Fachzentrum Afrika/Namibia
Schneller am Ziel
Am namibisch-deutschen Fachzentrum werden künftig Logistik-Experten für Afrika ausgebildet. Das vom DAAD geförderte Zentrum in Windhuk soll die wirtschaftliche Bedeutung Namibias als Küstenstaat stärken. Am 7. Mai wurde es eröffnet.
Enthüllt: Nangolo Mbumba (r.) und Egon Kochanke vor der Gedenktafel
Enthüllt: Nangolo Mbumba (r.) und Egon Kochanke vor der Gedenktafel
© DAAD
Waren von A nach B zu transportieren ist in Industrienationen eine Selbstverständlichkeit. Komponenten für die Fertigung werden nicht mehr auf Vorrat gelagert, sondern „just in time“ auf den Weg geschickt. Diese Produktionsweise ist in weiten Teilen Afrikas Zukunftsmusik. „Dabei hängt die wirtschaftliche Entwicklung gerade im südlichen Afrika stark von einer funktionierenden Logistik ab“, sagt Professor Thomas Schmidt von der Fachhochschule Flensburg. Auf deutscher Seite ist er Projektleiter des Kompetenz- und Ausbildungszentrums für afrikanische Führungskräfte in der Logistik an der Polytechnic of Namibia.

Am 7. Mai eröffneten Erziehungsminister Nangolo Mbumba, der Deutsche Botschafter in Namibia, Egon Kochanke, und Professorin Gabriele Beibst, Vorstandsmitglied im DAAD, das Fachzentrum in Windhuk. Sie begrüßten die ersten vier Mitarbeiter und viele Ehrengäste. Eine Fachbibliothek befindet sich zurzeit im Aufbau. Der Studienbetrieb ist für Anfang 2010 mit 20 Studierenden geplant.

Verkehrswege ausbauen und Warenströme organisieren
„Die Länder im südlichen Afrika haben nur wenige Zugänge zum Meer“, erläutert Schmidt. Ein großer Warenstrom laufe über Namibia und seinen gut ausgebauten Hafen in Walvis Bay. Die Hafenstadt Walvis Bay ist Knotenpunkt einer der Haupthandelsrouten. Von dort werden Güter entlang des Kaps der Guten Hoffnung durch den Indischen Ozean bis nach Asien verschifft. „Wenn es gelänge, Namibias Verkehrswegenetz zu erweitern und die Güterströme effektiver zu organisieren, könnte dem Land eine wirtschaftliche Schlüsselrolle im südlichen Afrika zukommen“, sagt der Flensburger Professor.

Knotenpunkt: Viele Schiffe laufen den namibischen Hafen Walvis Bay an
Knotenpunkt: Viele Schiffe laufen den namibischen Hafen Walvis Bay an
© Wolfgang/www.pixelio.de
Dieses Ziel ist für den DAAD ein wichtiges Argument, das namibisch-deutsche Logistik-Fachzentrum zu fördern. Im Rahmen der vom Auswärtigen Amt finanzierten „Aktion Afrika“ unterstützt der DAAD neben diesem Zentrum sechs weitere in Ghana, Südafrika, Tansania und in der Demokratischen Republik Kongo. „Logistik hat für den gesamten afrikanischem Kontinent eine immense Bedeutung“, sagt Barbara Mück, Leiterin des Referats Sonderprojekte Afrika im DAAD. Auf den schlecht ausgebauten Straßen können viele Bauern und Händler ihre Waren nicht sicher und schnell transportieren. Diese Situation soll sich durch das Logistik-Zentrum verbessern „Denn es stärkt nicht nur Forschung und Lehre, sondern initiiert von Beginn an gemeinsame Projekte mit Wirtschaft und Politik“, erklärt Mück. „Außerdem erarbeiten die Studierenden, Dozenten und Absolventen überregionale logistische Konzepte.“

Sichtbare Erfolge: Das Fachzentrum stärkt Wissenschaft und Wirtschaft
Sichtbare Erfolge: Das Fachzentrum stärkt Wissenschaft und Wirtschaft
© DAAD
Logistik-Experten bauen Standortvorteile aus
„Zuverlässigkeit ist die Ausnahme in Afrika“, führt Thomas Schmidt aus. „Wer garantieren kann, dass Waren in drei bis vier Tagen auf ein Schiff gelangen, hat einen enormen Standortvorteil. Dafür braucht man aber neben der Infrastruktur auch entsprechend ausgebildetes Personal.“ Hier setzt das Fachzentrum an. Es ruht auf den drei Säulen Lehre, Forschung sowie Technologietransfer und Beratung.

Das Zentrum bietet akademische Ausbildung auf internationalem Niveau ebenso wie Weiterbildung. In seinem Postgraduierten-Programm qualifizieren sich zukünftige Führungskräfte zu Logistik-Experten, in den berufsbegleitenden ein- bis zweiwöchigen „Short Courses“ bilden sich Praktiker weiter. Zur Ausstattung zählen zwei Computerlabore. Dort lernen die Studierenden Abläufe zu simulieren und zu optimieren – etwa die Routenplanung für einen LKW-Transport. Den Technologietransfer wollen die Wissenschaftler in gemeinsamen Projekten mit Unternehmen vorantreiben und stehen auch als Berater für die Industrie zur Verfügung. Öffentliche Vorträge zu aktuellen logistischen Lösungen unterstützen den Wissenstransfer von der Hochschule in die Praxis.

Brücke zur Praxis
„Am Fachzentrum decken wir das gesamte Spektrum der Lehre sowie der Aus- und Weiterbildung im Bereich Logistik ab“, erklärt Albin Jacobs, Projekt-Manager des Fachzentrums auf namibischer Seite. „Dabei stärken wir nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Wirtschaft. Das Fachzentrum schlägt eine Brücke zwischen Theorie und Praxis – ein großer Pluspunkt, denn so können wir konkret etwas verändern.“

Autorin: Claudia Wallendorf
Veröffentlichungsdatum: 11.05.2009
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