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Nachhaltigkeit
''Nur wer überlebt, kann an morgen denken''
Mit zwei Podiumsdiskussion trug der DAAD zur UNESCO-Weltkonferenz ''Bildung für nachhaltige Entwicklung 2009'' bei und lud dazu 100 Alumni aus aller Welt ein. Vorher besuchten sie vier thematische Frühjahrsschulen an deutschen Universitäten. Ihre Bilanz: Schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen gehört zum unabdingbaren ''Risikomanagement'' der Menschheit.
„Energiesparende, ressourcenschonende, so genannte grüne Chemie – diese Leitbegriffe sind richtig und nötig, aber in den Labors und in der Ausbildung an den Universitäten in Entwicklungsländern nur schwer zu praktizieren.“ Das sagt Josphat Matasyoh, Chemieprofessor der Egerton University in Kenia. Er nennt ein Beispiel: Silicagel dient zur Trennung und Trocknung chemischer Verbindungen – aber das Mittel ist vergleichsweise teuer. „Im Lehr- und Übungsbetrieb ist eine preiswertere Ersatzsubstanz aus Kohlehydraten wie Zucker wünschenswert, die wir zudem nicht im Ausland kaufen müssen“, erläutert Matasyoh. Bei hohen Studentenzahlen sei die Laborausstattung primär eine Kostenfrage.

Mulltikulturelles Labor: DAAD-Alumni aus dem Fachbereich Chemie bei der Frühjahrsschule in Braunschweig
Mulltikulturelles Labor: DAAD-Alumni aus dem Fachbereich Chemie bei der Frühjahrsschule in Braunschweig
© Markus Gröchtemeier/International Office
Praktische Lösungen
Derartige praktische Probleme und gangbare Lösungen auf dem Weg zu einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beschäftigten den Associate Professor und zwei Dutzend weitere Alumni aus Entwicklungsländern mit deutschen Experten auf einer einwöchigen Weiterbildung an der Technischen Universität Braunschweig. Zu den Teilnehmern zählten Universitätsdozenten und Chemiker aus der Industrie oder der öffentlichen Verwaltung. Das Seminar verband Theorie mit Praxis im Labor. „Hilfreich war eine im Internet allgemein zugängliche Datenbank“, sagt der kenianische Chemieprofessor. Unter www.oc-praktikum.de stellen Chemieprofessoren mehrerer deutscher Universitäten 75 energieeffiziente Versuchsanleitungen vor. Die Datei ist offen für ergänzende Vorschläge aus aller Welt. „So funktioniert Bildung für Nachhaltige Entwicklung wirklich“, sagt DAAD-Referatsleiter Cay Etzold.

Der DAAD organisierte mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit insgesamt vier „Frühjahrsschulen“ mit unterschiedlichen Themen. Sie waren der akademische Vorlauf zur anschließenden UNESCO-Weltkonferenz „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2009“ in Bonn.

In Greifswald diskutierten die Alumni über Biosphärenreservate
In Greifswald diskutierten die Alumni über Biosphärenreservate
© Christoph Nolte
Umweltfreundliche Hochschule
An der Universität Greifswald ging es um UNESCO-Biosphärenreservate als Lernstätten für Nachhaltigkeit, in Kassel um das magische Dreieck von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft, in Lüneburg um eine umweltfreundliche Hochschule, die Energie, Wasser und Papier spart statt zu verschwenden. Insgesamt hatten sich zehn Universitäten mit eigenen Ideen beworben. 600 Alumni wollten kommen, hundert wählte der DAAD aus. „Eine so große Resonanz hatten wir nicht erwartet“, sagt Cay Etzold. „Wir werden Nachhaltigkeit künftig zu einem festen Tagesordnungspunkt aller unserer Alumni-Treffen machen.“

Die Ergebnisse der Frühjahrsschulen präsentierten die Alumni auf zwei Podiusmdiskussionen der UNESCO-Weltkonferenz, die der DAAD organisiert hatte. Dabei zog etwa Mustaqh A. Siddiqi aus Pakistan, der die Weiterbildung in Lüneburg besuchte, eine eher pessimistische Bilanz: Die Universitäten der Entwicklungsländer seien in der Regel von der „UNO-Weltdekade zur Bildung für Nachhaltigkeit“ (Johannesburg 2002) wissenschaftlich überfordert, die politischen Rahmenbedingungen wirkten sich zusätzlich oft nachteilig aus. Von einer langwierigen Aufgabe, die Hochschulleitungen davon zu überzeugen, Curricula um Umweltprobleme zu erweitern, sprach auch die ukrainische Wirtschaftsprofessorin Olga Degtiareva. Schrittmacher finden Kraft und Ideen in Netzwerken wie sie der DAAD initiiert, die Frühjahrsschulen bilden entsprechende Knotenpunkte.

DAAD-Alumni präsentierten ihre Ergebnisse auf zwei Podiusmdiskussionen während der UNESCO-Weltkonferenz
DAAD-Alumni präsentierten ihre Ergebnisse auf zwei Podiusmdiskussionen während der UNESCO-Weltkonferenz
© Julia Schwarzenberger
Nachhaltigkeit ist eine soziale Frage
Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, so die allgemeine Überzeugung der Alumni, verbreitet sich am wirksamsten über Bildung. „Dafür müssen aber die Universitäten die Lehre endlich ebenso hoch schätzen wie die Forschung“, sagte Carl Lindberg vom High Level Panel der UNESCO. Die Übersetzerin und interkulturelle Trainerin Viviana Tipiani Yarleque aus Peru machte auf Grundsätzliches aufmerksam: „Ein Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung hängt von den greifbaren Vorteilen für die Menschen vor Ort ab.“ Nachhaltigkeit sei gewiss eine Überlebensnotwendigkeit für die ganze Menschheit. „Aber nur wer heute genug zum eigenen Überleben hat, kann an Notwendigkeiten von morgen denken.“

Autor: Hermann Horstkotte
Veröffentlichungsdatum: 06.04.2009
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