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Universität Kassel |
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Für menschenwürdige Arbeit |
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Mit dem „International Center for Development and Decent Work“ an der Universität Kassel ging das zweite von fünf „Think Tanks“ am 12. April an den Start. Der DAAD fördert die Kompetenzzentren im Programm „exceed“ mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Förderung läuft über fünf Jahre mit einer Gesamthöhe von bis zu 25 Millionen Euro.
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Tag für Tag bieten rund 250.000 Straßenhändler in Indiens Metropole Mumbai ihre Ware an. Mit dieser Arbeit müssen sie den Lebensunterhalt für ganze Familien verdienen. Doch in den Straßen sind sie nicht gewollt. Von der Polizei werden sie vertrieben, ihr Hab und Gut konfisziert, es sei denn, sie zahlen Schmiergelder. „Wenn wir über menschenwürdige Arbeit in Entwicklungsländern forschen, dann geht es nicht nur um die Verbesserung der Situation von Fabrikarbeitern“, sagt Professor Edward Webster von der University of the Witwatersrand in Südafrika. „Straßenhändler in Mumbai oder Johannisburg haben andere Bedürfnisse. Was können wir also tun, damit sie für die Chance auf ein besseres Leben ein paar Quadratmeter gesicherten Platz bekommen?“
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Menschenwürdiges Leben ermöglichen: DAAD-Generalsekretär Christian Bode (2.v.l.) mit den Forschern und Förderern des International Center for Development and Decent Work
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| © Kirsten Kohl |
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Mit praxisbezogenen Diskussionen begrüßten Edward Webster und der indische Soziologe Professor Sharit Bhowmik, Dekan am Tata Institute of Social Sciences (TISS) in Mumbai 19 Doktoranden aus aller Welt an der Universität Kassel. Die jungen Wissenschaftler reisten aus Indien, Pakistan, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Kenia zum Einführungsworkshop an. Ihre Arbeiten werden ab sofort im Netzwerk des neu eröffneten International Center for Development and Decent Work (ICDD) betreut. „Wir forschen hier nicht am grünen Tisch“, sagt Professor Christoph Scherrer, Direktor des ICDD. Mit seinen Partneruniversitäten will das neue Kompetenzzentrum immer den Problemen vor Ort begegnen.
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Straßenhändler müssen mit ihrer Arbeit oft den Lebensunterhalt für die ganze Familie verdienen
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| © Jeff Ooi / Creative Commons |
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Von Kenias Milchwirtschaft bis zur indischen Autoindustrie
„Ob auf den Straßen von Johannisburg, in Kenias Milchwirtschaft oder der indischen Autoindustrie – die Dissertationsprojekte unserer Graduierten beschäftigen sich alle sehr konkret mit den Arbeitsbedingungen in ihren Heimatländern“, sagt Christian Möllmann, Koordinator der Graduate School am ICDD. Sie schließen damit an Kernfragen des International Center for Development and Decent Work an. Wie erhöht man etwa die Wertschöpfung so, dass sich daraus auf lange Sicht gute Arbeit, bessere Löhne und schließlich ein menschenwürdiges Leben ergeben?
Belayeth Hussain aus Bangladesch und Doktorand an der Graduate School des ICDD untersucht zum Beispiel kritisch die Langzeiteffekte des Mikrofinanzierungssystems, das sich in seiner Heimatstadt seit knapp 35 Jahren etabliert hat. Die Vergabe von Kleinstkrediten im Kampf gegen Armut ist ein mit dem Friedensnobelpreis belohntes Konzept. Doch obwohl indische Finanzinstitute Kleinstkredite zu 95 Prozent an Frauen vergeben, sieht Hussain keine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Situation dieser Frauen. Ihre Arbeit bleibe immer noch auf den privaten Haushalt beschränkt, der Zugang zum öffentlichen Mark verwehrt. „Indische Frauen in ländlichen Gebieten haben keine Möglichkeit, eigenes Kapital zu bilden“, sagt Hussain, der nun untersucht, ob hinter der Kreditvergabe an indische Frauen ein ganz anderes Motiv nachhaltigen Wirtschaftens steckt: „Frauen gelten in Indien als gehorsam und sie zahlen den Kredit verlässlich sofort zurück!“
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Autorin: Bettina Mittelstraß |
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Veröffentlichungsdatum: 19.04.2010 |
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