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Alumni-Workshop |
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Religion, Macht, Politik |
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Ein interkulturelles Seminar mit DAAD-Alumni aus Nahost und Deutschland beleuchtete in Berlin einen brisanten Gegenstand: Erstarkende Religiosität und den Rückgang von „Säkularität“ in Gesellschaft und Politik.
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Gudrun Krämer, Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin
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| © DAAD |
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Neue Konflikte
Das Phänomen erstarkender Religiosität hat längst auch „säkulare“ Gesellschaften erreicht. In Deutschland haben jüngst die christlichen Kirchen beim Bundesverfassungsgericht gegen den verkaufsoffenen Sonntag geklagt und gewonnen. Die Volksabstimmung gegen den Neubau von Minaretten in der Schweiz wirft neue Gräben zwischen christlich und islamisch geprägten Gesellschaften auf. „Die Konflikte, die durch die Rückkehr zu einer Verknüpfung von Religion, Kultur und kollektiver Identität entstehen, werden auch in westeuropäischen Gesellschaften wachsen“, sagte DAAD-Alumna Gudrun Krämer, Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin, in ihrem Eröffnungsvortrag.
Der iranische Politikwissenschaftler und DAAD-Stipendiat Behrouz Alikhani berührte einen zentralen Punkt der Tagung: Einfache Zuschreibungen und Begriffe führen in den komplexen Realitäten gegenwärtiger Gesellschaften nicht zu Lösungen: „Man kann nicht sagen: Hier Islam, da Politik, dort Gesellschaft.“. „Den Islam“ gibt es ebenso wenig wie „die Identität“ von Migranten. Polare Begriffe wie „Religiosität“ und „Säkularität“ verweisen auf keine konkrete Entwicklung im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext. „Die in Westeuropa vorherrschende Gewichtung ist das Ergebnis einer Jahrhunderte langen Auseinandersetzung“ sagte Gudrun Krämer. Als kollektiver Lernprozess verstanden, sei Säkularität aber kein westeuropäischer Sonderweg, ergänzte der Politologe Karsten Fischer von der Humboldt-Universität zu Berlin. Für differenzierte Diagnosen wünscht sich daher Behrouz Alikhani mehr Aufmerksamkeit: „Was wir vorfinden, ist immer von Menschen gemacht und kann sich unter bestimmten Umständen auch ändern.“
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Unmittelbarer Dialog ist nicht ersetzbar
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Auf der Suche nach vergangenen Säkularisierungsbemühungen fiel der Blick auf Staatsreformen im Nahen Osten, die meist Mischsysteme zwischen säkularem und religiösem Staat hervorbrachten. So bezeichnete Ferhad Ibrahim, DAAD-Gastprofessor für Zeitgeschichte an der Universität von Jordanien in Amman Säkularisierung als eine „Machtfrage zwischen Theokratie und Judikative“. Wie kreativ und konfliktreich der Aushandlungsprozess sein kann, machte Gideon Bohak am Beispiel der israelischen Gesellschaft deutlich, die sich als „jüdisch und demokratisch“ begreife. Doch ein vom Staat getragenes, säkulares Erziehungssystem, dessen kulturelle Basis zugleich die Hebräische Bibel ist, kann auch eine „religiöse Falle“ sein, meinte Bohak: „Wirft man Religion zur Vordertür heraus, kommt sie durch die Hintertür wieder herein.“
„Wir haben eine große Verantwortung, solche Themen mit Bedacht anzugehen“, sagte Heidrun Tempel, Sonderbeauftragte für den Dialog zwischen den Kulturen im Auswärtigen Amt: „Der unmittelbare Dialog kann daher nicht durch Videokonferenzen ersetzt werden.“
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Autorin: Bettina Mittelstraß |
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Veröffentlichungsdatum: 21.12.2009 |
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