskooperationen. „Wenn wir im Moment über internationale Zusammenarbeit nachdenken und uns fragen, wessen Modelle wir zum Beispiel in der Forschungsfinanzierung übertragen wollen, dann ist das eindeutig Deutschland“, betont Maged El-Sherbini, Professor an der Cairo University und Vizeminister im Ägyptischen Ministerium für Bildung und Forschung.

Vor Ort besiegelt: drei neue Stipendienprogramme
Vor Ort besiegelt: drei neue Stipendienprogramme
© DAAD
Doppelabschlüsse und Forschungskooperationen
„Beiden Seiten geht es vor allem darum, dass die zurückkehrenden Stipendiaten in Ägypten unter guten Bedingungen weiter forschen können“, sagt Hülshörster. „Ihre in Deutschland gewonnene Expertise muss hier nutzbar werden.“ In zahlreichen Panels und Workshops des Alumni-Treffens war daher der gemeinsame Aufbau von internationalen Strukturen vorrangiges Thema. Diskutiert wurde die Einrichtung von Studiengängen mit Doppelabschlüssen.

Ein Beispiel bester Praxis ist das binationale Masterprogramm „Deutsch als Fremdsprache im deutsch-arabischen Kontext“ der Universität Leipzig in Kooperation mit der ägyptischen Ain-Shams-Universität. Auch der Aufbau von Exportuniversitäten nach dem Vorbild der German University of Cairo (GUC), die 2003 gegründet wurde, war Gegenstand des Programms. Jüngstes Beispiel ist die Tochteruniversität der Technischen Universität (TU) Berlin in El Gouna am Roten Meer, wo Studienabschlüsse der TU vergeben werden. „Auf dieser Linie soll es weitergehen“, sagt Hülshörster.

Die DAAD-Außenstelle in Kairo hilft ebenfalls dabei, Mittel für Forschungskooperationen bereit zu stellen. Das Büro ist eine Schnittstelle für Kontakte zur Helmholtz-Gemeinschaft, zur DFG oder zur Max-Planck-Gesellschaft. Erfolgreich begleitete die Außenstelle zudem die Einrichtung des German Egyptian Research Fund (GERF). Der Fonds wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Ägyptischen Forschungsministerium mit je einer Million Euro im Jahr für gemeinsame Forschungsprojekte ausgestattet.

Lebhaft diskutiert: Doppelabschlüsse
Lebhaft diskutiert: Doppelabschlüsse
© DAAD
Sprungbrett für Internationalisierung
Immer wieder wurde auf dem Alumni-Treffen deutlich, dass die DAAD-Programme für ägyptische Wissenschaftler Sprungbretter in den Bereich der Internationalisierung und insbesondere zu europäischen Förderprogrammen sind. Ein Beispiel ist die seit 2006 im DAAD-Ärzteprogramm unterstützte Zusammenarbeit der Kinderkliniken der Cairo University und Universität zu Köln. Der Austausch über Behandlungsmethoden von angeborenen Herzfehlern bei Kindern führte inzwischen in eine von der EU geförderte gemeinsame Forschung über den Stammzelleneinsatz in der Kinderkardiologie.

Feierlich ausgezeichnet: DAAD-Generalsekretär Christian Bode (li)
Feierlich ausgezeichnet: DAAD-Generalsekretär Christian Bode (li)
© DAAD
Ägyptischer Journalistenverband ehrt DAAD-Generalsekretär
Eine besonders schöne Überraschung gab es für den DAAD-Generalsekretär Christian Bode während einer Feierstunde im Kairoer Opernhaus: Vom ägyptischen Journalistenverband wurde er für seine Verdienste um die deutsch-ägyptischen Beziehungen im Bereich der Wissenschaft und Forschung geehrt.

In ihren Festreden unterstrichen Makram Mohamed Ahmed, Präsident des ägyptischen Presseverbandes, Alaa Sabet, Vorsitzender des Verbandes ägyptischer Journalisten und Professor Ashraf Mansour, Gründer der German University in Kairo, Bodes Schlüsselposition und seinen beispiellosen Einsatz für die deutsch-ägyptische Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet. Christian Bode ist der erste Ausländer, dem diese Ehrung zuteil wird.

Ihren Abschluss fanden die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag der Außenstelle Kairo in einem regionalen Seminar zum Stand der Sozialwissenschaften in der arabischen Welt. Organisiert von DAAD-Langzeitdozenten in Ägypten, Jordanien, Libanon und Palästina fragten die rund 35 Teilnehmer nach den Aufgaben der Sozialwissenschaften in der Region und der Entwicklung eigener Modelle und Theorien. Auch auf diesem Gebiet könnte zukünftig die Kooperation mit Deutschland eine stärkere Rolle spielen.

Weitere Informationen
Die DAAD-Außenstellenleiter von 1960 bis 2010
1960 – 1966 Dr. Rudolf Geisler
1966 – 1970 Dr. Karl Eckmann
1973 – 1975 Dr. Hans Meinel
1976 – 1988 Dr. Klaus Wyneken
1989 – 1994 Dr. Heinz-L. Nastansky
1994 – 1999 Dr. Mathias Pätzold
2000 – 2005 Alexander Haridi
2005 – 2010 Dr. Christian Hülshörster
Autorin: Bettina Mittelstraß
Veröffentlichungsdatum: 02.06.2010
Weiterführende Links:
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
Neue Perspektiven für Umwelt und Wasser
Antrittsbesuch von DAAD-Präsidentin Sabine Kunst bei Bundesministerin Schavan
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