Wissenschaftsdialog und Zusammenarbeit
Fachgespräche schaffen Vertrauen
Die Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter deutscher Hochschulen trafen sich vom 11. bis 13. November zur Jahrestagung beim DAAD in Bonn. Sie sprachen darüber, wie Hochschulen zur Entwicklungszusammenarbeit in Konfliktregionen beitragen können. Experten aus Wissenschaft und Politik zeigten klare Perspektiven auf.
Eine einfache Frage stand im Raum: „Welcher wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit ‚Krisenstaaten’ würden Sie den ersten Preis geben?“ So eröffnete Moderator Jörg Kaminski vom Westdeutschen Rundfunk am ersten Tag die horchrangig besetzte Podiumsdiskussion auf dem Treffen der Leiterinnen und Leiter der Akademischen Auslandsämter. Wirtschaftsprofessor Wilhelm Löwenstein von der Universität Bochum nannte den Bachelor-Studiengang seines Fachs in Afghanistan als vorbildlich. Dieses international anerkannte Studienprogramm entwickelte sein Institut mit elf Hochschulen im Partnerland, unterstützt vom DAAD. „Das ist das erste Mal, dass es einen einheitlichen Lehrplan in einem Studienfach für Afghanistan gibt“, sagt Wilhelm Löwenstein. Die für den Wiederaufbau dringend benötigten Ökonomen werden dort ausgebildet.

Podiumsdiskussion: Wie können Hochschulen zur Entwicklungszusammenarbeit beitragen?
Podiumsdiskussion: Wie können Hochschulen zur Entwicklungszusammenarbeit beitragen?
© Michael Jordan / DAAD
Christiane Bögemann-Hagedorn vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) setzte einen Master-Studiengang über Wassermanagement auf Platz eins. In diesem Master-Programm der Fachhochschule Köln und der University of Jordan für DAAD-Stipendiaten mit zwei Jahren Berufserfahrung lernen zehn arabische und zehn deutsche Teilnehmer gemeinsam, sowohl in Amman wie in Köln. Und Helmut Blumbach, Leiter der Programmabteilung Süd im DAAD, stellt den Bau erdbebensicherer Häuser im Iran heraus, ein Ingenieurprojekt zwischen der Universität Wuppertal und der Isfahan University of Technology.

Alle genannten Projekte stammen aus den Ingenieur- oder Gesellschaftswissenschaften, was Helmut Blumbach begrüßte: „Zwei plus zwei ist immer vier, ein Ingenieur überall ein Ingenieur. Aus der fachlichen Zusammenarbeit ergibt sich häufig eine Vertrauensbasis für andere Themen und auch brisante Fragen – etwa nach der Religion oder der Rolle der Frau in der Gesellschaft.“

Thomas Götz: Es gibt Grenzen für
Thomas Götz: Es gibt Grenzen für "westliche Einmischung".
© Michael Jordan / DAAD
Konfliktfähigkeit lernen
Die UNESCO stellte bereits vor gut zehn Jahren fest, dass Bildung und Studium Grundpfeiler und Voraussetzung einer friedlichen Konfliktbewältigung sind: So kann Bildung Konflikten vorbeugen ebenso wie den Wiederaufbau nach der Krise unterstützen. Während einer Auseinandersetzung betrachten die Kontrahenten Schulbank und Hörsaal aber immer als nachrangig. Dies bestätigten die Bildungsmanager in Bonn. Denn die akademische Qualifizierung einheimischer Führungskräfte und ihre Einbindung in internationale Netzwerke zeigt keine kurzfristigen, sondern nur langfristige Erfolge.

Als Vertreterin der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ steuerte Andrea Schmitz einen weiteren Aspekt bei: „Außer eklatanten Krisengebieten gibt es rund um den Globus auch vermeintlich stabile Staaten mit hohem Konfliktpotential.“ In dortigen Bildungssystemen komme es darauf an, „Konfliktfähigkeit“ zu lernen und friedliche Einigungsprozesse einzuüben. Demgegenüber zog Thomas Götz, Beauftragter für Außenwissenschaftspolitik im Auswärtigen Amt, eine Grenze für „westliche Einmischung“: Zusammenarbeit nur in Gebieten, in denen die Bevölkerung selber Defizite erkennt und beheben will. Der politische Leitbegriff dafür heißt „Ownership“. Er umschreibt die Übernahme von Verantwortung für Errungenschaften internationaler Projekte, die als nationales Eigentum angenommen, aktiv gepflegt und weiterentwickelt werden.

Fokus auf Afrika
Auf einem zweiten Panel zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika erläuterte Thomas Albert, Beauftragter für Afrika und Nahost im BMZ, die Schwerpunkte seines Hauses. Dabei geht es jeweils um nachhaltige Entwicklung („wealth creation“) – ob in der Wasserwirtschaft, dem Finanzwesen oder bei guter Regierungsführung. An die konkreten Vorhaben der Projektträger wie etwa des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) sollten sich die Hochschulen aktiv ankoppeln, riet Albert. Ein Musterbeispiel ist ein Forschungsprogramm zur Wasserspeicherung für Farmen zwischen den Universitäten in Bonn und Addis Abeba in Äthiopien.

Der DAAD engagiert sich in Afrika unter anderem mit Stipendienprogrammen und lokalen Fachzentren für Master- und PhD-Studiengänge, zum Beispiel in Ghana, für die Qualitätssicherung speziell an ostafrikanischen Universitäten und nicht zuletzt mit einem Alumni-Netzwerk. In den kommenden zehn Jahren, so Abteilungsleiter Blumbach, will der DAAD zusätzlich 2.000 Doktoranden zu Hochschuldozenten aus- und weiterbilden und zehn deutsch-afrikanische Master-Studiengänge für Fachkräfte der Entwicklungszusammenarbeit schaffen. So kann durch Elitenbildung ein ziviles Konfliktmanagement möglich werden.

Autor: Hermann Horstkotte
Veröffentlichungsdatum: 19.11.2009
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