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Sprache und Praxis in Japan
Langfristige Investition
Seit 25 Jahren schickt der DAAD Hochschulabsolventen nach Japan, um dort Experten für die deutsche Wirtschaft auszubilden. Zum Jubiläum zogen DAAD-Alumni und Gäste aus der Wirtschaft Bilanz.
Ruprecht Vondran ruft zu mehr Japanhandel auf
Ruprecht Vondran ruft zu mehr Japanhandel auf
© Ludolf Dahmen
„Im Rahmen der Globalisierung sind deutsche Unternehmen gut beraten, die Wirtschaftsbeziehungen zu Asien zu stärken“, sagte der Vorsitzende des Deutsch-Japanischen-Wirtschaftskreises, Ruprecht Vondran, zu den Alumni des DAAD-Programms „Sprache und Praxis in Japan“. Er fügte hinzu: „Für den Japanhandel sind Sie unsere Experten.“ Etwa 125 Teilnehmer, darunter 50 ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten, feierten Anfang Oktober das 25-jährige Jubiläum des Programms im Japanischen Kulturinstitut Köln. Mit dabei waren hochkarätige Gäste wie der Vorsitzende der Vorstände der TÜV Rheinland Group, Manager von ThyssenKrupp Xervon und Lenze AG, Personalberater von Egon Zehnder und Kienbaum sowie Direktoren der japanischen Außenhandelsförderorganisation JETRO.

Philipp Leckebusch:
Philipp Leckebusch: "Personalberater fragen bei uns nach."
© Ludolf Dahmen
Wichtige Technologiepartner
Japan und Deutschland sind die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und erzielen zusammen fast 30 Prozent des Welthandelsvolumens. Aber der bilaterale Handel stagniert, die deutschen Exporte nach Japan sind sogar rückläufig. „Der derzeitige Stand der japanisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen ist nicht zufriedenstellend. Unsere Aufgabe ist es, die Kontakte zu intensivieren und den Japanhandel voranzutreiben“, sagt DAAD-Alumnus Philipp Leckebusch von der MAN Ferrostaal AG. Schließlich sei Japan Deutschlands wichtigster Technologiepartner in Asien.

Er ist Vorsitzender des 2006 gegründeten Alumni-Vereins „Sprache und Praxis in Japan“, dem 40 Prozent der Alumni angehören. Der Verein ist dem Deutsch-Japanischen Wirtschaftskreis angeschlossen. Mit einer Jobbörse und in Seminaren fördert er das Fortkommen der einzelnen Mitglieder. „Als Gruppe sprechen wir mit geballter Japankompetenz und sind inzwischen bekannt: Wenn Stellen zu besetzen sind, fragen Personalberater und Unternehmer bei uns nach“, sagt Philipp Leckebusch.

Die 309 ehemaligen und aktuellen Stipendiaten kennen Japan nicht nur aus Büchern – sie haben 18 Monate dort gelebt, die Sprache gelernt und in Unternehmen mitgearbeitet. Ihr Japanaufenthalt ist eine langfristige Investition. „Ich hätte auch direkt nach dem Studium eine gute Stelle bekommen. Aber in Japan habe ich entscheidende Zusatzqualifikationen erworben: die Sprache, interkulturelle Kompetenz und ein tiefes Verständnis der japanischen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur“, sagt Florian Schulz. Der Ingenieur arbeitet heute bei dem Kraftwerksbauer Hitachi Power Europe, einem Tochterunternehmen des japanischen Hitachi-Konzerns. Einen besonderen Vorteil des DAAD-Stipendiums sieht er im Praktikum, das sich an das zehnmonatige Sprachstudium anschließt. „Ich habe in Japan in meiner Branche gearbeitet – das ist heute ein enormer Gewinn“, sagt der 32-Jährige.

Japan verbindet: Regina Boltz-Hase (links) war vor 25 Jahren Pionierin im Programm Sprache und Praxis in Japan
Japan verbindet: Regina Boltz-Hase (links) war vor 25 Jahren Pionierin im Programm Sprache und Praxis in Japan
© Ludolf Dahmen
Praktika sind fester Bestandteil
Obwohl Praktika in japanischen Unternehmen nicht üblich sind, hat der DAAD 25 Jahre lang an diesem Teil des Stipendiums festgehalten. „Die DAAD-Außenstelle in Tokio pflegt ihre engen Kontakte mit Unternehmen und ermöglicht unseren Stipendiaten sehr gute Plätze“, sagt Ursula Toyka-Fuong, die im DAAD das Japan-Referat leitet. Bereits während des zehnmonatigen Sprachkurses besichtigen die Stipendiaten Betriebe und treffen Unternehmer.

Bei einem dieser Meetings lernte die Chemikerin Anke Gubernator ihren späteren Chef auf Zeit kennen: Reinhard Einsel, Mitinhaber der in Tokio ansässigen Patentanwaltskanzlei Sonderhoff & Einsel. Das Praktikum bestimmte ihre Karriere. Heute arbeitet Anke Gubernator in der Patentabteilung der Schott AG in Mainz. „Ich lese japanische Patente und nehme an Vertragsverhandlungen teil. Meine Japankompetenz bringt mich weiter.“


Sprungbrett für internationale Karriere
Etwa ein Viertel der Absolventen bleibt in Japan, drei Viertel kehren nach Deutschland zurück. Hier finden nicht alle sofort eine Stelle, auf der sie ihre Japankompetenz einsetzen können. Zwischen 20 und 60 Prozent waren es in den letzten Jahrgängen, ermittelte der DAAD in einer Umfrage. „Unternehmen achten bei der Auswahl von Führungskräften in erster Linie auf interkulturelle Kompetenz, das Land spielt eine untergeordnete Rolle“, sagte Lothar Meier von ThyssenKrupp Xervon auf der Jubiläumsfeier. „Alumni des Programms Sprache und Praxis finden aber im Lauf ihrer Karriere mit Sicherheit Posten, auf denen ausgewiesene Japanexperten gefragt sind – dann sind sie die Favoriten.“ Für viele bedeutet das Stipendium ein Sprungbrett in eine erfolgreiche internationale Karriere, denn wer sich in Japan behauptet, kann sich auch anderswo durchsetzen.

Weitere Informationen
Japan bietet mehr – Bewerbungen erwünscht

Der DAAD fördert jährlich bis zu 15 Hochschulabsolventen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, Architektur, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften im Programm „Sprache und Praxis in Japan“. „Die Chancen ein Stipendium zu erhalten stehen gut. Wir ermuntern Graduierte, sich zu bewerben“, sagt Ursula Toyka-Fuong, die im DAAD das Japan-Referat leitet. Die Stipendiaten erhalten drei Wochen einen Japanisch-Intensivkurs am Bochumer Japonikum. Anschließend lernen sie zehn Monate die Sprache in Tokio und absolvieren danach ein Unternehmenspraktikum. Die Bewerber müssen keine Sprachkenntnisse nachweisen, wohl aber ihre ernsthafte Beschäftigung mit Japan.

Die nächste Bewerbungsfrist endet am 31. Januar 2009
Autorin: Katja Spross
Veröffentlichungsdatum: 15.10.2008
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