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Als Gast des Berliner Künstlerprogramms (BKP) des DAAD hat Oscar Bianchi eine neue künstlerische Arbeitsweise für sich entdeckt. „Ich arbeite jetzt an mehreren Stücken gleichzeitig“, sagt der Komponist. „Man könnte das Multitasking nennen. So ergeben sich erstaunliche Berührungspunkte, ohne die Individualität des einzelnen Werkes einzuschränken.”
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Oscar Bianchi: „Musik ist der Schlüssel zur Welterkenntnis”
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| © Kai Bienert |
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Die Musik - sowohl was das Hören als auch Komponieren angeht - sei eigentlich ein linearer Prozess. Darum sei für ihn die simultane Herangehensweise eine neue Erfahrung. Nur in Berlin, so Bianchi, hatte er die Möglichkeit, frei und konzentriert zu arbeiten und die eigene Arbeitsweise zu reflektieren. Außerdem finde er die Berliner Atmosphäre inspirierend: „Berlin ist voller Bühnen für die Kunst - ich meine das metaphorisch, aber es ist auch tatsächlich so.” In Berlin fanden zwei Konzerte mit Werken von Oscar Bianchi statt, mit dem KNM Berlin und dem Sond’Ar-te Electric Ensemble aus Portugal. Außerdem stellte er sich im Rahmen eines Komponistenporträts in der daadgalerie der Öffentlichkeit vor. Bianchi war erfreut vom großen Interesse: „Für mich ist das Publikum der wichtigste Ansprechpartner“, sagt er. „In Berlin spürte ich eine sehr lebhafte und lebendige Musik-Community.“
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Oscar Bianchi (l.) bei der Aufführung seines preisgekrönten Werks „Primordia Rerum”
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| © Oscar Bianchi |
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Dramatiker der Klangsinnlichkeit
Als er nach Berlin kam, eilte dem mit einer italienisch-schweizerischen Doppel-Staatsbürgerschaft ausgestatteten Künstler der Ruf voraus, einer der interessantesten Komponisten seiner Generation zu sein. Für sein Werk „Primordia Rerum” erhielt er 2005 den begehrten Gaudeamus-Preis, von 2005 bis 2007 war er Fellow des renommierten belgischen Ictus-Ensemble. Es folgten weitere Preise und die Zusammenarbeit mit führenden Ensembles der Neuen Musik. Sein 2007 in Straßburg uraufgeführtes Werk „Matra”, von der indischen Philosophie inspiriert, brachte ihm internationale Anerkennung. 2009 folgten das „Anahata-Concerto“, das vom Klangforum Wien in Graz uraufgeführt wurde und das „Vishudda-Concerto“, aufgeführt vom Ensemble Modern in Frankfurt.
Für Bianchi, den Kritiker einen „Dramatiker der Klangsinnlichkeit" nennen, ist Musik mehr als nur „tönend bewegte Form". Er versteht Musik als Schlüssel zur Welterkenntnis, grundiert von philosophischen, vom Buddhismus beeinflussten Fragestellungen. Der Komponist beschreibt das so: „Meine Musik ist eine Synthese des Unbewusst-Dionysischen mit dem Spirituell-Apollinischen - dem Leben, das ich kenne und dem, das ich erahne.” Auch seine musikalische Sprache speist sich aus starken Gegensätzen: statische Klänge, unterbrochen von kurzen, signalhaften Motiven.
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Der Komponist Bianchi (Mitte) im Gespräch mit Musikern: „Ich arbeite jetzt an mehreren Stücken gleichzeitig”
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| © Oscar Bianchi, CoBroerse |
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Buddhismus statt Verdi
1975 in Mailand geboren begann Oscar Bianchi als Achtjähriger mit der Klavierausbildung, es folgte ein Studium in Mailand, Bologna und Modena. „Natürlich war meine Jugend erfüllt von den Klängen der italienischen Oper”, erinnert er sich heute. Er habe sich damit auseinandergesetzt, aber sehr beeinflusst hätten ihn die großen Meister des 18. und 19. Jahrhunderts nicht, auch wenn das Konservatorium, an dem er studierte, den Namen des italienischen Nationalkomponisten Verdi trägt.
Nach Abschluss seines Studiums in Italien ging Bianchi zu weiteren Studien nach Paris, 2005 dann als Doktorand und Dozent an die Columbia-University in New York. Nach seiner Zeit als Gast des Berliner Künstlerprogramms wird er zunächst einige Monate als Gast-Komponist in Warschau arbeiten. Ein neues Orchesterstück für das Orchestre Philharmonique de Radio France wird Ende September beim Festival in Straßburg uraufgeführt. Für die New Yorker Philharmoniker schreibt er an einem Violin-Konzert, für das Festival in Aix-en-Provence eine Kammeroper, weitere Werke sind in Bearbeitung. Multitasking eben. Im Jahre 2011 möchte er dann mit einem Konzert nach Berlin zurückkehren.
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