Der indische Schriftsteller Kiran Nagarkar hat das umtriebige Berlin für sich als Oase der Ruhe entdeckt. „Meine Heimatstadt Mumbai zählt nicht nur zu den schmutzigsten und ärmsten, sondern auch zu den lautesten Städten der Welt. Und hier in Berlin ist alles so ruhig, so sauber und so angenehm.“ An seiner Charlottenburger Wohnung führt die S-Bahn-Trasse vorbei. Aber das hört der Autor kaum. „Meine Landsleute“, so sagt er „lieben geradezu den Lärm. Es gibt bei uns zum Beispiel das Lichtfest. Das hatte einmal den Sinn, die Vertreibung der Dunkelheit durch das Licht zu feiern. Heute geht es bei diesem Fest nur noch darum, möglichst viel Lärm zu machen. Darum bin ich dankbar dafür, hier in Berlin die Ruhe spüren zu dürfen.“
Seit fast einem Jahr lebt der prominente Dichter als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in der deutschen Hauptstadt. Der Aufenthalt neigt sich dem Ende zu, was Nagarkar sehr bedauert. Er liebt die Bäume und die Parks, besucht Museen und Kinos, lebt zurückgezogen, ist aber ein großer Beobachter. „Ich finde es wunderbar, wie die Menschen vom Frühling bis in den Herbst hinein in Straßencafes sitzen und es sich einfach gut gehen lassen. Dabei sprechen sie über das Wetter. In Indien spricht man eigentlich nie über das Wetter, weil es elf Monate im Jahr immer gleich ist. Aber nun ist das auch für mich ein Thema. Das hat Berlin mit mir gemacht! Jeden Morgen höre ich den Wetterbericht und frage mich: Was ziehe ich heute an?”














