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Gäste im Berliner Künstlerprogramm |
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Amir Hassan Cheheltan |
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Der iranische Schriftsteller und Publizist Amir Hassan Cheheltan zählt zu den bedeutendsten Autoren seines Landes – und ist im Westen als Interpret und Analytiker der aktuellen politischen Vorgänge im Iran gefragt.
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Gelegentlich fällt es Amir Hassan Cheheltan schwer, sich auf seine künstlerische Arbeit zu konzentrieren. „Ich bekomme täglich mehr als 100 E-Mails aus Teheran, bei denen es um die aktuelle politische Situation in meinem Land geht.“ Hinzu kommen zahlreiche Anfragen deutscher und internationaler Redaktionen, die eine Interview wollen oder eine politische Expertise suchen. Seine Stimme wird in Europa gehört. Das Interesse ist groß. Bei einer Veranstaltung in der DAAD-Galerie in Berlin im September 2009 gab es nur noch Stehplätze. Der Autor ist zum international gefragten Interpreten der Politik seines Heimatlandes geworden.
Seit Sommer 2009 lebt er, mit Frau und Sohn, als Gast des Berliner Künstler-Programms in Berlin, reist viel durch Deutschland, liest auch in Österreich und in der Schweiz. „Doch meine Seele schwebt über dem Teheraner Himmel“, sagt Cheheltan.
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"Teheran Revolutionsstraße" beschreibt den bedrückenden Alltag in der iranischen Hauptstadt.
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| © P. Kirchheim Verlag |
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Alltag in Teheran ist sein Thema
Das Leben in Teheran ist das Thema, dass sein Werk durchzieht. Er schaut dabei so genau hin, dass seine Bücher im eigenen Land nicht immer gut gelitten sind. Sein jüngster Roman „Teheran Revolutionsstraße“ erschien 2009 darum zuerst auf Deutsch – und wurde zum Verkaufserfolg. Noch im gleichen Jahr erschien eine zweite Auflage. Ob das Buch jemals im Iran erscheinen darf, ist ungewiss. „Unter den heutigen Umständen sehe ich dafür keine Chance. Aber wer weiß, wie es morgen aussieht? Mein Land ist das Land der Überraschungen.“
In Cheheltans Manuskript lautet der Titel: „Die Sitten der Menschen der Revolutionsstraße“, was den reichen Erzählton des Romas trifft, bei dem es um die Gesellschaftsordnung geht, die im Fokus der Demonstranten im Iran steht. Der deutsche Verleger verkürzte auf „Teheran Revolutionsstraße“.
Im Roman geht es um eine junge Frau aus Teheran, die von zwei Männern geliebt wird. Diese beiden Männer haben – bei aller biografischen und persönlichen Gegensätzlichkeit – eines gemeinsam: Sie sind berüchtigte Folterer. Doch nicht Monstren und Monstrositäten, sondern der bedrückende Alltag in Teheran ist Gegenstand des Buches. „Die Wahrheit über eine Gesellschaft kann man in Literatur erkennen”, macht Cheheltan seinen Ansatz deutlich.
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Der 1956 in Teheran geborene Elektroingenieur veröffentlichte 1976 seine ersten Erzählungen. Der zweite Erzählband „Am stummen Fenster“ (1979) brachte den öffentlichen Durchbruch als Schriftsteller. Nach Abschluss seines Studiums in England und Ableistung des Wehrdienstes während des ersten Golfkriegs 1980 bis 1988 ging der Autor nach Italien. Im Iran sind viele seiner Werke verboten, gleichzeitig wurde er 2007 für einen Staatlichen Buchpreis nominiert, wogegen sich Cheheltan wehrt. „Ich lebe im Iran im Exil“, beschreibt er seine Situation. Nach inzwischen fünf Erzählbänden und sieben Romanen gilt er als einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes und hat sich als Publizist in internationalen Medien einen Namen gemacht.
In Deutschland schätzt er vor allen Dingen den Kontakt mit seinen Lesern: „Eine neue Erfahrung für mich.“ Ob diese deutschen Erlebnisse sein Werk beeinflussen werden, ist noch ungewiss. Immerhin hofft er, einen Beitrag zur Überwindung von weit verbreiteten politischen Klischees über sein Heimatland leisten zu können. Es gehe nicht um die verschleierte Frau, die zum Freitagsgebet eilt. „Was man heute in den Fernsehbildern aus Teheran sieht, das zeigt die Wiederauferstehung der Mittelschicht im Iran.“
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Autor: Horst Willi Schors |
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Veröffentlichungsdatum: 24.02.2010 |
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