Großer Beitrag für den zivilen Wiederaufbau
Erste afghanische Dozenten feiern ihren Master-Abschluss in Berlin und Bochum
Die ersten afghanischen Master-Absolventen in Bochum
Die ersten afghanischen Master-Absolventen in Bochum
Es ist ein Meilenstein: Vor neun Jahren war Afghanistan noch eine computerfreie Zone. Denn unter der Herrschaft der Taliban galt die moderne Kommunikationstechnik als "Teufelszeug". Mittlerweile ist die Informatik am Hindukusch bereits eines der begehrtesten Studienfächer, der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften und zweckmäßiger Ausstattung ist groß. 2002 übernahm die TU Berlin daher mit Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die Aufgabe, an den afghanischen Hochschulen entsprechende Ressourcen zu schaffen. Heute erhielten die ersten 25 afghanischen Informatik-Dozenten an der TU Berlin ihren Master-Abschluss. Eine ähnliche Erfolgs-Story kann auch die Universität Bochum verbuchen: Dort erhielten am 26. Februar die ersten 17 afghanischen Wirtschaftsdozenten ihre Master-Urkunden.
Staatsministerin Cornelia Pieper (4.v.l.) und Dr. Nazir Peroz (5.v.r.) waren Gäste der Graduierungsfeier an der TU Berlin
Staatsministerin Cornelia Pieper (4.v.l.) und Dr. Nazir Peroz (5.v.r.) waren Gäste der Graduierungsfeier an der TU Berlin
© Himsel/TU Berlin
Wie schwierig der Weg zur Erlangung dieser Urkunden war, dürfte den erfolgreichen Absolventen und ihren Betreuern in diesen Tagen noch einmal deutlich vor Augen stehen. In der Informatik galt es, zunächst einmal die Mauer einer über zwanzigjährigen Isolation zu durchbrechen, hinter der die rasante Entwicklung seit Erfindung des Mikrochips nie stattfand. In den Wirtschaftswissenschaften standen die Bochumer vor dem Problem, gestandenen afghanischen Dozenten zu vermitteln, dass die von ihnen in sowjetischer Zeit erworbenen Grundsätze der Planwirtschaft in der heutigen Realität globaler Märkte bestenfalls ein Kuriosum sind. Keine leichte Aufgabe für alle Beteiligten.

Eine Studentin der Technischen Universität zu Berlin
Eine Studentin der Technischen Universität zu Berlin
© Himsel/TU Berlin
Im Rahmen des Sonderprogramms "Stabilitätspakt Afghanistan" wurde der DAAD 2002 mit der Koordinierung des deutschen Beitrags zum akademischen Aufbau in Afghanistan beauftragt. Diesem Auftrag kommt er seither gemeinsam mit deutschen Partnerhochschulen nach, denen die an Qualität und Nachhaltigkeit orientierte Fachkoordination für bestimmte Schwerpunktfächer übertragen wurde: Die Förderung der Informationstechnologie wurde unter Leitung von Dr. Nazir Peroz und Professor Bernd Mahr von der TU Berlin übernommen, während Bochum unter Leitung des Fachkoordinators Professor Wilhelm Löwenstein ein umfassendes Kooperationsprogramm mit allen afghanischen Wirtschaftsfakultäten in Angriff nahm. Zunächst galt es, gemeinsam mit den afghanischen Kollegen bedarfsorientierte Bachelor-Curricula nach internationalen Standards zu erstellen und diese anschließend schrittweise umzusetzen – durch Gastdozenturen deutscher Wissenschaftler in Afghanistan, Studienaufenthalte afghanischer Dozenten in Deutschland, lokale Fortbildungen, Erstellung und Überarbeitung von Lehrmaterialien sowie gezielte weitere Sachspenden für die Lehre.

Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Professor Andreas Pinkwart gratuliert einem Dozenten
Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Professor Andreas Pinkwart gratuliert einem Dozenten
© Ruhr-Universität Bochum
Im Vordergrund stand dabei die Fortbildung der Dozenten, die zumeist nur über einen international nicht anerkennungsfähigen afghanischen Bachelor-Abschluss verfügten. Mit Mitteln der Weltbank war es ab 2008 sodann möglich, die Qualifizierung zum Master anzuschließen. An der Technischen Universität Berlin wurde der Festakt durch Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, und TU-Vizepräsidentin Dr. Gabriele Wendorf in Anwesenheit von Vertretern des afghanischen Hochschulministeriums, afghanischer Dekane und des DAAD eröffnet. Die 25 Absolventen der Universitäten Balkh, Herat, Kabul, Kandahar und Nangarhar werden nun an ihre Hochschulen zurückkehren und dort nach den neuen Curricula unterrichten.

Andreas Pinkwart und Helmut Blumbach vom DAAD studieren die Afghanistan-Broschüre
Andreas Pinkwart und Helmut Blumbach vom DAAD studieren die Afghanistan-Broschüre
© Ruhr-Universität Bochum
An der Universität Bochum war es Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Professor Andreas Pinkwart, der die Graduierung gemeinsam mit dem stellvertretenden afghanischen Hochschulminister Professor Mohammad Saber Kheskai und dem Bochumer Rektor Professor Elmar Weiler eröffnete. So wie Pieper sich in Berlin sehr zufrieden über die präsentierten Resultate äußerte, so beeindruckt zeigte sich auch Pinkwart in Bochum und bezeichnete die erbrachte Leistung als vorbildlich: "Es ist ein großer Beitrag für den Wiederaufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen in Afghanistan." Ein Meilenstein ist erreicht, weitere sollen folgen. Die nächsten Jahrgänge afghanischer Informatik- und Wirtschaftsdozenten sind bereits ausgewählt und bereit, nach Berlin und Bochum zu kommen, sofern die dafür nötigen Mittel auch weiterhin bereit gestellt werden können.

Veröffentlichungsdatum: 17.03.2010
Kontakt:
Lars Gerold, DAAD
Referatsleiter Afghanistan, Pakistan
Tel.: 0228 / 882-685
E-Mail: gerold@daad.de
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