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Weihnachtsbräuche in… |
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Mali: Harmonische Feiern |
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Unabhängig von religiösen oder ideologischen Fragen wird in Mali gerne gefeiert. So ist der 25. Dezember ein Feiertag, obwohl nur ein bis zwei Prozent Christen in dem westafrikanischen Land leben.
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Noch keine Spur von Weihnachten: Kathedrale in der Hauptstadt Bamako
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| © DAAD/Cornelia Seck |
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Religion hin oder her – ab Mitternacht wird gefeiert
Mali ist nicht nur ein schneeloses Land, die Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch. Von den restlichen zehn Prozent sind nur ein bis zwei geschätzte Prozent Christen, also potentielle Weihnachtsfeierer. Die Suche dürfte nicht einfach werden, obwohl hier der 25. Dezember auch ein Feiertag ist und man in Mali jeden Feiertag gerne mitnimmt, unabhängig von religiösen oder ideologischen Fragen. So feiern viele Moslems entweder an Heilig Abend oder am Weihnachtsfeiertag mit gutem Essen, am liebsten Lamm, Rind oder Hühnchen, und wer es sich leisten kann, macht seinen Kindern auch kleine Geschenke.
Wer christliche Freunde oder Nachbarn hat, ist sowieso gut versorgt und wird entweder von ihnen zum Fest eingeladen oder bekommt Essen nach Hause gebracht, genauso wie es die Moslems für die Christen an ihren Feiertagen machen. Die Jugend schert sich, wen wundert’s, wenig darum, um was für einen Feiertag es sich gerade handelt. Ab Mitternacht wird gefeiert, entweder auf einer privat organisierten Fete oder in einer Diskothek, wo es meistens Livemusik gibt.
Dies ist alles schön und harmonisch, sieht fast so aus wie die Umsetzung der Weihnachtsbotschaft und könnte vielen als Vorbild dienen. Mit meiner kulturspezifischen Sehnsucht nach weiβer Weihnacht und Klingglöckchen reicht mir das aber nicht. Also fahre ich ins vermutete Weihnachtszentrum, zur Kathedrale von Bamako. Doch hier gibt es keine Spur von Weihnachten, keine Krippe, keinen Schmuck, nicht einmal die genauen Zeiten der Christmessen stehen bisher fest. Also suche ich zähneknirschend weiter, dort, wo Weihnachten zwar nicht hingehören sollte, wo ich aber bestimmt nicht enttäuscht werde: im Reich des Konsums.
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Chinesische Importware oder Weihnachtsengel selbstgemacht?
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Und siehe da, hier in den groβen Supermärkten Bamakos finden sich ganze Regale voller Weihnachtsschmuck, allerdings aus meiner Sicht kitschige Billigware: Christbaumkugeln „Made in China“, die schneller kaputt gehen, als man sie aufhängen kann. Da lobe ich mir die lokalen Handwerker, die aus zweckentfremdeten Gegenständen oder Recyclingmaterial originellen und stabileren Weihnachtsschmuck herstellen, wie zum Beispiel Christbaumkugeln aus je zwei aneinandergesetzten Plastikeimern oder Weihnachtsengel aus flachgeklopften Blechdosen. Letztere finde ich auf dem Weihnachtsmarkt im Centre Culturel Français, der neben kleinen Krippenfiguren aus Ton auch die üblichen Produkte anbietet, die man auf jedem afrikanischen Markt findet: Batikstoffe, Holzfiguren und Tuareg-Silberschmuck. Die Preise dafür sind hier – globales Weihnachtsphänomen – reichlich gesalzen. Auch die Deutschen in Bamako organisieren seit einigen Jahren einen gut besuchten Weihnachtsmarkt im Palais de la Culture.
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Originelle Weihnachtsengel aus Recyclingmaterial
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| © DAAD/Cornelia Seck |
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Die Amerikaner haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Aufführung des „Messias“ von Händel gesungen vom Bamako Community English Choir, gespielt vom dazugehörigen Orchester. Wenn jetzt keine Weihnachtsstimmung aufkommt, dann ist mein Fall wohl hoffnungslos. Also nichts wie hin ins Hotel „Laico l’Amitié“. Und in der Hotellobby steht er nun endlich: der echte Weihnachtsbaum. Das Konzert verlasse ich allerdings in der Pause wieder und stelle mir die Frage, warum das Laienorchester nicht lieber ein paar unkomplizierte Weihnachtslieder einstudiert hat.
Mehr Hoffnung setze ich in ein anderes Weihnachtskonzert am 4. Advent. Da tritt wiederum im Centre Culturel Français der Chor der Kathedrale von Bamako auf, diesmal zusammen mit dem malischen Griot Abdoulaye Diabaté, also einem Vermittler von Kultur und Geschichte durch Gesang. Diese Mischung klingt vielversprechend und passt einfach besser in dieses schneelose Wüstenland, in dem alle Versuche, abendländische Vorstellungen von Weihnachten ohne Einbeziehung lokaler Besonderheiten umzusetzen, genauso kläglich scheitern müssen, wie die zu Wüstensand zerfallenen Vanillekipferln, die ich heute aus meinem Backofen gezogen habe.
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Autorin: Cornelia Seck, DAAD-Lektorin, Université de Bamako, Mali |
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Veröffentlichungsdatum: 18.12.2008 |
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