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Irak
''Mit deutschen Hochschultraditionen anreichern''
Der Irak vergibt im kommenden Jahr 40 Deutschland-Stipendien für Nachwuchswissenschaftler und will die Zahl schnell verdreifachen. Dies sagt Dr. Abid Thyab Al Ajeeli, Minister für Hochschulbildung und Forschung, im Interview.
Dr. Abid Thyab Al Ajeeli ist Minister für Hochschulbildung und Forschung im Irak. Er hat in London und Southampton studiert und seinen PhD an der University of Keele, Großbritannien, gemacht. Abid Thyab AL Ajeeli ist ein ausgewiesener Entwickler von Computer-Software in der industriellen Produktion wie für automatisierte Fremdsprachen-Übersetzung. Zuletzt war der Minister Informatik-Professor an der Universität von Bahrain.

Der Professor für Infomatik kehrte als Hochschul- und Forschungsminister in den Irak zurück: Abid Thyab Al Ajeeli
Der Professor für Infomatik kehrte als Hochschul- und Forschungsminister in den Irak zurück: Abid Thyab Al Ajeeli
© Christoph Papsch
Herr Minister, Ihr Besuch in Bonn mündet in ein Memorandum of Understanding mit dem DAAD, eine Absichtserklärung über die künftige Zusammenarbeit zwischen dem Irak und Deutschland. Um was geht es dabei?
In einem differenzierteren Themenkatalog geht es, zusammenfassend gesagt, hauptsächlich um den Austausch von Lernenden und Lehrenden und Qualitätssicherung in der akademischen Ausbildung und der Forschung.

2007 unterzeichneten Sie eine ähnliche Vereinbarung in Großbritannien. Was sind heute die wichtigsten Partnerländer in Ihrem Zuständigkeitsbereich?
Gewiss gehört Großbritannien dazu. Die Partnerschaft mit Deutschland ist für uns vor allem auf dem Gebiet der Medizin und der Ingenieurwissenschaften wichtig. Überhaupt wollen wir unsere britische Tradition mit Anleihen an der deutschen anreichern, vor allem in der untrennbaren Einheit von Forschung und Lehre. Dazu zählen die Kulturwissenschaften, zum Beispiel die Archäologie. Auf diesem Feld besteht die bilaterale Zusammenarbeit am längsten. Die Ergebnisse sind äußerst wichtig für das irakische Nationalbewusstsein und den Kulturdialog mit Europa.

Wie viel Schaden hat die wissenschaftliche Infrastruktur im Irak seit den UNO-Sanktionen in den 90er Jahren genommen?
Der größte Schaden ergibt sich aus den kriegerischen Zerstörungen etwa von Labors sowie den Plünderungen. Das Hauptproblem auch für Bildung und Wissenschaft ist die Sicherheit im Lande. Wenn die zunimmt, können wir schnell eine ganz moderne Infrastruktur aufbauen. Das nötige Geld ist da, Irak ist ja ein reiches Land.

Wie viele Regierungsstipendien werden Sie nach Deutschland vergeben?
Wir wollen bereits im nächsten Jahr mit 40 Deutschland-Stipendien für Nachwuchswissenschaftler starten und die Zahl schnell verdoppeln und gerne auch verdreifachen. Nach Großbritannien haben wir allerdings schon fast 500 junge Leute geschickt.

Sehen Sie dabei eine Gefahr der Abwanderung Ihrer besten Nachwuchstalente?
Nein, wir schließen Rückkehrer-Verträge mit unseren Stipendiaten. Im übrigen bin ich sicher, dass der DAAD die irakischen Gaststudenten zum Neuaufbau ihrer Heimat ermuntern wird.

Seit 2005 fördert der DAAD die Deutsch-Jordanische Universität als Leuchtturm für die gesamte Region. Könnte dieses neue Zentrum auch zum Sprungbrett für die Entwicklung Ihres Landes werden?
Meine Absicht ist, nach diesem Beispiel eine irakisch-deutsche Universität als Magnet für die ganze Region zu gründen.

Soll die Reform der Hochschulbildung im Irak zentral erfolgen oder auf einer föderalen Basis wie in Deutschland?
Zumindest in den nächsten fünf bis zehn Jahren halte ich eine zentrale Steuerung für geboten. Wenn Sie bedenken, dass knapp die Hälfte unserer Studierenden in der Hauptstadt Bagdad studiert, bleibt ein Vergleich mit dem deutschen Bildungsföderalismus doch sehr theoretisch.

Welche Bedeutung spielen in der Hochschulbildung und Forschung ethnische und religiöse Zugehörigkeiten?
Sie sollten und dürfen meiner Auffassung nach keine Rolle spielen.

Was hat sie dazu bewegt, aus dem sicheren Ausland in den unsicheren Irak, auf eine gefährliche Führungsposition zurückzukehren?
Mich reizen Herausforderungen. Die, als Minister meinem Land dienen zu können, ist die bislang größte. Aber ich bin kein Einzelfall. Wir haben bereits 200 Wissenschaftler aus aller Welt auf Führungspositionen in die irakische Hochschul- und Forschungspolitik zurückholen können.

Autor: Das Interview führte Hermann Horstkotte
Veröffentlichungsdatum: 08.12.2008
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