RISE-Stipendiatentreffen
Jubiläum mit Rekord
Es werden jedes Jahr mehr: Hochqualifizierte Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften aus den USA, Kanada und Großbritannien absolvieren in deutschen Forschungslaboren Praktika. In seinem fünften Sommer zählt das RISE-Programm 364 Stipendiaten – so viele wie nie zuvor.
RISE-Abschlussfoto: 370 Augenpaare auf dem Karlsplatz
RISE-Abschlussfoto: 370 Augenpaare auf dem Karlsplatz
© Maike Steuer/DAAD
Eine riesige Gruppe junger Leute blockiert den Heidelberger Karlsplatz. Es wird gelacht und geschubst, bis schließlich über 370 Augenpaare in eine Richtung schauen. Das Abschlussfoto des RISE-Stipendiatentreffens 2009 ist im Kasten – auch ohne Weitwinkelobjektiv. Inmitten der großen Schar der Studierenden aus den USA, Kanada und ganz neu Großbritannien steht Dr. Christian Schäfer, ehemaliger Leiter des Nordamerikareferats und „Vater“ des RISE-Programms, das in diesem Jahr sein 5. Jubiläum feiert.

Von 98 auf 364 in 5 Jahren
„Nie hätte ich gedacht, dass RISE so einschlägt“, betont er. „Aber wir scheinen mit diesem Programm einen Weg gefunden zu haben, den hochqualifizierte Studierende der Natur- und Ingenieurwissenschaften sehr gern beschreiten.“ Die Begeisterung für das anderthalb- bis dreimonatige Forschungspraktikum, das „Research Internship in Science and Engineering“ kurz „RISE“, ist ungebrochen. Seit der Erstauflage 2004 mit gerade einmal 98 Teilnehmern hat sich die Zahl mit aktuell 364 Geförderten fast vervierfacht. Erstmals durften sich in diesem Jahr auch britische „Undergraduates“ um ein Stipendium bewerben, das weit mehr beinhaltet als rein finanzielle Unterstützung.

Thomas Bischof, Robert Grand und Joshua Klobas: Jeder Tag ist anders
Thomas Bischof, Robert Grand und Joshua Klobas: Jeder Tag ist anders
© Maike Steuer/DAAD
Weltraum statt Weihnachtsmarkt
Eine Erfahrung die auch Robert Grand in den nächsten Monaten machen wird. Bislang bedeutete Deutschland „Weihnachtsmarkt“ für den Astronomiestudenten aus Leeds, denn „eine Kopie des deutschen Originals gibt es auch bei uns.“ Nun wird der 21-Jährige statt winterlichem Glühwein und Zimtsternen das sommerliche Erlangen und die Arbeit am dortigen Zentrum für Astroteilchenphysik erleben und Doktorand Fabian Schöck bei seiner Forschung unterstützen. „Grob gesagt, versuchen wir mit mathematischen Methoden die Qualität von Weltraumfotos zu verbessern“, umreißt Robert Grand die Thematik.

An der gleichen Universität, aber in einem ganz anderen Bereich sind die Stipendiaten Joshua Klobas und Thomas Bischof tätig. Die angehenden Chemiker schwärmen von der „sehr cleveren und effizienten Arbeitsweise“ in deutschen Laboren und der Einstellung ihrer Doktoranden: „Natürlich wollen unsere Betreuer, dass wir unseren Job machen, aber trotzdem kommt der Spaßfaktor nie zu kurz.“ In den USA sei das ganz anders, versichert Bischof, der deutsche Großeltern hat: „Da stehst du täglich zwölf Stunden im Labor. Die Leute hier gestalten jeden Tag anders – das nenne ich leben.“

Gut gelebt wurde auch beim Stipendiatentreffen mit Podiumsdiskussionen und Firmenbesuchen. Die Eröffnung fand anlässlich des Jubiläums in der stimmungsvollen „Alten Aula“ der Universität Heidelberg statt. Ein besonderer Moment für „Mrs. RISE“ Michaela Gottschling, die gemeinsam mit Christian Schäfer das Programm großgezogen hat. „Eine Flut aus 1.200 Bewerbungen hatten wir in diesem Jahr zu bewältigen, aus denen wir schließlich 364 Stipendiaten heraus-gefiltert haben. Eine unglaubliche Zahl, die zeigt, wie beliebt diese Mischung aus forschen, reisen und neue Leute treffen mittlerweile ist.“

Eine Bauchentscheidung: Frank Münchow und Praktikant Wilson Brenna
Eine Bauchentscheidung: Frank Münchow und Praktikant Wilson Brenna
© Maike Steuer/DAAD
Forschungserfahrung gegen Englischkenntnisse
Die Mischung funktioniert, weil Forscher wie Frank Münchow einen der Praktikanten für sechs bis zwölf Wochen unter ihre Fittiche nehmen. Wer den Physiker und seinen Schützling Wilson Brenna aus Kanada zusammen sieht, könnte die beiden für Brüder halten. „Wichtig war mir, dass das Fachliche passt, aber eigentlich habe ich nach Gefühl entschieden“, sagt der Doktorand. Seine Intuition scheint ihn nicht betrogen zu haben, denn die Zusammenarbeit mit dem 20-Jährigen Stipendiaten läuft sehr entspannt. „Wilson ist neugierig, stellt viele Fragen und integrierte sich schnell ins Team“, lobt Frank Münchow, der RISE „eine tolle Sache“ findet. „Wilson bekommt ein gutes Bild von der Ausbildung in Deutschland und ich kann im Gegenzug meine Englischkenntnisse verbessern.“

Autorin: Maike Steuer
Veröffentlichungsdatum: 15.07.2009
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