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DAAD-Alumnus ist Stadtklangkünstler
Wie Bonn klingt
Welche Orte in Bonn werden akustisch wahrgenommen? Was bewirkt die Architektur? Wie klingt die Stadt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der österreichische Klangkünstler und Komponist Sam Auinger. Als erster Bonner Stadtklangkünstler lebt der ehemalige DAAD-Stipendiat für sechs Monate am Rhein.
Wer den Bonner Hauptbahnhof unterirdisch in Richtung Innenstadt verlässt, muss durchs sogenannte „Bonner Loch“. Unterhalb der Straßenebene gelegen ist hier der Verkehrslärm kaum noch zu hören. „Dadurch hat dieser Platz durchaus eine akustische Qualität“, erklärt Sam Auinger. In optischer Hinsicht gilt das nicht: Dunkelgrauer Beton dominiert die Szenerie. Die gelb gekachelte Wand zum öffentlichen WC und der überwiegend braune Gebäudekomplex an der Längsseite machen den visuellen Eindruck nicht besser.


Sam Auinger: Klangeindrücke überlagern sich
Sam Auinger: Klangeindrücke überlagern sich
© Daniela Schmitter/DAAD
Erster Bonner Stadtklangkünstler
Auinger ist auf Entdeckungstour: Die Beethovenstiftung für Kunst und Kultur der Bundesstadt Bonn hat ihn zum ersten Bonner Stadtklangkünstler berufen. Im Mittelpunkt des international einmaligen Projekts „Bonn hören – Stadtklangkunst 2010“ steht ein halbjähriger Forschungsaufenthalt. Speziell für den öffentlichen Raum der Stadt Bonn wird Auinger eine Klanginstallation entwickeln, die ab September 2010 für sechs Monate zu erleben ist. Im Mai startet mit Vorträgen und Gesprächen das Stadtklangforum im Kunstmuseum Bonn. Der Kurator und Projektleiter von „Bonn hören“, Carsten Seiffarth, hat außerdem Projekte mit Bonner Schulen geplant. Studenten der Kunsthochschule für Medien Köln nehmen an einem Workshop mit Auinger teil, dessen Ergebnisse in der Ausstellung „Sonotopia“ zum Beethovenfest Bonn im September gezeigt werden.

Skulptur von Mark di Suvero hat auditiv
Skulptur von Mark di Suvero hat auditiv "herausragende Qualität"
© Creative Commons
Aufmerksames Hinhören in der Stadt
Sam Auinger zählt weltweit zu den einflussreichsten Pionieren der urbanen Klangkunst, die die klangliche Auseinandersetzung mit öffentlichem Raum und Alltag thematisiert. Er wurde 1956 in Linz, Österreich, geboren. Nach ersten Erfolgen in der österreichischen New-Wave-, Punk- und Rock-Szene studierte er Komposition und Computer-Musik am Mozarteum in Salzburg. Die intensive Beschäftigung mit den sich ändernden Hörgewohnheiten des Publikums rückten die urbane Klangkunst und den öffentlichen Raum als Experimentierfeld in den Fokus seines künstlerischen Schaffens: „In meiner Kindheit hatte noch jeder Klang eine Bedeutung“, erklärt Auinger. Heutzutage überlagern sich – vor allem in den Städten – so viele verschiedene Klangeindrücke, dass die Menschen vieles davon einfach ausblenden. „Unser Gehirn ermöglicht es uns, wegzuhören und die auditiven Erscheinungen von Orten nicht mehr bewusst wahrzunehmen“, sagt Auinger. Dadurch werde keine emotionale Beziehung mehr zur Umgebung aufgebaut. Hier setzt seine Arbeit an: Durch genaues und aufmerksames Hinhören, sollen die Menschen „ihre“ Städte wieder neu und intensiver erfahren.

In Bonn hat der Klangkünstler bereits zwei „sehr gegensätzliche auditive Situationen von herausragender Qualität“ entdeckt: die Adenauerbrücke, die im Süden der Stadt mit „mächtigem Sound“ den Verkehr über den Rhein führt, und die Skulptur von Mark di Suvero auf der Rheinuferpromenade, die in hohen Frequenzen den Wasserklang hörbar macht.

Auinger erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, darunter den Kulturpreis der Stadt Linz 2002 und den SKE Publicity Preis 2007. Sein Werk reicht von Installationen und Performances über Theater- und Tanz-Projekte bis hin zu Video, Radio, Film und Sound Design. Er arbeitet in verschiedenen Formationen mit anderen Klangkünstlern und Musikern zusammen, so „O+A“, tamtam, „stadtmusik“.

Berlin statt Amerika
Er lebt in Linz und – seit seinem Aufenthalt als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1997 – in Berlin: „Das war ein wichtiger Wendepunkt in meinem Leben. Ich war schon auf dem Sprung nach Amerika als sich mir diese Möglichkeit bot“, sagt Auinger. „Es ist ein tolles Programm des DAAD, bei dem man sich sehr intensiv um seine Künstler kümmert. Uns wurden wunderbare Wohnungen zur Verfügung gestellt“, erzählt er.

In die Berliner Klangkunstszene tauchte er tief ein und schloss zahlreiche Freundschaften, die künstlerische Früchte trugen. So gründeten er und Mit-Stipendiat Rupert Huber die Medienband „berliner theorie“. Dahinter stand ein Konzept, das die neuen Kommunikationsmöglichkeiten für Live-Konzerte im Internet nutzte. „Das Stipendium war ein echter Glücksfall“, sagt Auinger. „Ich konnte ein weltweites Netzwerkes aufbauen. Vieles was sich danach für mich ergeben hat, wurde wahrscheinlich erst dadurch möglich“, ist er überzeugt: „Ohne dieses Stipendium wäre ich wohl nicht da, wo ich heute bin.“

Weitere Informationen
Stadtklangforum am 26. Mai

Die Vortrags- und Gesprächsreihe „Stadtklangforum“ startet am Mittwoch, 26. Mai, um 19 Uhr im Kunstmuseum Bonn. Sam Auinger stellt seinen Vortrag unter den Titel „A hearing perspective“. Er wird nicht nur über seine 20-jährige künstlerische Forschung zum Thema Stadtklang sprechen, sondern auch über aktuelle Erfahrungen in Bonn und erste Ergebnisse seiner Arbeit.
Der Eintritt ist frei.

Autorin: Claudia Wallendorf
Veröffentlichungsdatum: 21.05.2010
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