www.daad.de | Impressum
Logo: DAAD-magazin.de
Startseite « Mali: Harmonische Feiern Magazin-Archiv

Weihnachtsbräuche in…
Mali: Harmonische Feiern
Unabhängig von religiösen oder ideologischen Fragen wird in Mali gerne gefeiert. So ist der 25. Dezember ein Feiertag, obwohl nur ein bis zwei Prozent Christen in dem westafrikanischen Land leben.
Schneemann unter Palmen
Schneemann unter Palmen
© DAAD/Cornelia Seck
„There won’t be snow in Africa this Christmas time“, sang 1984 die „Band Aid“. War die Schneelosigkeit in Afrika in jenem Jahr etwas Besonderes? Vielleicht. Es soll zum Beispiel in Ägypten durchaus schon weiβe Weihnacht gegeben haben, und im Januar 2005 schneite es sogar in der Sahara Algeriens. Dies sind natürlich Ausnahmen. Ich selbst kann nur von Westafrika sprechen und bestätigen: Schnee habe ich hier noch nie gesehen, zumindest nicht in meinem letzten Gastland Senegal, auch wenn mir dort immerhin Schneemänner unter Palmen begegnet sind. Nun bin ich seit einigen Monaten im westafrikanischen Mali und habe wieder nicht viel Hoffnung auf richtige Weihnachtsstimmung bei derzeit 33 Grad Celsius. Ich begebe mich also in der Vorweihnachtszeit auf die Suche nach Weihnachtsspuren und nach der Antwort auf die Frage: Gibt es Weihnachtsbäume, Weihnachtsplätzchen oder Weihnachtsdeko in der Hauptstadt Bamako?

Noch keine Spur von Weihnachten: Kathedrale in der Hauptstadt Bamako
Noch keine Spur von Weihnachten: Kathedrale in der Hauptstadt Bamako
© DAAD/Cornelia Seck
Religion hin oder her – ab Mitternacht wird gefeiert
Mali ist nicht nur ein schneeloses Land, die Bevölkerung ist zu 90 Prozent muslimisch. Von den restlichen zehn Prozent sind nur ein bis zwei geschätzte Prozent Christen, also potentielle Weihnachtsfeierer. Die Suche dürfte nicht einfach werden, obwohl hier der 25. Dezember auch ein Feiertag ist und man in Mali jeden Feiertag gerne mitnimmt, unabhängig von religiösen oder ideologischen Fragen. So feiern viele Moslems entweder an Heilig Abend oder am Weihnachtsfeiertag mit gutem Essen, am liebsten Lamm, Rind oder Hühnchen, und wer es sich leisten kann, macht seinen Kindern auch kleine Geschenke.

Wer christliche Freunde oder Nachbarn hat, ist sowieso gut versorgt und wird entweder von ihnen zum Fest eingeladen oder bekommt Essen nach Hause gebracht, genauso wie es die Moslems für die Christen an ihren Feiertagen machen. Die Jugend schert sich, wen wundert’s, wenig darum, um was für einen Feiertag es sich gerade handelt. Ab Mitternacht wird gefeiert, entweder auf einer privat organisierten Fete oder in einer Diskothek, wo es meistens Livemusik gibt.

Dies ist alles schön und harmonisch, sieht fast so aus wie die Umsetzung der Weihnachtsbotschaft und könnte vielen als Vorbild dienen. Mit meiner kulturspezifischen Sehnsucht nach weiβer Weihnacht und Klingglöckchen reicht mir das aber nicht. Also fahre ich ins vermutete Weihnachtszentrum, zur Kathedrale von Bamako. Doch hier gibt es keine Spur von Weihnachten, keine Krippe, keinen Schmuck, nicht einmal die genauen Zeiten der Christmessen stehen bisher fest. Also suche ich zähneknirschend weiter, dort, wo Weihnachten zwar nicht hingehören sollte, wo ich aber bestimmt nicht enttäuscht werde: im Reich des Konsums.

Chinesische Importware oder Weihnachtsengel selbstgemacht?
Und siehe da, hier in den groβen Supermärkten Bamakos finden sich ganze Regale voller Weihnachtsschmuck, allerdings aus meiner Sicht kitschige Billigware: Christbaumkugeln „Made in China“, die schneller kaputt gehen, als man sie aufhängen kann. Da lobe ich mir die lokalen Handwerker, die aus zweckentfremdeten Gegenständen oder Recyclingmaterial originellen und stabileren Weihnachtsschmuck herstellen, wie zum Beispiel Christbaumkugeln aus je zwei aneinandergesetzten Plastikeimern oder Weihnachtsengel aus flachgeklopften Blechdosen. Letztere finde ich auf dem Weihnachtsmarkt im Centre Culturel Français, der neben kleinen Krippenfiguren aus Ton auch die üblichen Produkte anbietet, die man auf jedem afrikanischen Markt findet: Batikstoffe, Holzfiguren und Tuareg-Silberschmuck. Die Preise dafür sind hier – globales Weihnachtsphänomen – reichlich gesalzen. Auch die Deutschen in Bamako organisieren seit einigen Jahren einen gut besuchten Weihnachtsmarkt im Palais de la Culture.


