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Festival für Neue Musik |
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Toledo und Maïda bei „Ultraschall“ |
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Während ihrer Zeit in Berlin haben sich die Komponisten Marcelo Toledo und Clara Maïda, Gäste des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, zu Werken inspirieren lassen. Sie wurden im Rahmen von „Ultraschall“, einem renommierten Festival für Neue Musik, erstmals aufgeführt.
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Marcelo Toledo treibt die Neugier auf die Geräusche der Welt um. Der in Argentinien geborene Komponist lebte lange Zeit in New York, in seiner Komposition „La selva interior“ (The Jungle Within) kehrt er thematisch nach Südamerika zurück. Die „Opera imaginaria“ handelt von den letzten Momenten des südamerikanischen Schriftstellers Horacio Quiroga, der sich 1937 in Buenos Aires angesichts einer Krebs-Diagnose das Leben nahm. Sein Werk erforsche „den schwindelerregenden inneren Dschungel eines Mannes, der sich dazu entschlossen hat, noch am selben Tag die Welt zu verlassen“, beschreibt Toledo dieses Stück. Das Musiktheater wurde 2006 in Buenos Aires uraufgeführt, 2009 fasste es der Komponist neu. So traten dramatische und szenische Elemente stärker in den Vordergrund.
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Marcelo Toledos Musik macht Gefühlszustände sichtbar.
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| © Kai Bienert |
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Innenleben eines Schriftstellers
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Das „Kammerensemble Neue Musik Berlin“ (Dirigent Manuel Nawri) und die Gruppe „Neue Vocalsolisten“ nahmen die Zuschauer der Uraufführung im Berliner Radialsystem V mit auf die Reise in das Innenleben eines Schriftstellers. Dreieckige, wie von Unterholz umwucherte Paravents, ein aufgebahrter Bass, um den die Sänger sich wie zum Abendmahl versammelten und gezielte Lichteffekte gaben der am Reichtum der Geräuschwelt orientierten Musik von Toledo einen starken dramatischen Effekt. „Vorgefundene Töne“, so beschreibt Toledo seine Arbeitsweise, seien die Quellen seiner Musik. Jenseits eines klassischen Librettos werden Gefühlszustände bei „La selva interior“ hörbar und sichtbar: Verzweiflung, Einsamkeit, Träume. Auch wer mit der Sprache der Neuen Musik nicht intim vertraut ist, kann sich der Faszination und dem Sog dieser Klänge kaum entziehen.
Toledo, geboren 1964 in Posadas, kam 2009 aus New York in die deutsche Hauptstadt, als Gast des Berliner Künstlerprogramms (BKP). Hier wird er zunächst auch bleiben, weil er die Stadt als einen besonders guten Aufenthaltsort für Komponisten kennengelernt hat.
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Clara Maida und Jean Deroyer stellen den Zuhörer in die Mitte des Geschehens.
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| © Kai Bienert |
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Aura unterirdischer Netzwerke
Als die französische Komponistin Clara Maïda im Jahr 2007 Gast des Berliner Künstlerprogramms wurde, hatte sie in Berlin verstörende Begegnungen mit den zu Beton geronnenen Zeugnissen des Kalten Krieges: Sie fand ein System von wahrhaft lebensfeindlichen Atombunkern vor, in denen ihr ein menschliches Überleben nach der Atomkatastrophe kaum vorstellbar erschien. Maïda, die sich vorher in Paris mit der speziellen Aura unterirdischer Netzwerke künstlerisch auseinandergesetzt hatte, spürt in ihrem Zyklus „Shel(l)ter“ der makaberen Aura des Atombunker-Systems nach, das in Berlin als Sehenswürdigkeit gilt. Das Radialystem V war ein besonders gelungener Ort für die Uraufführung ihrer Auseinandersetzung mit der labyrinthischen Unterwelt, war das Haus doch einst als Pumpenwerk der Eingang zum weit verzweigten Abwassersystem unter Berlin.
Das „Ensemble L’Itinéraire“ (Leitung Jean Deroyer) präsentierte Maïdas Klangkosmos, der mit den verschiedenen Bedeutungen des Begriffes „Shelter“ spielt, der die englische Übersetzung für Zufluchtsort, aber auch Luftschutzbunker ist, mit Einfügung des Buchstabens l zu „Shell“ aber auch Granate oder Muschel bedeutet. Wie aus einem Atombunker so ist auch aus Maïdas Komposition ein Entrinnen kaum möglich. Schlagwerkzeuge dominieren, sieben massive Lautsprecher umstellen geradezu das Publikum, stellen den Zuhörer in die Mitte des Geschehens und fordern nachdrücklich zur Auseinandersetzung mit der Vorstellung auf, Schutz in einem Bunker suchen zu müssen.
Auch die 1963 in Saint Malo geborene Komponistin fühlt sich Berlin weiterhin verbunden. Sie lebt heute in Paris und Berlin.
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Zwölf Jahre Ultraschall
Das Ultraschall-Festival, von Deutschlandradio Kultur und dem Kulturradio des RBB veranstaltet, gibt es seit zwölf Jahren. Regelmäßig zählen BKP-Gäste zu den aufgeführten Komponisten. In diesem Jahr waren 20 Aufführungen zu hören, darunter zahlreiche Uraufführungen. Zum Themenschwerpunkt „Innenwelten, Unterwelten“, der die künstlerische Auseinandersetzung mit Schattenreichen und psychischen Abgründen zeigte, gehörte – neben den Werken von Toledo und Maïda – auch die neue Oper „Aura“ des spanischen Komponisten und DAAD-Alumnus José-Maria Sánchez-Verdú, nach einer Novelle des mexikanischen Autors Carlos Fuentes, der 1988 Gast des Berliner Künstlerprogramms war. |
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Autor: Horst Willi Schors |
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Veröffentlichungsdatum: 09.02.2010 |
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