DAAD-Kurzfilmpreis
Kurze Filme ganz groß
Der rumänische Regisseur Adrian Sitaru erhielt für seinen Kurzfilm „Colivia“ (Der Käfig) auf der 60. Berlinale den DAAD-Kurzfilmpreis.
Adrian Sitaru, Jahrgang 1971, zählt zu den profiliertesten jungen Filmschaffenden seines Landes. Sein neuer Kurzfilm „Colivia“ nahm in Berlin nicht nur die dreiköpfige Jury, sondern auch das Publikum ein. Mit viel Wärme und Humor erzählt der Film die Geschichte des Jungen Alex, der eine kranke Taube mit nach Hause bringt. Über die Frage, wie das neue Haustier behandelt werden soll, brechen Konflikte zwischen dem allzu gutmütigen Vater, der etwas strengen Mutter und dem recht beharrlichen Jungen auf. Die – zu Beginn des Filmes – so festgefügt scheinende Familienhierarchie bekommt Risse, die Puzzleteile können sich zu einem neuen Bild zusammensetzen.

Gut für das Selbstwertgefühl: Adrian Sitaru
Gut für das Selbstwertgefühl: Adrian Sitaru
© privat
Suche nach einem besseren Leben
Der 17 Minuten lange Film sei Teil eines längeren Projekts mit dem Titel „Domestic“, erläutert Sitaru. Der thematisch rote Faden ist die Suche einfacher Menschen nach einem besseren Leben, etwas Sicherheit und Komfort. Diese Sehnsucht ähnelt durchaus den existentiellen Bedürfnissen von Tieren, die das Leben der Menschen begleiten, findet Sitaru.

Der deutsche Juror Max Dax lobte den Humor und den charakteristischen Rhythmus des Films. Sitaru zeigte sich von der Auszeichnung überrascht, flüsterte seinen Dank in das Mikrophon und gestand: „So ein Preis ist natürlich auch gut für das Selbstwertgefühl.“

Insgesamt gab es im Wettbewerb „Berlinale Shorts“ vier Auszeichnungen: Neben dem DAAD-Preis den Goldenen Bär und den Silbernen Bär sowie eine Nominierung für den „European Film Award“. Während der feierlichen Preisvergabe konnten sich die kurzen Filme auch einmal auf großer Leinwand und vor großem Publikum präsentieren. Aus 2600 Einsendungen wählte die Jury 25 Filme aus 15 Ländern für den Wettbewerb aus.

Künstlerisch unabhängig
Adrian Sitaru gilt als Hoffnungsträger der rumänischen Filmbranche. Nach seinem Studium der Computerwissenschaft und einer Ausbildung an der Bukarester Medien-Hochschule machte er sich einen Namen mit verschiedenen Kurz- und Experimentalfilmen und Produktionen für das Fernsehen. 2001 arbeitete er als Assistent des prominenten Regisseurs Costa Gavras. Es folgten zahlreiche Auftritte und Ehrungen auf internationalen Festivals. Über europäische Grenzen hinaus wurde er mit seinem abendfüllenden Film „Pescuit Sportive/Hooked“ bekannt, der ein Sonntags-Picknick schildert, das in einem Drama endet. Sein Film „Valuri“ (Wellen) gewann 2007 beim renommierten Filmfestival in Locarno den „Goldenen Pardino“, der junge Regisseure mit großem Potenzial auszeichnet. Nur zwei Jahre später kehrte Sitaru als Juror nach Locarno zurück.

Der Rumäne legt großen Wert auf künstlerische Unabhängigkeit, will sich gegen kommerzielle Zwänge wehren und hat darum – gemeinsam mit Kollegen – im Jahr 2007 eine eigene Produktionsgesellschaft, die „4Proof Film“, gegründet.

Weitere Informationen
Der Kurzfilm-Preis des DAAD wird seit 2006 vergeben. Im vergangenen Jahr gewann ihn die Kubanerin Susana Barriga. Der Preis beinhaltet einen dreimonatigen Aufenthalt als Gast des Berliner Künstlerprogramms (BKP) des DAAD, bei dem der Preisträger „ohne Verpflichtungen und in einem ‚Freihafen der Künste’“ seiner kreativen Arbeit nachgehen kann, wie BKP-Leiterin Katharina Narbutovic bei der Übergabe betonte. Den Preisträger kürt die dreiköpfige Jury, die auch die anderen Kurzfilmpreise der Berlinale vergibt. Mitglieder der Jury waren in diesem Jahr die brasilianische Produzentin Zita Caravalhosa, der Chefredakteur des Popkultur-Magazins „Spex“, Max Dax, und der britische Filmemacher Samm Haillay.
Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 19.02.2010
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