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TEMPUS
Modernisierung durch Kooperation
Mit neuen Kooperationsprojekten können sich Hochschulen jetzt bewerben: Das finanzstarke TEMPUS-Programm der Europäischen Union fördert seit 20 Jahren kontinuierlich die Entwicklung des Hochschulwesens in den Partnerländern.
"Universitäten und Industrie sind immer noch parallele Welten in Bosnien und Herzegowina seit der Krieg dort Strukturen zerrissen hat“, sagt der Ingenieur Stefan Wagner vom Institut für Umformtechnik an der Universität Stuttgart. Das will man hier ändern. Mit ihrer Partneruniversität in Banja Luka, Hauptstadt der Teilrepublik Srpska, hat Stuttgart erfolgreich ein Projekt entwickelt, das die Zusammenarbeit von Hochschulen und Industrie im Bereich Maschinenwesen in Bosnien und Herzegowina strukturell fördert. „Wir stellen Kontakt her und holen Industrievertreter zum Beispiel mit kostenlosen Schulungen an die Universitäten“, sagt Wagner. In das von der Europäischen Union (EU) im Rahmen von TEMPUS eben erst für drei Jahre bewilligte Projekt sind acht Universitäten, zahlreiche Partnerorganisationen und mittelständische Betriebe sowie nationale Behörden und Ministerien eingebunden.

Klaus Haupt (2.v.r.), EACEA:
Klaus Haupt (2.v.r.), EACEA: "TEMPUS-Projekte müssen zu nationalen Vorhaben passen."
© DAAD/Ausserhofer
Nationale Reformagenda im Blick
Zwischen 500.000 und 1,5 Millionen Euro stellt das Programm TEMPUS für ein so breit angelegtes Kooperationsprojekt bereit. Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass die Projekte in den Drittländern die Hochschulstrukturen nachhaltig modernisieren und reformieren und dabei auch die Unterstützung der nationalen Behörden haben. „Wir fragen die Ministerien, welche Prioritäten sie im Rahmen des TEMPUS-Programms setzen wollen, damit diese in nationale Reformagenden passen“, betont Klaus Haupt, Referatsleiter der Exekutivagentur für Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) in Brüssel, der für die Umsetzung des TEMPUS-Programms verantwortlich ist.

Innovationskraft in Ägypten stärken
Ein anderes, gerade implementiertes TEMPUS-Projekt, in dem die Universität Kairo Vertragsnehmer und die Freie Universität Berlin Kooperationspartner ist, setzt an spezifischen Wirtschaftsproblemen in Ägypten an. „Wir versuchen einen Transfer von Forschungsergebnissen hin zur kommerziellen Praxis herzustellen, um Ägyptens Innovationskraft aus den eigenen Hochschulen heraus zu fördern“, sagt Lennart Brand von der Freien Universität Berlin. „Wir definieren Märkte für Technologien, zeigen Studierenden und Universitätsangehörigen, wie man Patente einreicht und verkauft oder Unternehmen gründet.“

In Turkmenistan bildet ein Tempus-Projekt der Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld gemeinsam mit polnischen und finnischen Partnern Fachkräfte im Bereich Erdöl und Erdgas aus. Die turkmenischen Experten profitieren von den unterschiedlichen Teilnehmern: So bringen deutsche und finnische Partner aus Hochschule und Wirtschaft ihre Expertise – und Polen zusätzlich ihre Transitionserfahrung ein – ein wertvoller Know-how-Transfer.

Modernisierung der Hochschulbildung in den EU Partnerländern ist das Ziel der EU-TEMPUS Projekte seit 1990, als das Förderprogramm unter dem Namen „Trans-European Mobility Programme for University Studies“ (TEMPUS) vom Ministerrat der Europäischen Union ins Leben gerufen wurde. Bis 1993 half es beim Reformprozess in mittel- und osteuropäischen Ländern in Richtung Demokratisierung und Marktwirtschaft. Inzwischen befindet sich das Programm in der vierten Phase. Die geografische Ausdehnung, in der Hochschulkooperationen unterstützt werden, erstreckt sich inzwischen auf die östlichen Nachbarstaaten der EU, Russland, den westlichen Balkan, Zentralasien, und die südlichen Mittelmeerstaaten.

Nina Salden:
Nina Salden: "Deutsche Hochschulen sind Spitzenreiter bei TEMPUS."
© DAAD/Ausserhofer
Deutsche Hochschulen an der Spitze
„Deutsche Hochschulen sind Spitzenreiter bei der Beteiligung an erfolgreichen TEMPUS-Projekten“, sagt Nina Salden, Referatsleiterin beim DAAD, der als nationale TEMPUS-Kontaktstelle in Deutschland intensiv über das Förderprogramm informiert und Hilfestellung bei der Beantragung der europäischen Fördergelder leistet. Zu den jährlichen TEMPUS-Aufrufen, neue Projekte zur Förderung bei der Brüssler Exekutivagentur einzureichen, organisiert der DAAD regelmäßig Seminare und Tagungen. Das Engagement lohnt sich. Von den für 2009 zur Förderung ausgewählten 69 Projekten gingen 13 Verträge an deutsche Hochschulen als Koordinatoren. In 32 Projekten insgesamt sind deutsche Hochschulen als Partner in TEMPUS-Projekte eingebunden.

Mit rund 53,8 Millionen Euro ist der Topf derzeit gefüllt, der nach dem dritten Aufruf vom 30. November 2009 von der EU auf kommende Förderprojekte verteilt werden kann. 20,4 Millionen hiervon soll dieses Mal für Kooperationsprojekte mit südlichen Mittelmeerländern ausgegeben werden. Der Bewerbungsschluss ist der 9. März 2010.

Autorin: Bettina Mittelstraß
Veröffentlichungsdatum: 03.12.2009
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