Gäste im Berliner Künstlerprogramm
Suk-Jun Kim
Der koreanische Komponist Suk-Jun Kim hat mit seiner Klanginstallation ''In tune out of tune'' der Diskussion um den Schlossplatz in der Mitte der deutschen Hauptstadt Berlin eine neue und überraschende Dimension verliehen.
Fröhliche Gesichter trotz grauem Berliner Herbstwetter. Die Passanten auf dem etwas tristen Platz in Berlins Mitte zwischen Dom und der Hochschule für Musik Hans Eisler, wo einst der Palast der Republik stand und einmal der Neubau des Stadtschlosses gebaut werden soll, bleiben stehen und lauschen. Aus Lautsprechern, versteckt unter hölzernen Bänken, klingen gesummte Melodien. Von Bach bis Beatles, vom Kinderlied zum Gassenhauer, vom Volkslied zur Pop-Schnulze. Die Stimmlagen reichen vom ambitionierten Falsett über die gezischte Beatbox zum gemütlichen Bass, zwischendurch sind Lachen und Gesprächsfetzen zu hören. Den Zuhörern wird es sichtlich warm ums Herz, die Minen hellen sich auf. Die Töne überlagern sich, bilden Klangteppiche und neue Harmonien. Ringsumher erklingt das Summen der Großstadt Berlin. Eine Symphonie der besonderen Art.

Klanginstallation auf dem Schlossplatz: Die Lautsprecher sind unter Holzbänken (Bildvordergrund) versteckt
Klanginstallation auf dem Schlossplatz: Die Lautsprecher sind unter Holzbänken (Bildvordergrund) versteckt
© Frank Paul, ants and butterflies
Gesummte Melodien mit Geschichte
Mitten zwischen den Passanten steht der Komponist Suk-Jun Kim, der als Gast des Künstlerprogramms des DAAD in Berlin wohnt. Er studiert aufmerksam die Reaktionen der Menschen. „Hinter jeder dieser gesummten Melodien steckt eine Geschichte. Ich hoffe, dass sich diese Geschichten und die Stimmung, aus der sie entstanden sind, den Zuhörern mitteilen.“

Seine Klanginstallation „In tune out of tune“ bezeichnet der Komponist als „Ortsbewusstseinserkundung“. Er hat rund 60 Berliner verschiedener Altersklassen - „solche die schon lange hier leben und die Diskussion um diesen Platz mitten in der Stadt auch kennen” – gebeten, ihm ein Lied vorzusummen, das sie an die eigene Kindheit erinnert. Die Ergebnisse, im 8-Kanal-Ton aufgenommen, mit Glockenklängen zu musikalischen Sätzen strukturiert, erklingen nun 17 Minuten lang aus acht Lautsprechern auf einem der zentralen Plätze Berlins, der sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Suk-Jun Kims Klanginstallation wirkt wie ein Kommentar zu dieser außerordentlichen Situation.

Klänge für besondere Plätze
Dieser besondere Platz inspirierte den 1970 in Korea geborenen Komponisten hörbar. Er beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit seit 1998 vorzugsweise mit Plätzen, die – bei allem Realismus – eine phantastische und magische Ausstrahlung haben, die den Besucher zum Verweilen, Hinschauen und Hinhören verführen. Seine elektroakustischen Installationen waren schon in Bourges, Belfast, Sao Paulo und Köln zu hören. In Köln, im Museum für angewandte Kunst, beteiligte er sich an einem Projekt zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, bei dem elf Komponisten aus zehn nichteuropäischen Ländern ihre Gedanken zum Thema Sport und Raum in Klänge umsetzten. Kompositionen von Suk-Jun Kim gehören inzwischen überall auf der Welt zum Repertoire von elektroakustischer Musik.

Suk-Jun Kim will Menschen zum Hinhören verführen
Suk-Jun Kim will Menschen zum Hinhören verführen
© Frank Paul, ants and butterflies
Ausgangspunkt Theologie
Nach einem Studium der Theologie in Südkorea beschäftigte sich Suk-Jun Kim mit Aufnahmetechnik, Sound-Design, Musiktheorie, Elektronischen Medien und elektroakustischer Komposition an Universitäten in Kanada, Frankreich und den USA. Seine erste intensive Begegnung mit elektronischer und elektroakustischer Musik hatte Suk-Jun Kim, als er 1996 an das Ontario Institute of Audio and Recording Technology (OIART) nach Kanada kam. Dort erwarb er 1998 Diplome in Tontechnik und Sound-Design, bekam 2002 den „Master of Music“ an der renommierten Northwestern University, Illinois. Im Jahre 2008 legte er an der University of Florida, Gainsville, die Prüfungen für den Doktor-Titel (Ph.D.) ab.

Seit Ende der Neunziger Jahre hat er zahlreiche vor allem elektroakustische Kompositionen vorgelegt und wurde mit vielen internationalen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, unter denen der Komponist seine Einladung als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD besonders hoch einschätzt. In den USA gab er auch Meisterkurse an der Stetson University und der Manchester University.

Berliner Klanginstallation bis 30. Januar 2010
Folkmar Hein, viele Jahre Leiter des Elektronischen Institutes der Technischen Universität Berlin, das als Zentrum für elektronische Musik als international führend gilt, hebt besonders den „versteckten Frohsinn“ in Suk-Jun Kims neuester Arbeit hervor, die noch bis zum 30. Januar 2010 auf dem Berliner Schlossplatz zu erleben ist.

Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 24.11.2009
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