Ausländerstudium
Nationaler Kodex verabschiedet
Hochschulen einigen sich auf gemeinsame Qualitätsstandards für das Ausländerstudium in Deutschland. Unter anderem gibt es künftig an jeder Hochschule eine Beschwerdestelle. Für die Studierenden bedeutet der Kodex mehr Transparenz, betont der stellvertretende DAAD-Generalsekretär Ulrich Grothus im Interview.
Wie ausländische Studierende über das Studium in Deutschland informiert und beraten werden sollen, wie ihre Zulassung abläuft und welche fachliche, sprachliche sowie soziale Betreuung sie erwarten können, regelt künftig der „Nationale Kodex für das Ausländerstudium an deutschen Hochschulen“. Er legt die Leistungen der Hochschulen rund um das Abschlusszeugnis und für die Zeit nach dem Studium fest und wie mit Beschwerden internationaler Studierender umgegangen wird. Diese gemeinsamen Qualitätsstandards hat die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz im November 2009 in Leipzig verabschiedet. In einer freiwilligen Selbstverpflichtung treten nun die Hochschulen dem Kodex bei.

Warum hat der DAAD den Nationalen Kodex für das Ausländerstudium angeregt?
Ulrich Grothus
Ulrich Grothus
© DAAD
Die Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Australien haben jeweils einen solchen nationalen Kodex – und diese Länder zählen zu unseren größten Wettbewerbern auf dem Hochschulmarkt. Deshalb hat der DAAD die Initiative ergriffen, den Text in GATE-Germany auszuarbeiten. Die Qualitätsstandards sind für die Außendarstellung und das internationale Marketing außerordentlich wichtig. Der Kodex eröffnet den Studierenden aus dem Ausland zudem die Möglichkeit sich zu beschweren, wenn sie an der Hochschule nicht das erhalten, was ihnen zugesagt wurde.

Wo können sich die Studierenden beschweren?
Jede Hochschule richtet eine Beschwerdestelle ein, benennt also eine oder mehrere Personen, an die sich die Studierenden wenden können. Außerdem sorgt sie dafür, dass dies an der Hochschule bekannt ist. Es wird Streitfälle geben. Also müssen die Hochschulen sich Gedanken machen, wie diese entschieden werden. Und wenn das Problem nicht befriedigend gelöst werden kann, dann können sich die internationalen Studierenden an eine Vermittlungsstelle in der Hochschulrektorenkonferenz wenden.
Das Beschwerdeverfahren halte ich für sehr wichtig. Die Hochschulen erfahren, ob der Minimalstandard eingehalten wird und welche Wünsche, Anfragen oder Beschwerden die Gäste aus dem Ausland umtreiben. Ihre Anliegen gehen wahrscheinlich über den Kodex hinaus, bieten also einen Anhaltspunkt für die Hochschulen, an der einen oder anderen Stelle nachzubessern.

In der Präambel steht, dass die Standards so gut wie flächendeckend erfüllt sind und viele Hochschulen bereits mehr für Ausländer anbieten und leisten. Worin liegt dann der Mehrwert des Kodex?
Standardisierung ist das Ziel. Der Nationale Kodex hält Dinge fest, die alle Hochschulen leisten und gewährleisten können und von denen wir hoffen, dass sie künftig immer eingehalten werden. Nicht nur meistens oder in der Regel, sondern immer. Ich erwarte also Änderungen in der Praxis. Denn etwas als selbstverständlich zu deklarieren oder es tatsächlich umzusetzen, sind zwei Dinge.

Wie begleitet der DAAD die Umsetzung?
Als Fachorganisation für Internationales machen wir den Kodex im Ausland bekannt, über die DAAD-Außenstellen, die DAAD-Lektoren und unser gesamtes Netzwerk. In Deutschland haben wir den Kodex häufig mit Hochschulvertretern erörtert, nicht nur in unserem Vorstand, auch bei der Tagung der Auslandsamtsleiter, bei der Tagung Ausländerstudium und vielen anderen. Dies werden wir fortführen. Das Echo war bisher positiv.

Autorin: Das Interview führte Katja Spross
Veröffentlichungsdatum: 25.01.2010
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