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Metropolis-Konferenz Bonn
Unterwegs gegen die Armut
Migration, Integration und Entwicklungspolitik waren die zentralen Themen der 13. Internationalen Metropolis-Konferenz in Bonn, an der rund 1000 Experten aus Wissenschaft und Praxis teilnahmen. Darunter Absolventen, Studierende und Dozenten entwicklungsbezogener Studiengänge, die der DAAD im In- und Ausland fördert.
Die Bevölkerung in Daressalam, mit knapp drei Millionen Einwohnern die größte und wichtigste Stadt im ostafrikanischen Tansania, wächst jährlich um 200.000 Menschen. „Die eine Hälfte sind Zuwanderer aus ländlichen Regionen, die andere Hälfte Neugeborene“, erklärt Wilbard J. Kombe, Professor für Raumplanung an der Ardhi Universität in der Metropole. „Das rasante Wachstum von Daressalam ist ein typisches Beispiel für die Urbanisierung unter Armutsbedingungen in ganz Afrika“, sagt Kombe.

Afrikanische Raumplaner mit deutscher Ausbidlung: Wilbard J. Kombe (2.v.l), Tansania, und  Daniel Inkoom (r), Ghana
Afrikanische Raumplaner mit deutscher Ausbidlung: Wilbard J. Kombe (2.v.l), Tansania, und Daniel Inkoom (r), Ghana
© SPRING
Sein Kollege Daniel Inkoom, Dozent an der Universität in Kumasi, im westafrikanischen Ghana, unterstreicht: „Unter solchen Umständen haben wir Raumplaner die Aufgabe, die stürmische Entwicklung zu analysieren und Politikern zu raten, wie sie das Zusammenleben der Menschen erleichtern können.“ Die Stadt selbst spiele für die Wanderarbeiter und ihre Angehörigen auf dem Land oft nur eine Rolle auf Zeit: als eher enttäuschende Geldquelle und nicht als gesuchtes Zuhause mit urbaner Architektur und öffentlichen Diensten wie Gesundheit und Bildung.

Weltweit suchen etwa 200 Millionen Wanderarbeiter ihr Auskommen. Zu- und Abwanderung wachsen kontinuierlich. Auf der 13. Internationalen Metropolis- Konferenz in der UNO-Stadt Bonn standen Ende Oktober deshalb die Themen Mobilität, Integration und Entwicklung in unmittelbarem Zusammenhang. Hier konnten die beiden afrikanischen Referenten die Besonderheiten ihrer Regionalstudien umso besser herausarbeiten, da sie die andersartige Urbanisierung in Europa gut kennen: Wilbard J. Kombe und Daniel Inkoom promovierten als DAAD-Stipendiaten am Fachbereich für Raumplanung der Universität Dortmund, der größten Fakultät auf diesem Feld in ganz Deutschland. Daniel Inkoom ist sogar zweifacher DAAD-Alumnus: Vor der Promotion studierte er 1988 bis 1989 im Dortmunder Master-Studiengang SPRING (Spatial Planning for Regions in Growing Economies).

Raumplaner mit deutschem Abschluss
SPRING gibt es seit 1984 als zweijährigen Masterkurs für Ausländer mit einschlägiger Berufserfahrung. Rund 500 Teilnehmer aus Afrika, Asien und Lateinamerika haben den Studiengang bisher erfolgreich abgeschlossen. Im ersten, theorieorientierten Studienjahr sind die Studierenden in Dortmund, im zweiten forschen sie für ihre Master-Thesis wahlweise an den Partnerhochschulen in Kumasi oder Daressalam, in Manila (Philippinen) oder in Chile, an der Universität in Valdivia. Vier von fünf Absolventen kehren anschließend in ihre Heimatregion zurück und sind meist in der Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Dabei spielt die Verwaltung und Gestaltung räumlicher Gegebenheiten eine Schlüsselrolle, wie sich auch am Themenkatalog der Metropolis-Konferenz zeigte: Wohnungsprobleme schnell wachsender Städte, soziale Angleichungs- oder aber Absonderungsprozesse in den Quartieren. „Raumforschung und Politikberatung umfasst darüber hinaus alle Fragen des Grundeigentums und der Landwirtschaft sowie heute des Klimawandels“, ergänzt Professor Einhard Schmidt-Kallert, der in Dortmund das Fachgebiet für Raumplanung in Entwicklungsländern leitet.

Bochum oder lieber Kapstadt
SPRING war der Schrittmacher der heute mehr als 40 Weiterbildungsprogramme für junge Fach- und Führungskräfte aus Entwicklungsländern, die der DAAD mit Stipendien unterstützt. Sponsor im Hintergrund ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Das Studienangebot reicht von Agrarwissenschaften über Medizin bis zu Regional- und Umweltdisziplinen.

Ein Beispiel ist der dreisemestrige Master-Studiengang „Development Management“ am Bochumer Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE), den die Ruhr-Universität und die University of Western Cape im südafrikanischen Kapstadt gemeinsam anbieten. Zu den Lehrenden zählen Praktiker, die an Hand von Fallstudien in die Entwicklungszusammenarbeit einführen. Nach dem ersten Semester absolvieren die Teilnehmer ein kurzes Praktikum bei einer Behörde oder einem Unternehmen, nach dem zweiten forschen sie für ihre Master-Thesis an einem konkreten Projekt in der südlichen Hemisphäre.

Auf der Bonner Konferenz präsentierte sich das IEE mit dem Workshop „Diaspora Driven Development“. Dabei geht es darum, nach Deutschland Zugewanderten Geldüberweisungen in ihr Herkunftsland ebenso zu ermöglichen wie unternehmerische Investitionen in der Heimat. Irina Kausch von der deutschen „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ und Bochumer Alumna prognostizierte eine „Win-win-win-Konstellation“: Die Investoren profitieren persönlich ebenso wie ihre alte und die neue Heimat – womöglich ein Vorbild für Millionen Migranten.

Autor: Hermann Horstkotte
Veröffentlichungsdatum: 05.11.2008
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