DAAD-Alumnus
Ji Xianlin gestorben
In Peking starb am 11. Juli hochbetagt und hochgeehrt der Indologe Ji Xianlin, der zehn Jahre seines Lebens in Göttingen verbrachte. Er war einer der ersten DAAD-Stipendiaten aus China.
Trauer um Ji Xianlin: Die Bevölkerung verehrte den Wissenschaftler
Trauer um Ji Xianlin: Die Bevölkerung verehrte den Wissenschaftler
© China Internet Information Center (CIIC), http://german.china.org.cn
Chinas Premierminister Wen Jiabao eilte persönlich an das Bett des Sterbenden. Als der Indologe Ji Xianlin (97) wenige Tage später beerdigt wird, nehmen Zehntausende Trauernde am Sarg Abschied. Die chinesischen Medien berichteten an erster Stelle über den Tod des von Partei und Volk geachteten „Kulturmeisters“. Mit seinem populären Buch „Meine zehn Jahre in Deutschland“, das in den 80er Jahren erschien, prägte Ji Xianlin auch das Deutschland-Bild seiner Landsleute. In diesen zehn Jahren, von 1935 bis 1945, studierte und promovierte Ji Xianlin an der Universität Göttingen – als einer der ersten DAAD-Stipendiaten aus China.

Zehn Tage dauert im Jahre 1935 die Reise von Peking über Berlin nach Göttingen. Dort studierte der Germanist Ji Xianlin – ein wenig überraschend – Sanskrit. Im Seminar „Sanskrit-Grammatik für Anfänger“, so wird heute berichtet, war er damals der einzige Student. Zwei Jahre wollte der junge Chinese in Deutschland bleiben, in der Heimat warteten Ehefrau und Tochter. Die Zeitereignisse – der japanisch-chinesische Krieg und der Zweite Weltkrieg – verhinderten seine Rückkehr. Vielleicht hatte aber auch „Irmgard“ etwas damit zu tun. In seinem Buch berichtet Ji Xianlin freimütig über die Liebesbeziehung zu Irmgard, die seine Dissertation abtippte. Als im Jahre 2000 ein Reporter aus Hongkong auf Spurensuche nach Göttingen kam, fand er Irmgard – immer noch unverheiratet – und die Schreibmaschine stand immer noch auf ihrem Tisch.

Indologe und Deutschlandkenner: Ji Xianlin
Indologe und Deutschlandkenner: Ji Xianlin
© Universität Göttingen
Glänzende Karriere als Wissenschaftler
Erst 1946 konnte Ji Xianlin nach China zurückkehren und machte dort eine glänzende Karriere als Wissenschaftler. Er etablierte sich als Gründer der Indologie in China, stieg zum Vizepräsidenten der Universität Peking auf. Schwerpunkt seiner Forschung war der wechselseitige Einfluss des Buddhismus in Indien und in China. Er bekleidete auch politische Ehrenämter, galt als Aushängeschild der chinesischen Regierung und wurde außerhalb der Fachwelt mit einem Buch über seine Erlebnisse während der Chinesischen Kulturrevolution und dem Erlebnisbuch über Deutschland bekannt.

„Ji Xianlin war einer der großen Gelehrten Chinas, er wurde in weiten Kreisen der Bevölkerung verehrt, auch wenn die meisten wahrscheinlich keine Ahnung hatten, was er tatsächlich wissenschaftlich geleistet hat“, berichtet Stefanie Eschenlohr von der DAAD-Außenstelle in Peking. Der Plan, ein Interview mit dem prominenten Alumnus zu führen, scheiterte an der fragilen Gesundheit des Wissenschaftlers, der schon seit einigen Jahren in einem Pflegeheim für prominente Bürger lebte. Zum Geburtstag gratulierte der Ministerpräsident stets persönlich.

In Göttingen tauchen immer wieder chinesische Reisegruppen auf, die das ehemalige Wohnhaus des „großen Meisters“ in Göttingen besuchen wollen. Sein Buch „Zehn Jahre in Deutschland“ wird im Oktober in deutscher Übersetzung erscheinen. Auch an der Universität hat man ihn nicht vergessen und kürte den Chinesen zum „Göttingen - Alumnus 2008“.

Basis für spätere akademische Zusammenarbeit
In der ersten Gruppe der DAAD-Stipendiaten gab es noch einen weiteren bekannten Namen, darauf weist Klaus Birk, Leiter des China-Referates beim DAAD hin: Qiao Guanhua (1913-1983) promovierte in Tübingen, kehrte 1937 nach China zurück, schloss sich der Kommunistischen Partei an und war chinesischer Außenminister von 1974 bis 1976.

Diese erste Phase des deutsch-chinesischen Austausches ging aus politischen Gründen bereits 1937 zu Ende. Aber diese Zeit, davon ist Klaus Birk überzeugt, hat die Basis für die spätere akademische Zusammenarbeit gelegt. 1972 nahmen die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen auf. Schon 1973 konnten die ersten deutschen DAAD-Stipendiaten nach China gehen und 1974 kam eine Gruppe von zehn chinesischen Studenten nach Deutschland.

Autor: Horst Willi Schors
Veröffentlichungsdatum: 23.07.2009
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