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Weihnachtsbräuche in… |
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Tschechien: Ohne Fisch kein Fest |
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Wer etwas auf Traditionen hält, lässt den Weihnachtskarpfen noch ein paar Tage in der Badewanne schwimmen.
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Die wichtigste Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, Vánoce, beginnt in der Tschechischen Republik immer schon weit vor dem 24. Dezember – etwa zwei Jahre vor dem eigentlichen Fest. Diese auf den ersten Blick ungewöhnlich lange Zeitspanne hängt mit dem Festessen zusammen – dazu später mehr.
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Weihnachtlich geschmücktes Prag
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| © DAAD/Michael Wilding |
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Ein Brauch rund um die Weihnachtszeit ist das Schneiden der barborky, der Barbarazweige. Sie werden am 4. Dezember, dem Tag der Heiligen Barbara, geschnitten – gern Kirschzweige – und in der Wohnung in einer Vase aufgestellt. Blühen die Zweige am Heiligen Abend, so bringt das Glück. Heutzutage kann man dem Glück ein wenig auf die Sprünge helfen, Heizungen spielen eine nicht unbedeutende Rolle.
Aber Glück ist ein abstrakter Begriff. So sagt der Volksmund, dass Familien mit einer unverheirateten Tochter bei blühenden Zweigen ein Bräutigam ins Haus steht. Den Brauch ein wenig abgewandelt, weist man – ein nettes Gesellschaftsspiel – jedem Zweig den Namen eines Jungen zu. Der Zweig, der als erster blüht, weist auf den künftigen Bräutigam oder nächsten Freund hin. Gleich am 5. Dezember geht es weiter: Am Abend kommt der Mikuláš, Nikolaus, flankiert von Čert, dem Teufel, und Anděl, einem Engel. Pädagogisches für die Kleinen steht im Vordergrund, der Teufel tadelt die bösen, der Engel – eigentlich immer weiblich und damit eher die Engelin – lobt die braven Kinder und am Ende gibt es vom Nikolaus Präsente für alle: Obst und Süßigkeiten oder Spielsachen.
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Adventskonzerte in der Metro
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Nun geht es mit schnellen Schritten auf den Heiligen Abend zu. Die Prager nehmen sich Zeit für Konzerte, wobei hier unangefochten auf Platz eins Jakub Jan Rybas „Böhmische Hirtenmesse“ steht. Wer keine Zeit für ein Konzert findet, erfreut sich an Adventsklängen beim Umsteigen in der Prager Metro, denn hier gibt es an ausgewählten Stationen Adventskonzerte für Jedermann.
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Die Engel frohlocken
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| © DAAD/Michael Wilding |
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Lange Tradition: Das Festmahl
Hat sich der Heilige Abend bis auf wenige Tage genähert, steigt die Hektik und Geschenke müssen besorgt werden. Sie fallen in den letzten Jahren üppiger aus, dem Wirtschaftsaufschwung sei Dank. Vor allem sind die letzten Tage aber von einem Verkauf besonderer Art geprägt: An belebten Straßenecken oder vor Einkaufzentren stehen große Bottiche voller Wasser, in denen es nur so zappelt. Hinter Tischen vollführen Männer mit Schürzen ihr Handwerk. An dieser Stelle kann das Geheimnis um die schon lange vor dem Weihnachtsfest beginnenden Vorbereitungen gelüftet werden. Ein richtiger Heiliger Abend ist nämlich nicht denkbar ohne den vánoční kapr, den Weihnachtskarpfen. Die Karpfen, nicht zu fett und ein bis zwei Kilogramm schwer, müssen etwa zwei Jahre wachsen, gehegt und gepflegt werden.
Dies geschieht meist in Südböhmen, wo es einige der größten Karpfenteiche Europas gibt. Da die Karpfenzucht dort bis in die Zeiten Karls IV. reicht, also eine siebenhundertjährige Tradition hat, haben die Käufer von heute die Gewähr, dass die Fischzüchter ihrer für ein gelungenes Weihnachten wichtigen Aufgabe mit der nötigen Ernsthaftigkeit begegnen.
Hat der Karpfen den Weg in die Bottiche hinter sich gebracht, wird er von der zahlreichen Kundschaft mit Kennerblick begutachtet, ausgewählt, und mit dem Käscher aus dem Bottich geholt. Der erfahrene Verkäufer ist dem Kunden zu Diensten und nimmt auf Wünsche jenseits von Größe oder Aussehen des Karpfens Rücksicht. Einige wollen nur einen männlichen Karpfen, andere ein Karpfenweibchen.
Ist der Fisch an der Luft, kommt vom Schürzenmann eine wichtige Frage. Die nicht traditionelle Antwort führt zum sofortigen Tod des Karpfens, der dann fachgerecht ausgenommen nach Hause getragen wird. Wer etwas auf Tradition hält, packt den Karpfen in Tüte oder Netz und hält ihn für seine letzten Tage als Ehrengast in der Badewanne. Das hat den Vorteil, dass man ihn immer sehen kann und bei ausgiebigem Wasserwechsel eine Geschmacksverbesserung möglich ist. Die Einschränkungen, die dies für die persönliche Hygiene mit sich bringt, ist man gern bereit hinzunehmen, wartet doch nicht nur ein leckeres Essen, sondern davor auch noch Amüsement. Freiwillig und lebend will der Karpfen nämlich nicht in die Pfanne. Also schreitet der Vati zur großen Tat. Nach einigen Karpfen-Jahren hat er die entsprechende Routine und kann das glitschige Tier fast fachgerecht schlachten ... Es soll aber auch Karpfen geben, die sich erfolgreich der Behandlung entzogen haben und in der Moldau wieder in die Freiheit entlassen wurden.
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Damit sind wir nun am Weihnachtstag angelangt. An diesem Tag wird gefastet. Wie immer gibt es einige, die es ernster nehmen als andere und man hofft, am Ende des Fastentages das zlaté prasátko na stěně, das goldene Schweinchen an der Wand zu sehen, welches Glück, diesmal in Form von Reichtum verheißt. Aber ich kenne niemanden, der dieses Schweinchen gesehen hat, offenbar reicht ein Tag Fasten nicht aus. Mit dem ersten sichtbaren Stern kommt Ježíšek, das Christkind. Viele Kinder werden an diesem Tag zu begeisterten Hobbyastronomen und viele Eltern hoffen, dass es bewölkt ist, weil man ansonsten die Kinder kaum zum Essen bewegen kann. Aber was sein muss, muss sein: Vor die Verteilung der Geschenke hat die Tradition das Essen gesetzt. Vorspeise, Suppe, Karpfen mit Kartoffelsalat, Strudel, Weihnachtsplätzchen, Obst – von allem viel und man sollte nicht vergessen, noch eine Gedeck bereitzustellen, falls noch eine Person unerwartet kommt.
Ist das Festessen vorüber, ertönt ein von den Kindern heiß erwarteter Ton: Es klingt ein Glöckchen und nun gibt es Geschenke für alle unter dem Weihnachtsbaum. Wer dann noch kann – und es werden von Jahr zu Jahr mehr – geht in die Mitternachtsmesse in eine der vielen Kirchen. Der 25. und der 26. Dezember dienen der Erkundung der Geschenke, es gibt Pute oder Gans, man liest, besucht sich, entspannt vom anstrengenden Heiligen Abend und wartet schon wieder sehnsüchtig auf das nächste Weihnachtsfest.
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Autor: Michael Wilding, DAAD-Fachlektor für deutsches Recht, Karls-Universität Prag |
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Veröffentlichungsdatum: 17.12.2008 |
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