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Gäste im Berliner Künstlerprogramm
Dane Mitchell
Der neuseeländische Konzeptkünstler Dane Mitchell mustert die kahlen Wände seines Ateliers im Berliner Künstlerhaus Bethanien. Das ehemalige Diakonissenkrankenhaus am Kreuzberger Mariannenplatz ist seit mehr als dreißig Jahren ein Ort alternativer künstlerischer und sozialer Experimente. Dane Mitchell arbeitet hier als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. „Ich weiß noch nicht, ob es hier Gespenster gibt”, sagt der junge Künstler, „dazu müsste ich hier wohl eine Nacht verbringen.“
Gespenster spielen durchaus eine Rolle im Werk des Konzept-Künstlers. Mitchell ist daran interessiert, wie kulturelles Wissen ideologisch und sozial geformt ist und wie es in Institutionen präsentiert oder deformiert wird. Dabei untersucht er auch alternative Erkenntniswege – etwa Spiritualismus.

Eine verhexte Ecke: Mitchell interessiert die Galerie als Raum für Experimente und Erfahrungen.
Eine verhexte Ecke: Mitchell interessiert die Galerie als Raum für Experimente und Erfahrungen.
© Dane Mitchell
„Diese Ecke ist verhext“
In einer Galerie in Auckland, Neuseeland, entdeckte er einen eigenartigen, halb versteckten Raum unter einer Treppe. „Dieser Raum wurde bei Ausstellungen einfach ignoriert, weil er schwer zugänglich war”, erinnert sich Mitchell. Er wollte die Aufmerksamkeit auf diesen vergessenen Winkel wenden, ohne etwas hineinzustellen oder groß zu verändern. Dane Mitchell engagierte eine Hexe, die klären sollte, ob dieser abgelegene Winkel verwunschen sei. Zu sehen war schließlich eine Absperrung und ein Schild mit der Warnung: „Diese Ecke ist verhext. Bitte nicht betreten.“

In seinem Werk „Present Surface of Tell“ seziert Mitchell das Museum als Wissens-Speicher. Er schneidet ein Museums-Modell buchstäblich in Scheiben, fügt Pläne und Ansichten hinzu. Das schärft den kritischen Blick auf eine geheiligte Institution der kulturellen Sinnproduktion. In der praktischen Ausführung entsteht ein perfekt inszeniertes Schaustück, das sich nahtlos in jene kritisierte Institution einfügt. Ein Widerspruch mit System.

Seziertes Museums-Modell: Ein kritischer Blick auf geheiligte Institutionen
Seziertes Museums-Modell: Ein kritischer Blick auf geheiligte Institutionen
© Dane Mitchell
Experimentierraum Galerie
Mitchell stellt die Systeme und Aufbewahrungsorte kultureller Sinnproduktionen auf die Probe. „Es geht um Wissen und ich liebe es, mit meiner Arbeit auf einen konkreten Raum zu reagieren“, sagt der Künstler. Schon als Student habe er sich sehr für den – auch theoretischen – Kontext des Galerie- und Ausstellungswesens interessiert. Mitchell: „Mich interessiert die Galerie als Ort und als Raum für Experimente und Erfahrungen.”

Nun ist seine temporäre Heimat Berlin reichlich mit Kulturorten gesegnet, die seine Phantasie kitzeln könnten. Der Mann aus Neuseeland erforscht die Stadt zwischen Atelier im brausenden Kreuzberg und Wohnung im beschaulichen Wilmersdorf. „Berlin bietet beides – eine betriebsame und anregende Szene, gleichzeitig ist die Stadt sehr entspannt.“ Er wisse noch nicht, wohin ihn Berlin führt: „Im Augenblick fühle ich mich wie ein Stecker, der noch nicht eingesteckt ist.“

Mitchell, geboren 1976, ist der erste neuseeländische Künstler, der als Gast des DAAD zu einem Aufenthalt nach Berlin eingeladen worden ist. Nach Abschluss eines Kunststudiums in seiner Heimatstadt Auckland und in Pittsburgh, USA, machte Mitchell bereits Ende der neunziger Jahre mit ersten Solo- und Gruppenausstellungen in Neuseeland und Australien auf sich aufmerksam.

Dane Mitchell ist der erste neuseeländische Künstler im DAAD-Programm
Dane Mitchell ist der erste neuseeländische Künstler im DAAD-Programm
© Dane Mitchell
Internationaler Durchbruch
In Europa machte er sich spätestens auf der Art Basel 2008 einen Namen. In seinem Projekt ging es um die Schweizerin Anna Göldi, die 1782 als Hexe verbrannt wurde. Zum Ensemble gehören Spuren einer Geisterbeschwörung, Staub aus einem Göldi-Museum und Bakterien-Kulturen, die auf diesem Staub gewachsen sind. Europäische Kritiker sehen in dieser Verschränkung von Pseudo-Wissenschaft und Volksglaube auch eine Reverenz an Riten der Maori-Kultur, der Ureinwohner Neuseelands.

Die internationale Kunstwelt interessiert sich zunehmend für das Werk Mitchells – Ausstellungen gab es in den vergangenen drei Jahren unter anderem in Hongkong, New York und Rio de Janeiro. Im fernen Auckland fühlt sich der Künstler keineswegs in der künstlerischen Diaspora: „Auckland hat eine sehr lebhafte Kunstszene – es gibt fünf Kunstschulen, mindestens zehn gute Galerien, eine gute öffentliche Förderung – wir fühlen uns eingebunden in die Kunstszene Amerikas und Europas.”

Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 08.09.2009
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