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Laurentius-Klein-Lehrstuhl/Jerusalem
Intellektuelle Präsenz zeigen
Die Franziskanerin Margareta Gruber ist die erste Inhaberin eines deutschen Theologielehrstuhls an der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem. Dort verbringen deutsche Studierende seit 1973 mit DAAD-Stipendum ein „Theologisches Studienjahr“ – auch Gruber ist DAAD-Alumna.
Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg, Jerusalem
Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg, Jerusalem
© Mark A. Wilson
Bundesbildungsministerin Annette Schavan weihte am 4. Februar den „Laurentius-Klein-Lehrstuhl für Biblische und Ökumenische Theologie“ in der Benediktinerabtei Dormitio ein. Er wird vom DAAD aus Mitteln ihres Ministeriums gefördert und ist Teil des ökumenischen „Theologischen Studienjahrs Jerusalem“. Es ermöglicht deutschsprachigen Studierenden, zwei Semester in Israel zu studieren. Schwerpunkte sind Bibelwissenschaften, Ökumene und interreligiöser Dialog sowie christliche Archäologie.


Gelungener Antritt: Margareta Gruber (M)
Gelungener Antritt: Margareta Gruber (M)
© DAAD
Mehr als 900 Studierende – überwiegend aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – nahmen bislang an dem Programm teil, das der DAAD seit Beginn mit Vollzeitstipendien unterstützt. Das Interesse an dem Studiengang, der auch viele persönliche Begegnungen mit Israelis und Palästinensern ermöglicht, wächst. „Seit den letzten Jahren übersteigt die Zahl der Bewerbungen die der Studienplätze bei weitem“, betonte Annette Julius, Abteilungsleiterin im DAAD, anlässlich der Feier in Jerusalem. „Der neue Lehrstuhl bietet ein sicheres Fundament in finanziell schwierigen Zeiten.“

Margareta Gruber
Margareta Gruber
© privat
Die Dormitio-Abtei steht auf dem Berg Zion, südlich der Altstadtmauer Jerusalems. Die Benediktiner engagieren sich für Frieden und Verständigung. Der neue Lehrstuhl ist nach ihrem Abt Laurentius Klein benannt, der das ökumenische Studienjahr 1973 ins Leben rief. Neben Vorlesungen und Seminaren unternehmen die Studierenden Exkursionen im ganzen Land und im Sinai. Die meisten Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt.

Professorin Margareta Gruber nahm von 1983 bis 1984 mit einem DAAD-Stipendium an dem Programm teil. Danach trat sie in das baden-württembergische Kloster Sießen bei Bad Saulgau ein. Seit 1999 lehrte sie Neues Testament an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner in Vallendar. Im August 2009 wurde die Franziskanerin Dekanin des Studienjahres in Jerusalem.

Welche Signale sollen von der Errichtung dieses Lehrstuhls ausgehen?
Mit diesem Schritt wird zunächst das Theologische Studienjahr wissenschaftlich aufgewertet. Dabei wird noch einmal Jerusalem als deutschsprachiger Studienstandort gestützt. Zugleich ist es eine Stärkung der Kirchen hier, um nicht nur diakonische, sondern auch intellektuelle Präsenz zu zeigen und so einen kleinen Beitrag zu der großen Versöhnungs- und Friedensarbeit in diesem Land zu leisten.
Ich finde es sehr interessant und auch eine besondere Verantwortung, eine deutschsprachige Studieneinrichtung in Jerusalem zu haben. Was Deutschland mit dem Judentum verbindet, ist nicht zuletzt die deutsche Kultur und Sprache, selbst wenn die Shoa diese Verbindung fast unheilbar auseinandergerissen hat.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan weihte den Lehrstuhl ein
Bundesforschungsministerin Annette Schavan weihte den Lehrstuhl ein
© Kathy Saphir
Wie erleben Sie den christlich-jüdischen Dialog an Ihrem neuen Wirkungsort?
Das Judentum ist hier in einer ungeheuren Vielfalt präsent: von den streng religiösen Synagogen bis zu den Reformjuden aus den USA, zu denen wir schon kulturell eine leichtere Brücke bauen können. Fingerspitzengefühl ist dennoch wichtig – dies umso mehr, als religiöse Fragen hier immer politische Relevanz haben: Das macht den Dialog für uns schwierig, denn das ist nicht unser Land, und vieles versteht man einfach nicht.
Die 20 bis 25 Studierenden eines Studienjahres kommen vor den großen jüdischen Festen, Rosh Hashanah, Jom Kippur und Sukkot, an, und schauen, dass sie in den Synagogen aufgenommen werden, um jüdisches Leben zu erfahren. Wir suchen auch Kontakt zu unterschiedlichen jüdischen Einrichtungen, um die verschiedenen Strömungen des modernen Judentums kennen zu lernen.

Wie gestalten sich spontane Begegnungen mit dem Judentum?
Unter den säkularen Israelis wächst ein unbefangenes Interesse am Christentum. Zu der Christmette am vergangenen Weihnachtsfest kamen rund 85 Prozent israelische Gäste, viele junge Leute. Sie saßen mit ihren Rucksäcken auf dem Boden, weil die Plätze nicht gereicht haben und feierten deutsche Weihnachten mit. Viele jüdische Familien machen ihren Ausflug am Shabbat zu christlichen Klöstern und genießen die Atmosphäre der Stille und des Friedens. Es gibt außerdem einen Studiengang für christliche Kultur in Beerscheba und auch ein Interesse an der Figur Jesu etwa bei israelischen Schriftstellern.

Gibt es ein vergleichbares Interesse auf muslimischer Seite?
Das Interesse kommt eher vom säkularen Sektor der Gesellschaft. Der Islam ist mehrheitlich strenger religiös. Da ist die Kontaktaufnahme schwieriger, vergleichbar mit den orthodoxen Juden.

Was unterscheidet den christlich-jüdischen vom christlich-islamischen Dialog?
Der theologische und religiöse Dialog ereignet sich häufiger in Europa, während hier die politische Frage im Vordergrund steht. Der politische Konflikt belastet den interreligiösen Dialog, auch den interkonfessionellen.

Festveranstaltung in der Benediktinerabtei Dormitio
Festveranstaltung in der Benediktinerabtei Dormitio
© Kathy Saphir
Autor: Boris Hänßler
Veröffentlichungsdatum: 10.02.2010
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