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20 Jahre Mauerfall |
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Niedergang oder Zivilcourage? |
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Er war immer zur Stelle, wenn es in Europa „brannte“: 1956 in Budapest, 1968 in Paris und 1989 in Berlin: Den Fall der Berliner Mauer erlebte der Niederländer Cees Nooteboom als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Jetzt traf er auf den englischen Zeithistoriker Timothy Garton Ash, der zehn Jahre vor ihm mit einem DAAD-Stipendium an der Freien Universität Berlin studiert hatte.
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Schlidern Erlebnisse vom 9. November 1989: Cees Nooteboom (li) und Timothy Garton Ash
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| © Krzysztof Zielinski/DAAD |
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20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer sprachen Cees Nooteboom und Timothy Garton Ash über „Europa und die neuen Epizentren“. Sie erzählten zunächst, wie sie persönlich den 9. November 1989 erlebt haben, und gaben dann ihre eigene Einschätzung der weltbewegenden Vorgänge. Nooteboom hatte schon 25 Jahre vor der Öffnung der Mauer sein Urteil über die Qualität des Regimes in der DDR schärfen können, als ihn sein erster Deutschlandbesuch nach Ostberlin zu einem Parteitag der SED geführt hatte. Seiner Auffassung nach hatte das Regime einfach abgewirtschaftet und zu seinem Sturz bedurfte es 1989 nur noch der Abwendung der Sowjetunion. Demgegenüber vertrat der Zeitgeschichtler Garton Ash die Auffassung, dass es der sich in einer „sanften Revolution“ ausdrückende Freiheitswille der ostdeutschen Bevölkerung gewesen sei, der die Öffnung der Mauer und damit das Ende der SED-Herrschaft in der DDR bewirkt habe.
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Niedergang und Zivilcourage
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Cees Nooteboom und Timothy Garton Ash standen somit für zwei unterschiedliche Urteile über die Vorgänge vor 20 Jahren – der eine betonte den Niedergang der DDR, der andere die Zivilcourage der Demonstranten in Leipzig und an anderen Orten der DDR. Fehler seien seitens der deutschen Politik in jedem Fall nicht bis zur Vereinigung am 3. Oktober 1990 gemacht worden, sondern erst danach, befand Garton Ash.
Der vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD in Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburger Tor veranstaltete Abend im Max Liebermann Haus fand vor prominentem internationalem Publikum statt. Botschafter, Politiker, Autoren und Wissenschaftler füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Das Gebäude direkt neben dem Brandenburger Tor vermittelt schon durch seine Lage das Gefühl, an deutscher Geschichte teilzuhaben. Monika Grütters von der Stiftung Brandenburger Tor und DAAD-Generalsekretär Christian Bode begrüßten die Gäste. Dabei stellte Monika Grütters den 20. Jahrestag des Falls der Mauer in einen Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg, der vor 70 Jahren unweit des Veranstaltungsortes erklärt worden war.
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Großes Interesse: DAAD-Generalsekretär Christian Bode (li) begrüßte die zahlreichen Gäste
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| © Krzysztof Zielinski/DAAD |
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Das Thema des Abends wies auf einen weit über den Ort hinausgehenden Horizont. Garton Ash erweiterte seine Analyse der „samtenen Revolution“ vom Ende der DDR und sprach von einer weltweit zu beobachtenden Entwicklung von „Revolutionen neuen Typs“. Diese seien nicht mehr durch Gewalt und die Guillotine gekennzeichnet, sondern durch eine gewaltfreie Umsetzung des Volkswillens. Als Beispiel nannte er Mahatma Gandhis Unabhängigkeitsbewegung in Indien sowie in jüngster Zeit die Ukraine, die Philippinen und, obwohl noch nicht erfolgreich, den Iran.
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Wendepunkt der europäischen Geschichte
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Auf Europa eingehend, verwies Nooteboom auf die gewaltige Barriere der vielen Sprachen, die ja zugleich Europas wunderbaren Reichtum ausmachten. Garton Ash merkte an, Brüssel biete – anders als etwa die USA – nicht genug „Soap-Opera-Stoff“, mit dem sich die Menschen leichter identifizieren könnten. Beide beklagten, dass es noch kein europäisches Geschichtsbewusstsein gebe, welches eine Grundvoraussetzung für die Identifizierung der Menschen mit ihrem vereinigten Kontinent sei. Timothy Garton Ash und Cees Nooteboom stehen dagegen bereits beide für ein solches Bewusstsein: Sie erzählten aus ihrem Blickwinkel von außen über die deutschen Ereignisse vor 20 Jahren und machten den markanten Wendepunkt der europäischen Geschichte deutlich.
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Autorin: Harald Loch |
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Veröffentlichungsdatum: 13.11.2009 |
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© DAAD |
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