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ERASMUS-Jahrestagung |
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Verhalten optimistisch |
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In 12 Ländern gab es 2008 weniger ERASMUS-Studierende. Eine Krise? Die Nationalen Agenturen relativierten auf der ERASMUS-Jahrestagung die angeblich schlechten Zahlen.
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Liest man die Schlagzeilen über das ERASMUS-Programm, dann scheint der Werdegang von Nicolas Kipp eine Ausnahme zu sein. Der 21-Jährige studiert Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Münster und wagte sich bereits während seines straffen Bachelor-Studiengangs für ein halbes Jahr mit ERASMUS nach Finnland. „Viele Kommilitonen wollen nicht ins Ausland, weil sie sich wegen der engen Regelstudienzeit unter Druck gesetzt fühlen“, sagt er. Er nehme es gerne in Kauf, ein Semester länger zu studieren. Negative Konsequenzen sieht er keine. „Die Medien stellen das Bachelor-Studium schlimmer dar, als es ist“, vermutet Nicolas Kipp.
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Ausgezeichnet als 300.000 ERASMUS-Student: Nicolas Kipp (Mitte)
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| © Daniela Schmitter |
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Alles also halb so wild? Tatsächlich stagnieren die Zahlen der ERASMUS-Studierenden seit geraumer Zeit. In 12 Ländern gingen sie im vergangenen Jahr sogar zurück. Der DAAD als Nationale ERASMUS-Agentur betitelte deshalb die diesjährige Jahrestagung in Bonn „ERASMUS in der Krise?“. Dabei können sich die Statistiken des DAAD sehen lassen: Deutschland liegt auch 2008 mit der neuen Rekordzahl von 26.300 geförderten Studierenden vor Frankreich an der Spitze Europas. Insgesamt gingen inzwischen 300.000 Deutsche mit ERASMUS ins Ausland. Und dennoch: Auch Deutschland hat zumindest beim Auslandsstudium mit stagnierenden Zahlen zu kämpfen. 2007/2008 sank die Zahl sogar um gut 1 Prozent. Auslandspraktika, die von ERASMUS neuerdings gefördert werden, sind dagegen gefragt wie nie. Auf Anhieb absolvierten über 2.700 deutsche Studierende mit ERASMUS ein Praktikum im europäischen Ausland.
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Großes Interesse: viele internationale Teilnehmer besuchen die ERASMUS-Jahrestagung
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| © Daniela Schmitter |
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Flexiblere Förderzeiten
Die Podiumsdiskussion zum Auftakt der Jahrestagung brachte Gründe für den Rückgang beim Auslandsstudium ans Licht: Eine Barriere sieht Anton Frantzke, Auslandsbeauftragter an der Fakultät für Wirtschaft der Hochschule Augsburg, in den geringen Sprachkenntnissen der ausländischen Studierenden. Seine Fakultät bietet deshalb viele Vorlesungen auf Englisch an. Einige Tagungsteilnehmer wünschen zudem längere Förderzeiten, die sich auf verschiedene Abschnitte des Studiums verteilen lassen.
Ein weiterer Grund sei die Geringschätzung einiger Professoren für ERASMUS, sagt Barbara Nolan von der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission. Sie vermutet zudem einen Zusammenhang zwischen Mobilitäts-Rückgang und dem Mangel an regionalem Engagement. „In den meisten Ländern fließen nur EU-Mittel in das Programm“, sagt sie. „Wir hoffen, dass diejenigen, die ERASMUS gut finden, mehr Gelder etwa für eigene Marketing-Initiativen bereit stellen“, so Barbara Nolan. Die Statistiken engagierter Länder wie Frankreich, Spanien oder Deutschland sähen nach wie vor gut aus.
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Ein Land, in dem die Zahlen seit langem nicht im Gleichgewicht sind, ist Großbritannien. 2006/2007 studierten etwas mehr als 7.000 Briten mit ERASMUS im Ausland – sehr wenig im Vergleich zu den über 16.000 Ausländern, die nach Großbritannien kamen. „ERASMUS hat bei uns nichts mit Regierungspolitik zu tun“, sagt David Hibler von der britischen Nationalen Agentur im British Council. Die Hochschulen sind relativ autonom und müssen sich um eigene Einkommensquellen bemühen. „Sie wollen wachsen, da ist die Rekrutierung ausländischer Studierender wichtig“, so Hibler. Die Teilnahme britischer Studierender am ERASMUS-Programm genießt daher nicht dieselbe Priorität. Viele zieht es außerdem an Universitäten in den USA, in Australien oder Asien, mit denen britische Hochschulen traditionell gute Verbindungen pflegen.
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Autor: Boris Hänßler |
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Veröffentlichungsdatum: 30.06.2009 |
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