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Auslandsschulen
Keine Sekunde gezögert
Sie wachsen in zwei Kulturen auf: Die Absolventinnen und Absolventen deutscher Auslands- und Sprachdiplomschulen sind mit ihrem Heimatland ebenso vertraut wie mit Deutschland – und an hiesigen Hochschulen sehr willkommen. Zurzeit fördert der DAAD 440 von ihnen mit einem Vollstipendium. Anfang Dezember waren sie zu Gast im Auswärtigen Amt.
Der Sprung von Kairo nach München fiel Marina Basilious leicht. „Ich bin eigentlich in zwei Kulturen aufgewachsen“, sagt die junge Ägypterin, die ihren Schulabschluss an einer deutschen Auslandsschule in Kairo gemacht hat. Seit Oktober dieses Jahres studiert sie an der Technischen Universität München Mechatronik und Informationstechnik – gefördert mit einem Vollstipendium des DAAD. „Für diese Fächer ist die TU München eine der besten Unis weltweit“, schwärmt sie.

In zwei Kulturen aufgewachsen: Absolventinnen deutscher Schulen im Ausland
In zwei Kulturen aufgewachsen: Absolventinnen deutscher Schulen im Ausland
© Liesa Johannssen/AA
Auch Denise Orozco aus El Salvador kannte Deutschland schon, bevor sie zum Studium nach Hamburg ging: „Ich war vier Wochen mit einem Schüleraustauschprogramm hier“, sagt sie, „und in der deutschen Schule haben wir sogar das Oktoberfest gefeiert.“ Als Lehrer ihr 2005 das Stipendien-Programm des DAAD vorstellen, zögert Denise Orozco keine Sekunde. Angst vor dem Sprung über den Atlantik hatte sie kaum: „Klar war Deutschland weit weg, aber ich wusste vorher sehr genau, worauf ich mich einlasse“, sagt die DAAD-Stipendiatin, die kurz vor ihrem Abschluss des Studiums der Biochemie und Molekularbiologie in Hamburg steht und nach dem Diplom noch promovieren möchte.

Hohes Potenzial
An insgesamt 135 Auslandsschulen und mehreren hundert Sprachdiplomschulen weltweit erwerben jedes Jahr rund 10.000 Schülerinnen und Schüler einen Abschluss, der sie – direkt oder über den Besuch eines Studienkollegs – zu einem Studium an einer deutschen Hochschule berechtigt. Für den DAAD und die deutschen Hochschulen zählen diese Absolventen zu den Stipendien-Kandidaten mit besonders hohem Potenzial, erklärt Georg Krawietz, Leiter des DAAD-Auslandsschulprogramms: „Die Absolventen deutscher Auslandsschulen sind mit der deutschen Kultur bestens vertraut, sprechen exzellent Deutsch und liegen auch in anderen Fächern über dem Durchschnitt.“ Daran gelte es anzuknüpfen: Die Besten erhalten ein Vollstipendium und die guten bis sehr guten sollen auf anderen Wegen für den Studienstandort Deutschland gewonnen werden.

Der DAAD hat die Zahl der Vollstipendien deshalb massiv ausgebaut: von 60 Stipendien im Jahr 2007 auf 170 Stipendien in diesem Jahr. Insgesamt werden derzeit 440 Studierende gefördert. Über die „Betreuungsinitiative Deutsche Auslands- und Partnerschulen“ (BIDS) knüpft der DAAD außerdem ein Netzwerk zwischen deutschen Hochschulen und Partnerschulen im Ausland – so soll das Interesse an einem Studium in Deutschland weiter gefördert werden.

Auswärtiges Amt engagiert sich
Möglich wurden diese Aktivitäten durch die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH), die das Auswärtige Amt 2008 gestartet hat. Nachdem im ersten Jahr insgesamt bereits 45 Millionen Euro in das Programm geflossen sind, stieg die Förderung 2009 auf 54 Millionen Euro insgesamt. Vor allem die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und das Goethe-Institut haben für den Ausbau des Netzes deutscher Schulen im Ausland Mittel erhalten. Weitere Gelder erhielten der Pädagogische Austauschdienst (PAD) und der DAAD. „Die Investition in internationale Bildung bedeutet Friedenssicherung“, bekräftigt Cornelia Pieper, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, den Ansatz der PASCH-Initiative. Probleme wie soziale Ungleichheit oder Klimawandel ließen sich in einer globalisierten Welt nicht mehr von einzelnen Nationen im Alleingang lösen. Eine der wichtigsten Säulen für den Brückenschlag zwischen Deutschland und der Welt seien Stipendien.


"Investition in internationale Bildung bedeutet Friedenssicherung." Cornelia Pieper (Mitte), Staatsministerin im Auswärtigen Amt
© Liesa Johannssen/AA
„Die Absolventen sollen das hier erworbene Wissen als Multiplikatoren in ihre Heimat tragen“, erklärt Krawietz. Genau das hat Vladimir Gujejiani vor. Der DAAD-Stipendiat stammt aus der georgischen Hauptstadt Tiflis und besucht seit zwei Monaten das Studienkolleg an der Universität Heidelberg. Anschließend möchte er Jura studieren – und nach seinem Abschluss auf jeden Fall wieder in seine Heimat zurückgehen, um sich dort zu engagieren. „Mein Land braucht das jetzt“, sagt der Georgier.

Unternehmen finanzieren Stipendien
Auch für die deutsche Wirtschaft seien die internationalen und leistungswilligen Studierenden interessant, betont Georg Krawietz. Das Auswärtige Amt und der DAAD umwerben deshalb deutsche Unternehmen als Förderer. Bislang finanziert das Softwareunternehmen SAP fünf Vollstipendien, drei werden von der Robert Bosch GmbH getragen. „Das ist noch ausbaufähig“, urteilt Krawietz. Die Profile der Studierenden jedenfalls dürften global aufgestellte Unternehmen aufhorchen lassen. Die Ägypterin Marina Basilious zum Beispiel möchte später in einem internationalen Technologieunternehmen arbeiten – und setzt dabei auf das zunehmende Engagement deutscher Unternehmen in ihrer Heimat. „Dadurch tun sich viele Chancen für mich auf“, sagt sie. Und die möchte sie auf jeden Fall ergreifen.

Autor: Dietrich von Richthofen
Veröffentlichungsdatum: 10.12.2009
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