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Frankfurter Buchmesse
Fenster mit Aussicht
Zwei Podiumsdiskussionen des DAAD im Internationalen Zentrum der Frankfurter Buchmesse beleuchteten die deutsch-türkischen Beziehungen und die weltweiten Chancen von Deutsch als Fremdsprache.
„In den vergangenen drei Jahren wurde mehr türkische Literatur ins Deutsche übersetzt, als in den 30 Jahren zuvor“, erklärte der seit 1970 in Deutschland lebende Autor und Übersetzer Zafer Şenocak auf der Frankfurter Buchmesse. Und das, obwohl die Türkei vergleichsweise wenig in auswärtige Kulturpolitik investiert. Allerdings hat der Austausch von Studierenden zwischen beiden Ländern stark zugenommen, auch weil die Türkei seit 2004 dem europäischen Mobilitätsprogramm ERASMUS angehört. Der im Mai 2008 unterzeichnete Vertrag zur Gründung einer deutsch-türkischen Universität in Istanbul soll die akademischen Beziehungen weiter stärken und die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichende Tradition des Wissenstransfers weiter beleben. Was darüber hinaus getan werden kann, diskutierte auf Einladung des DAAD eine Expertenrunde im Internationalen Zentrum.

Experten im Gespräch über Chancen und Wege  des deutsch-türkischen Wissenstranfers
Experten im Gespräch über Chancen und Wege des deutsch-türkischen Wissenstranfers
© Konstanze Ilg
„Bis zum Ersten Weltkrieg gab es zwischen Deutschland und der Türkei intensive Wissenschaftsbeziehungen“, sagte die Germanistikprofessorin Feruzan Akdoğan von der Marmara-Universität in Istanbul. Diese seien in der Zwischenkriegszeit fortgesetzt worden, nicht zuletzt aufgrund der Waffenbruderschaft im Ersten Weltkrieg. „In den 1930er Jahren haben viele in Nazi-Deutschland verfolgte Wissenschaftler Zuflucht an türkischen Universitäten gefunden, die übrigens nach deutschem Vorbild aufgebaut sind“, ergänzte die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die sich insbesondere für die deutsch-türkische Universität einsetzt und zu deren Initiatoren gehört.

Mehrsprachigkeit früh fördern
Journalist Baha Güngör erzählt seine Migrationsgeschichte
Journalist Baha Güngör erzählt seine Migrationsgeschichte
© Konstanze Ilg
Der Journalist Baha Güngör aus Bonn erinnerte an die Zeit, als er 1961 als Zehnjähriger nach Deutschland kam: „Ich hatte das Gefühl, hier willkommen zu sein, türkische Gastarbeiter waren gefragt.“ Erst als die zunächst temporär geplante Situation dauerhaft wurde und Parallelgesellschaften entstanden, sei Vertrauen verloren gegangen.

Um den akademischen Austausch zwischen beiden Ländern wieder auszubauen, plädierten die Experten dafür, früh aufeinander zuzugehen. Sie schlugen vor, Schulpartnerschaften und Mehrsprachigkeit zu fördern sowie Jugendlichen das Reisen zu erleichtern. Über ein gelungenes Projekt berichtete die Professorin für Kommunikationsdesign Christine Wagner, die mit deutschen und deutsch-türkischen Studierenden an der Fachhochschule Wiesbaden ein zweisprachiges Kochbuch erstellte. Journalist Güngör lobte diese Form der Annäherung in seinem unverkennbar kölschen Dialekt: „Liebe geht durch den Magen“.

Deutsche Sprache im Ausland
Die zweite Diskussionsrunde des DAAD drehte sich um die Zukunft von Deutsch im Wettbewerb mit anderen Sprachen. Die Podiumsgäste äußerten sich zuversichtlich und meinten, dass Deutsch als Fremdsprache in Europa weiterhin von Bedeutung sein wird. „An türkischen Schulen ist Deutsch nach Englisch die beliebteste Fremdsprache“, erklärte die Germanistin Feruzan Akdoğan. Waldemar Pfeiffer, Professor für Germanistik an der Universität Posen, bezeichnete die polnische Germanistik gar als eine der stärksten außerhalb Deutschlands. In den Niederlanden geht dagegen der Anteil der Deutsch Sprechenden zurück. Joachim Umlauf, der in Amsterdam das Goethe-Institut leitet, sagte: „Obwohl sich das nach dem Zweiten Weltkrieg belastete Verhältnis inzwischen wieder normalisiert hat, lernen heute viele Niederländer nur noch etwas Basisdeutsch.“

Die deutsche Sprache stärken - über die Grenzen hinaus: Podiumsdiskussion zu Deutsch als Fremdsprache
Die deutsche Sprache stärken - über die Grenzen hinaus: Podiumsdiskussion zu Deutsch als Fremdsprache
© Michael Jordan
Der Germanist Andreas Kelletat berichtete von seinen Erfahrungen an der Universität Vaasa in Finnland und in Mainz. Er warnte davor, Germanistik auf den reinen Fremdsprachen-Unterricht zu reduzieren: „Ausländische Studierende sind auf die deutsche Universitätskultur oft schlecht vorbereitet.“ Hier leisten die deutschen Auslandsschulen hervorragende Arbeit, wie Eckhard Mehring vom Weltverband Deutscher Auslandsschulen betonte. Das bestätigten die Absolventin der deutschen Schule in Kairo, Yasmine Aguib und ihr Kommilitone Alexander Umpelev, der die deutsche Schule in Moskau besuchte. Beide motivierte der Austausch mit deutschen Mitschülern zu einem Studium in Deutschland, für das sie ein DAAD-Stipendium erhielten.

Autorin: Anne Hardy-Vennen
Veröffentlichungsdatum: 28.10.2008
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