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Den Weg zu seiner ganz eigenen Musik fand der russische Komponist Dmitri Kourliandski (Jahrgang 1976) im Kunstmuseum von Nizza – beim Betrachten einer kinetischen Skulptur. Oder genauer gesagt, beim Anhören dieser Skulptur, die bei ihren Bewegungen ganz feine, sich ständig wiederholende Geräusche produzierte. Diese „Klänge“, vom Schöpfer der Plastik weder beabsichtigt noch beachtet, beschreibt Dmitri Kourliandski heute als „prägende Erfahrung“. Sie war die Geburtsstunde der „objektiven Musik“, mit der der junge Russe bekannt wurde. Das war 2004.
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Schätzt die engagierten Reaktionen des Berliner Publikums - Dmitri Kourliandski
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| © Natalia Eremenko |
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Beim Festival „MaerzMusik“ vom 20. bis 29. März 2009 in Berlin sind Kompositionen von Dmitri Kourliandski zu hören. Sie orientieren sich zwar nicht am Schönklang der klassischen Musik, bieten dem Hörer aber eine Reise in neue Klangwelten an. Diese vermitteln die Erfahrung einer Musik „ohne Aktion und Entwicklung“, wie der Komponist es beschreibt, führen einen „Mechanismus“ vor, der sich auf die Suche nach neuen Klängen begibt. Ganz neu wird die Rolle der Musiker definiert: Sie spielen nicht nach Noten, sondern führen exakt vom Komponisten vorgeschriebene Bewegungen aus. Die Musiker, so erklärt es der Komponist, werden zu „kinetischen Objekten“, und die Zuhörer sind auch Zuschauer. Wie das klingt, war bereits bei einem DAAD-Porträtkonzert im vergangenen Herbst in Berlin zu hören. Auf der Homepage des Komponisten finden sich zahlreiche Klangbeispiele (http://www.kourl.ru/).
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MaerzMusik Festival Berlin
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| © MaerzMusik |
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„Überdosis“ erlebter Musik in Berlin
2008 kam Dmitri Kourliandski als Gast des Berliner Künstler-Programms (BKP) des DAAD nach Deutschland. „Ich hatte nie zuvor die Gelegenheit, soviel Neue Musik zu hören, so viele Komponisten zu treffen“, schildert der junge Russe seine Eindrücke. In Moskau gebe es höchstens fünf bis sechs Konzerte mit Neuer Musik im Jahr – in Berlin das Angebot eines Monats. Eine solche Erfahrung des Zuhörens und auch des „Dazu-Gehörens“ inspirierte ihn. „Diese Überdosis an erlebter Musik habe ich als Entspannung und Befreiung erlebt“, sagt Dmitri Kourliandski.
Kein Zufall also, dass sich der Moskauer kritisch mit den Arbeitsbedingungen von Komponisten in Russland auseinandersetzt. Gemeinsam mit einem Netzwerk russischer Kollegen, das sich „Structural Resistance Group (StRes)“ nennt, kämpft er gegen den Konservatismus an Hochschulen und im Musikleben. Unter dem Titel „Zur Lage der neuen Musik in Russland und angrenzenden Ländern“ diskutieren einige Mitglieder der Gruppe mit den Gästen des „MaerzMusik“-Festivals.
Das Festival widmet dem Komponisten ein Porträt-Konzert. Und es gibt eine Uraufführung: die Komposition „Engramma“ für Stimme und Ensemble, die Dmitri Kourliandski im Auftrag des DAAD und der „MaerzMusik“ verfasst hat. Im Programm sind auch Werke anderer russischer Komponisten aus der Gruppe Structural Resistance. Ein besonderer Schwerpunkt des Festivals ist die Gegenüberstellung dieser jungen russischen Musik mit Werken der etablierten amerikanischen Avantgarde.
In Deutschland, und speziell in Berlin, schätzt Dmitri Kourliandski die engagierten Reaktionen des Publikums „von Buh zu Bravo, vom Kniefall zum Pfeifkonzert“. Das Festival „MaerzMusik“ bezeichnet er als „mutig, konzeptuell und gleichzeitig vielfältig“. Es sei eines der interessantesten Festivals für Neue Musik weltweit.
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Seine Zeit als Gast des BKP war für ihn „besonders anregend und kreativ“. Die Ernte soll nun in Moskau eingefahren werden. So will er eine – in Berlin begonnene – Oper vollenden. Musik für einen russischen Stummfilm aus dem Jahre 1927 ist ein weiteres Projekt. Im Jahr 2010 wird Kourliandski als „composer-in-residence” nach Paris gehen.
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