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GAIN-Jahrestagung
Werben für Deutschland unter kalifornischer Sonne
Die 9. GAIN-Tagung deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Nordamerika lockte diesmal 260 Teilnehmer an die University of California in San Francisco. Das Interesse an Karriereperspektiven in Deutschland ist größer denn je.
Die Jahrestagung des „German Academic International Network“ (GAIN) erreichte eine neue Rekordbeteiligung: Unter den 260 Teilnehmern waren in diesem Jahr mehr Wissenschaftler, die seit längerem ohne Stipendium in den USA arbeiten und daher umso mehr von den Informationen aus erster Hand profitieren konnten. Hochrangige Vertreter der deutschen Wissenschaftslandschaft diskutierten mit den deutschen Forschern, darunter die Präsidenten der Wissenschaftsorganisationen – Alexander von Humboldt-Stiftung, DAAD, Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) – , zahlreiche Hochschulrektoren, über 30 Aussteller auf der begleitenden Career Fair und ein Staatssekretär des Bundesforschungsministeriums. Ihre Präsenz unterstrich das große Interesse in Deutschland, Kontakt mit den besten wissenschaftlichen Nachwuchskräften im Ausland zu halten.

DAAD-Präsident Stefan Hormuth:
DAAD-Präsident Stefan Hormuth: "Deutschland wirbt um die Besten."
© GAIN
Mehr Verantwortung für den Nachwuchs
DAAD-Präsident Stefan Hormuth betonte, dass Deutschland um die Besten werbe: „Wir wollen Sie gewinnen – sei es für eine Rückkehr, sei es für eine enge Zusammenarbeit und Netzwerkbildung mit der deutschen Wissenschaft. Die Selbstständigkeit junger Forscher, um die es in Deutschland nicht immer gut bestellt war, hat deutlich zugenommen. Auch jüngere Wissenschaftler können große Verantwortung übernehmen. Nur ein Beispiel: Mein kürzlich gewählter Nachfolger als Universitätspräsident in Gießen ist 35 Jahre alt.“ Untermauert wird dieser Wandel durch den Hochschulpakt, die Fortsetzung der Exzellenzinitiative und den Pakt für Forschung und Innovation, die in den nächsten Jahren 18 Milliarden Euro für Wissenschaft und Hochschulen zusätzlich bereitstellen. Tausende von neuen Stellen für Nachwuchsakademiker werden geschaffen.

„Deutschland bietet sehr viele Möglichkeiten. Es ist erkennbar, dass wir dort mit offenen Armen willkommen sind“, lautet der Eindruck eines jungen Forschers. Allem Optimismus zum Trotz, bleibt eine gewisse Skepsis. So vergehe in Deutschland immer noch zu viel Zeit, bis Wissenschaftler an den Hochschulen eine verlässliche Perspektive für die eigene Zukunft bekommen. An amerikanischen Hochschulen lockt dagegen mit dem „tenure track“ eine dauerhafte Karriereperspektive. Manche Teilnehmer berichteten allerdings vom Rückgang dieser Dauerstellen in jüngster Zeit und davon, wie schwierig es ist, einen „tenure track“ an den namhaften amerikanischen Universitäten zu bekommen. In Deutschland beginnt die Einrichtung solcher Dauerstellen erst langsam.

Engagierte junge Forscher sind in Deutschland willkommen
Engagierte junge Forscher sind in Deutschland willkommen
© GAIN
Drei Wege zur Professur
Für deutsche Postdoktoranden in Nordamerika gibt es nicht nur einen, sondern drei Wege zur Professur in ihrer Heimat: Sie können Nachwuchsgruppen leiten, beispielsweise im Emmy-Noether-Programm der DFG, in der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Max-Planck-Gesellschaft, als Juniorprofessor tätig werden oder den klassischen Weg der Habilitation wählen, oft verbunden mit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle an einem Lehrstuhl.

Die GAIN-Tagung zeigte in Workshops andere Karrieremöglichkeiten als den klassischen Weg der Professur auf: Eine Tätigkeit in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, in der forschenden Wirtschaft, im Wissenschaftsmanagement oder als Unternehmensgründer. Nach längerer Praxiserfahrung steht es Wissenschaftlern zudem offen, an einer Fachhochschule zu unterrichten.

Doppelkarrieren werden unterstützt
Besonderen Eindruck hinterließ das Interesse deutscher Hochschulen, Doppelkarrieren von Wissenschaftlerpaaren zu unterstützen. Noch vor wenigen Jahren wurde dieses Thema kaum näher beachtet, inzwischen gibt es deutschlandweit ein Netzwerk von 30 Beratungsstellen. „Ich habe in San Francisco gemerkt, dass sich Deutschland bemüht, seine Lehre und Forschung zu internationalisieren und es sich auch für Wissenschaftlerpaare lohnt, informiert zu bleiben”, zog ein Teilnehmer Bilanz. Ein anderer sagte: „Meine Entscheidung nach Deutschland zurückzukehren oder in den USA zu bleiben wird letztendlich von den konkreten Arbeitsangeboten abhängen. Aber die GAIN Tagung hat meine Einstellung zur Rückkehr nach Deutschland sehr positiv beeinflusst.“

Autorin: Katja Simons (GAIN-Programmleiterin)
Veröffentlichungsdatum: 25.09.2009
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