 |
Konferenz |
 |
Grenzen und Grenzgänge(r) |
|
Über Deutschland und Europa, politische, soziale oder kulturelle Grenzen debattierten Experten aus der ganzen Welt in Berlin. Viele kamen von den Zentren für Deutschland- und Europastudien, die der DAAD in elf Ländern fördert.
|
 |
|
„Die Hundertmillionen von Menschen, die jährlich die Grenze zwischen Frankreich und Deutschland überqueren, sind heute unzählbar – das ist Europa!“ sagte Wolf-Ruthart Born, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, zur Eröffnung der vom DAAD in Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung organisierten Konferenz. Offene Grenzen symbolisieren die Europäische Einigung. Ist Europa deshalb ein Modell für die Welt? Aus israelischer Sicht betrachte man das zwar mit gewissem Neid, antwortete Benjamin Bental, Direktor des Haifa Center for German and European Studies, aber auch mit einem Schulterzucken: „Wir Israelis suchen gerade den Schutz und die Sicherheit von Grenzen.“
|
 |

|
 |
|
Ist Europa ein Vorbild? Die Konferenzteilnehmer suchten nach Antworten
|
| © David Ausserhofer |
 |
|
|
Es ging um den Blick der Anderen auf Europas Grenzöffnungen nach innen und außen, auf transnationale Identität oder auch auf Deutschlands Erfahrung mit Grenzen. Rund 100 internationale Deutschland- und Europaexperten waren geladen. Die meisten Referenten und Teilnehmer reisten aus den seit 1991 vom DAAD weltweit geförderten Zentren für Deutschland und Europastudien an. „Eine Art Familientreffen“ nannte DAAD-Generalsekretär Christian Bode die weltweite Expertenrunde zum Auftakt.
|
 |
 |

|
 |
|
Krzysztof Ruchniewicz: 'Wir haben noch keine Klarheit geschaffen, was wir unter Europa verstehen'
|
| © David Ausserhofer |
 |
Solidarität durch Identität
Wie groß die Herausforderungen an die „Europäische Familie“ sein können, zeigt sich aktuell in der Debatte um die Staatsverschuldung Griechenlands und das europäische Hilfspaket: Offene Türen bedeuten noch nicht, dass alte Grenzen verschwunden sind. „Die Frage nach Solidarität wird für Europa in den kommenden zehn Jahre entscheidend sein“, sagte Ton Nijhuis, Direktor des Duitsland Instituut Amsterdam (DIA). „Diese Krise zwingt uns, eine politische Union zu bilden.“ Aus polnischer Sicht fehle dafür aber noch die gemeinsame europäische Debatte über Identität. „Wir haben als Europäer noch keine Klarheit geschaffen, was wir unter Europa verstehen und wie dieses Europa nach Außen aussehen soll“, sagte Krzysztof Ruchniewicz, Direktor des Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland und Europastudien an der Universität Wroclaw (Breslau).
Wie wird man eine glückliche Familie unter einem Dach? Diese Frage beschäftigte die Konferenzteilnehmer in vielen Details. Auch Nachwuchswissenschaftler aus den Zentren stellten dazu ihre Forschungsarbeiten zur Diskussion. Nofar Sheffi etwa, Master Studentin am DAAD Center for German Studies an der Hebrew University of Jerusalem, analysierte die nach der deutschen Wiedervereinigung politisch motivierte Raum- und Stadtplanung in Berlin Mitte. „Die Frage ist, ob das architektonische Resultat wirklich zwei deutsche Gesellschaften vereint hat.“ Für die Politik nach außen sei die Erfahrung Deutschlands mit inneren Grenzen auf jeden Fall nützlich, meinte aus britischer Sicht Carolyn Rowe, stellvertretende Direktorin am Institute for German Studies der University of Birmingham. Der in Deutschland selbst kritisierte Föderalismus der Länder habe ein „starkes Verständnis für multilaterales Handeln und Konsensbildung“ bewirkt.
|
 |
 |

|
 |
|
Was bedeuten Grenzen in einer globalisierten Welt?
|
| © David Ausserhofer |
 |
Grenzen sind keine Lösung
In einem weiteren Schritt fiel der Blick auf zusammenwachsende Städte auf der deutsch-polnischen Grenze, wo der Zuwachs an deutsch-polnischen Eheschließungen auf stärkere Gemeinschaft hoffen lässt. Dann wurden Europas Ostgrenzen zum Thema – als institutionelle, dynamische und prinzipiell offene Grenzen in einer globalisierten Welt. „Grenzen sind heute keine Möglichkeit mehr, sich gegen Nachbarschaftsprobleme abzugrenzen“, sagte Tanja Börzel, Direktorin des Jean Monnet Centers of Excellence „The EU and its Citizens“ an der Freien Universität Berlin. In der Grenzen überschreitenden Kooperation liegt daher auch aus amerikanischer Perspektive die Zukunft. „Die Probleme des 21. Jahrhunderts liegen nicht mehr in Europa“, sagte Jeffrey Anderson, Direktor des BMW Center for German an European Studies an der Georgetown University in Washington D.C. Vielmehr könnten Lösungen gemeinsam mit Europa gefunden werden.
Um Einigkeit in der Vielfalt, Gemeinschaft, Solidarität in Europa und Kooperation über alle Grenzen hinweg zu erreichen gebe es nur ein gutes Konzept, meint Ton Nijhuis. „Wir müssen die Internationalisierung, die wechselseitige Begegnung und den Austausch immer weiter vorantreiben.“
|
|
 |
Autorin: Bettina Mittelstraß |
 |
Veröffentlichungsdatum: 12.05.2010 |
 |
 |
|
|
 |