Originelle Weihnachtsengel aus Recyclingmaterial
Originelle Weihnachtsengel aus Recyclingmaterial
© DAAD/Cornelia Seck
Die Amerikaner haben sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Eine Aufführung des „Messias“ von Händel gesungen vom Bamako Community English Choir, gespielt vom dazugehörigen Orchester. Wenn jetzt keine Weihnachtsstimmung aufkommt, dann ist mein Fall wohl hoffnungslos. Also nichts wie hin ins Hotel „Laico l’Amitié“. Und in der Hotellobby steht er nun endlich: der echte Weihnachtsbaum. Das Konzert verlasse ich allerdings in der Pause wieder und stelle mir die Frage, warum das Laienorchester nicht lieber ein paar unkomplizierte Weihnachtslieder einstudiert hat.

Mehr Hoffnung setze ich in ein anderes Weihnachtskonzert am 4. Advent. Da tritt wiederum im Centre Culturel Français der Chor der Kathedrale von Bamako auf, diesmal zusammen mit dem malischen Griot Abdoulaye Diabaté, also einem Vermittler von Kultur und Geschichte durch Gesang. Diese Mischung klingt vielversprechend und passt einfach besser in dieses schneelose Wüstenland, in dem alle Versuche, abendländische Vorstellungen von Weihnachten ohne Einbeziehung lokaler Besonderheiten umzusetzen, genauso kläglich scheitern müssen, wie die zu Wüstensand zerfallenen Vanillekipferln, die ich heute aus meinem Backofen gezogen habe.

Autorin: Cornelia Seck, DAAD-Lektorin, Université de Bamako, Mali
Veröffentlichungsdatum: 18.12.2008
Weitere Artikel der Serie:

Weihnachtsbräuche in...

Thailand: Reich geschmückte Shopping-Center
Von Ende November bis Anfang Januar steht Thailand im Zeichen von Lichterzauber, eingängigen Melodien und Geschenken. Mit Weihnachten im christlichen Sinne hat dies alles freilich wenig zu tun. mehr
Belarus: Väterchen Frost kommt zweimal
Weihnachten wird in Belarus bunt, fröhlich und an zwei Festtagen gefeiert: katholisch am 25. Dezember, orthodox am 6. Januar. Aber ob katholisch oder orthodox, die Bräuche an Weihnachten sind fast identisch. mehr
Belgien: Sinterklaas macht Konkurrenz
Manchen Belgiern ist Sinterklaas wichtiger als der Weihnachtsmann, weil er mehr Geschenke bringt. Andere feiern besonders Sint-Maarten am 11. November: Vielfalt gehört zum belgischen Alltag. mehr
Rumänien: Ziegentanz und High-Tech-Baum
Christliche und heidnische Prozessionen ziehen in der Weihnachtszeit von Haus zu Haus: Im Advent singen Kinder, am Heiligabend vor allem junge Männer ? den einen wird mit Süßigkeiten, den anderen mit Alkohol ge mehr
Irland: Die Familie trifft sich
Christmas Day am 25. Dezember ist das wichtigste Familienfest des Jahres. Aus allen Teilen Irlands und der Welt reisen Verwandte an, um zu Hause zu feiern. Eine günstige Gelegenheit für andere Familienfeste: Ge mehr
Tschechien: Ohne Fisch kein Fest
Wer etwas auf Traditionen hält, lässt den Weihnachtskarpfen noch ein paar Tage in der Badewanne schwimmen. mehr
Malaysia: friedliches Zusammenleben der Kulturen
Im multiethnischen Land am Äquator berühren sich zu Weihnachten Kulturen, die sonst in Parallelwelten nebeneinander existieren. mehr
Tadschikistan: Neujahrsgruß vom Weihnachtsmann
Das sowjetische Neujahrsfest ? eine religionsfreie Symbiose von Weihnachten, Silvester und Karneval ? lebt fort. Islamische und nationale Feiertage gewinnen an Bedeutung. mehr
Australien: Entspannt am Strand
Auf der Südhalbkugel der Erde ist jetzt Sommer, die Tage sind deutlich länger als die Nächte und es gibt eher Staub als Schnee. Barbecue und Picknick sind die Favoriten zur Weihnachtszeit. mehr
DAAD - Deutscher Akademischer Austausch Dienst © DAAD
Professor Willfried Spohn verstorben
DAAD-Positionspapier zu akademischer Mobilität und Fachkräftemigration
Die Pioniere
Letter abonnieren
Weitere Themen
Offen für Neues
Leben in einem anderen Land bedeutet interkulturelle Erfahrung hautnah. Davon berichten Experten im DAAD-magazin.
Vorausgegangene Themen und Artikel finden Sie in unserem Magazin-Archiv.
Seite drucken
Magazin-Archiv
Impressum
www.daad.de
Deutschland online