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Gäste im Berliner Künstlerprogramm
Dorota Masłowska
Eine eigene und ungewöhnliche Sprache kennzeichnet die Romane von Dorota Masłowska, mit denen sie international Erfolg hatte. In ihrer polnischen Heimat erhielt sie Anerkennung, es schlug ihr aber auch Hass entgegen. Als Gast des Berliner Künstlerprogramms sieht sie die Welt aus einem anderen Blickwinkel – und erlebt in Deutschland die Uraufführung ihres neuen Theaterstücks.
„Ich bin sehr froh, nun in Berlin zu leben – schon allein deshalb, weil meine Wohnung in Warschau abgebrannt ist“, sagt Dorota Masłowska. Aber auch im übertragenen Sinne wurde der jungen Kult-Autorin in Polen der Boden ein wenig heiß unter den Füßen. Nach der Veröffentlichung ihres Debütromans „Schneeweiß und Russenrot“ sei ihr aus konservativen Kreisen Hass entgegengeschlagen. Aber auch die Anteilnahme der positiven Kritiker hat sie empfunden wie „den Zusammenstoß mit einem Panzer.“ Das Leben in Polen habe sie wie eine ständige politische Auseinandersetzung erlebt. „Da ist es gut, die Welt einmal aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können.“

Im Februar 2009 kam die Schriftstellerin mit ihrer fünfjährigen Tochter als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD nach Berlin. Sie schwärmt: „Berlin im Frühsommer, das ist eine perfekte Großstadt. Kein Chaos, grüne Umgebung, müßige Stunden in Straßencafés.“

Neuer Blickwinkel in Berlin: Dorota Masłowska
Neuer Blickwinkel in Berlin: Dorota Masłowska
© www.similitudo.de
Momentaufnahme der polnischen Gesellschaft
Mit ihrem Roman „Schneeweiß und Russenrot“ wurde Dorota Masłowska, Jahrgang 1983, schlagartig berühmt. Als er 2002 erschien, war sie gerade 18 Jahre alt. Das Buch, eine ziemlich aggressive, schonungslose, sprachlich gnadenlose Momentaufnahme der Subkultur in einer polnischen Stadt, wurde zum internationalen Erfolg, ihre Sprache zu einer Identifikationsfläche für die polnische Jugend. Auch ihr zweiter Roman, „Die Reiherkönigin“, erregte Aufmerksamkeit und Anstoß. Dieses Buch habe sie geschrieben, um mit dem Medien-Hype um ihren Erstling fertig zu werden, sagt die junge Frau. Der Roman spielt in der Sphäre der Medien-Macher. Als ihr Übersetzer, Olaf Kühl, in Berlin aus „Die Reiherkönigin“ vorlas, wurde klar: Es handelt sich tatsächlich um einen Rap, wie der Untertitel verspricht. Sie habe beim Schreiben des Textes viel Hip-Hop-Musik gehört, verrät Masłowska. Auf Deutsch, so sagt die Autorin anerkennend, werde der Rap noch deutlicher als im polnischen Original.

Die Kritiker bescheinigen der jungen Autorin eine ganz eigene und ungewöhnliche Sprache. Sie lasse den Text „240 Seiten lang im Staccato eines Maschinengewehrs auf den Leser niederknattern“, schreibt ein Kritiker. Solche martialischen Bilder passen freilich wenig zu der kleinen, mädchenhaft wirkenden jungen Frau, die ihr Gesicht gern hinter blondierten Strähnen verbirgt und auf allzu indiskrete Fragen gelegentlich mit einem verlegenen Lachen reagiert. Aber genau diese Mischung aus radikaler Gegenwartsbeobachtung, gnadenloser Sprache und dem Charme eines Teenagers macht Masłowska nicht nur zu einer Literatur- sondern auch zu einer Medien-Attraktion.

Erfolg wiederholt sich nicht automatisch
Mit dem allgegenwärtigen Medien-Interesse hat die Autorin weiterhin ihre Schwierigkeiten. „Es ist schwer, Erfolg zu haben, und es ist sehr schwer, ihn zu wiederholen.“ Mit ihrem zweiten Roman und ihren beiden Bühnenstücken hat sie immerhin bewiesen, dass ihr Erstling kein Zufallserfolg war. „Aber das zweite Buch ist natürlich auch wieder nur ein Sieg auf Zeit“, sagt Dorota Masłowska, die dafür 2005 den NIKE-Preis erhielt, die bedeutendste literarische Auszeichnung Polens.

Ihr Leben als „öffentliche Person“ empfindet sie als Belastung. Aufmerksam registrieren die Medien jede Äußerung der jungen Frau. Ist sie weiterhin eine Linke aus dem Punk-Milieu oder bereits im neo-konservativen Lager angekommen? Darum reagiert Masłowska gelegentlich allergisch auf direkte politische Fragen: „Ich vermeide Gespräche über die polnische Gesellschaft.“

Der Aufenthalt in Berlin brachte für den BKP-Gast einen besonderen Erfolg: Sie konnte in der Schaubühne die Uraufführung ihres neuen Stücks „Wir kommen gut klar mit uns“ erleben.

Weitere Informationen
Ein großer Dorota-Masłowska-Abend im Roten Salon zum Abschluss ihres Jahres als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD: mit einem Ausschnitt aus Xawery Zulawskis Verfilmung von „Schnee und Russenrot“, einem Gespräch mit der Autorin, einer Lesung und Musik

26. Januar.2010, 20.00 Uhr,
Roter Salon der Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz 10178 Berlin

Dorota Masłowska
Ich kann Wörter zu Torten schichten
Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 11.01.2010
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