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''Sonderprogramm UdSSR''
Vom Plan zum Markt
In Berlin feierte der DAAD 20 Jahre Förderung osteuropäischer Studierender der Wirtschaftswissenschaften mit 100 geladenen Alumni. Ihre beeindruckenden Lebensläufe bezeugen die Erfolgsgeschichte des Sonderprogramms, das 1989 vom Auswärtigen Amt initiiert wurde und seit 1994 aus Mitteln des European Recovery Programme (ERP) gefördert wird.
Boris Pasternak musste 1914 aus politischen Gründen die Hochschulstadt Marburg verlassen. Mit ihm verabschiedete sich bis 1989 der letzte russische Student an einer westdeutschen Universität. „Wissenschaftler durften kommen, aber keine Studierenden“, sagt Gregor Berghorn, Leiter der DAAD Außenstelle Moskau. Als er 75 Jahre später 60 Studierende der Wirtschaftswissenschaften aus der sich wandelnden Sowjetunion am Flughafen Frankfurt begrüßen durfte, war das ein historischer Moment.

100 Alumni aus Mittel- und Osteuropa kamen zum Jubiläum nach Berlin.
100 Alumni aus Mittel- und Osteuropa kamen zum Jubiläum nach Berlin.
© David Ausserhofer
Als „Sonderprogramm UdSSR“ vereinbarten 1989 Helmut Kohl und Michail Gorbatschow die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Hochschulen. Ein Jahr lang sollten Studierende der Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften an deutschen Hochschulen verbringen, Praktika absolvieren und dann in der Heimat fertig studieren. Als sich 1991 die Sowjetunion auflöste, wurde das Programm unter Federführung des DAAD und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes fortgeführt. 1994 erhielt es einen festen Platz in dem seit 1949 bestehenden ERP-Förderportfolio des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die Alumni sind in der Industrie sehr gefragt.
Die Alumni sind in der Industrie sehr gefragt.
© David Ausserhofer
Zwischen Systemen und Mentalitäten vermitteln
„Wir wollten Wissenschaft und Bildung unbedingt in diesen dramatischen Umbruch einbinden“, betont DAAD-Generalsekretär Christian Bode. Um den Modernisierungsprozess „vom Plan zum Markt“ voranzutreiben, mussten Studierende möglichst rasch in der für sie neuen Volkswirtschaftslehre ausgebildet werden. Die Idee war, dass sie dann in Führungs- oder Schlüsselpositionen die Wirtschaft ihrer Länder unter den neuen Bedingungen mitgestalten und in den globalen Markt lenken würden.

Das Konzept ging auf. „Heute sind viele der mehr als 1.500 osteuropäischen ehemaligen DAAD-Stipendiaten in großen Städten Osteuropas für die mittelständische Industrie ein Wirtschafts- und Standortfaktor geworden“, sagt Berghorn. Ausländische Unternehmen erkundigen sich ausdrücklich nach Kontaktpersonen, die zwischen Systemen, aber auch Kulturen oder Mentalitäten vermitteln können. Eine solche Schnittstelle besetzte der ehemalige Stipendiat Dmitriy Antropov, der 2002 an der Universität Marburg seine Kenntnisse in Risikomanagement und Bankenwesen vertiefte, bei der russischen UniCredit Bank in Moskau: „Ich übersetzte den internationalen Kunden das russische System und erklärte den Russen, was diese Kunden überhaupt wollten.“ Heute arbeitet Dmitriy Antropov für die international agierende Vermögensverwaltungsgesellschaft Partners Group in der Schweiz.

Viele der ehemaligen Stipendiaten arbeiten heute in Schlüsselpositionen.
Viele der ehemaligen Stipendiaten arbeiten heute in Schlüsselpositionen.
© David Ausserhofer
Schlüsselpositionen in der Wirtschaft besetzt
Die Karriere ist beispielhaft für zahlreiche ehemalige Stipendiaten des ERP-Programms. Einige mündeten in Schlüsselpositionen bei Zentralbanken osteuropäischer Länder. Andere arbeiten heute in internationalen Firmen als Wirtschaftsprüfer oder Finanzberater und leisten dort wertvolle Vermittlung und Verständigung zwischen den Staaten. „Mein DAAD-ERP- Stipendium 2002 in Trier war nicht nur ein Tor zum Westen sondern das Tor zur Welt“, sagt die Rumänin Irina Drilea-Gasca, die als Unternehmensberaterin bei der deutschen BearingPoint GmbH arbeitet, eine der größten global arbeitenden Management- und Technologieberatungsfirmen. Neben der in Deutschland erlernten Wirtschaftkompetenz war für sie auch ihre Persönlichkeitsentwicklung entscheidend. Im Ausland sah sie sich und ihre Herkunft mit anderen Augen. Heute versteht sie sich weltweit als Botschafterin ihres Landes – eine Aufgabe, an der sie aktiv auf dem Wirtschaftssektor arbeitet.

Seit 2008 hat sich das ERP-Programm erfolgreich den neuen Studienordnungen angepasst und bietet nun einen zweijährigen Masterstudiengang an. Für die Zukunft geht es noch stärker darum, kompetente Führungskräfte für ein globales Umfeld auszubilden.

Autorin: Bettina Mittelstraß
Veröffentlichungsdatum: 26.11.2009
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