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GAIN-Jahrestagung
''Yes, we can!''
Wie der Aufbruch in Deutschland junge Forscherinnen und Forscher aus Nordamerika zur Rückkehr in die Heimat motiviert
Für Melanie Philipp, Postdoktorandin an der Duke University stand fest: Die Reise von North Carolina nach Boston hat sich gelohnt. Die Teilnahme an der Jahrestagung des German Academic International Network (GAIN) war ein „Energieschub für das Selbstbewusstsein“, sagte die Medizinerin, die sich in Boston mit über 200 deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern traf. Sie alle wurden von den aus Deutschland angereisten Vertretern der großen Wissenschaftsorganisationen ermuntert, eine Karriere in der Heimat ins Auge zu fassen.

„Das Interesse an uns tut gut”, würdigte ein Wissenschaftler die Anwesenheit der hochkarätigen Besucher, darunter die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die Generalsekretäre von DAAD und Humboldt-Stiftung, die Spitzen zahlreicher Universitäten sowie drei Bundestagsabgeordnete.

Besucher der Career Fair im Rahmen der Jahrestagung
Besucher der Career Fair im Rahmen der Jahrestagung
© Stefan Altevogt
Exzelleninitiative schafft neue Stellen
Auf der achten GAIN-Jahrestagung zogen sie Zwischenbilanz der Hochschulreformen am Wissenschaftsstandort Deutschland, insbesondere der Exzellenzinitiative: Viele der mit den Fördermitteln von Bund und Ländern neu geschaffenen Stellen sind besetzt, Teams haben sich formiert, die Arbeit in vielen Forschungsprojekten ist angelaufen. Die Exzellenzinitiative, so berichteten die Besucher aus Deutschland, zeige konkrete Wirkung und habe die Stimmung merklich gebessert.

Verbessert der frische Rückenwind der Reformen die Karrieremöglichkeiten in Deutschland und damit die Rückkehrperspektive der deutschen Forscher in den USA? „Die Tagung hat mich davon überzeugt“, zog die Postdoktorandin Melanie Philipp ein positives Fazit. Die deutschen Hochschulen, traditionell eher für ihr Beharrungsvermögen bekannt, begeisterten mit neuer Kreativität auch bei den so genannten „weichen“ Faktoren wie Kinderbetreuung und Mentoring. Und die scheinbaren Verlierer der Exzellenzinitiative versuchen Unmögliches möglich zu machen, indem sie die nicht geförderten Projekte dennoch realisieren. Insgesamt, so Melanie Philipp, sei ein Ruck quer durch Deutschland gegangen.

Perspektive nach dem Postdoc
Rege Diskussion im Plenum
Rege Diskussion im Plenum
© Stefan Altevogt
Bei allem Optimismus ging in Boston der Blick für das Wesentliche nicht verloren. Entscheidend blieb für die Teilnehmer, wie sich die Perspektive nach dem „Postdoc“ gestaltet – und damit die Aussicht auf eine unbefristete Stelle mit angemessener Bezahlung in Deutschland. So kritisierten die Forscher unter anderem die fehlende Nachhaltigkeit der Stellen, die durch die Exzellenzinitiative geschaffen werden und auch die mangelnde Verlässlichkeit der wissenschaftlichen Karrierewege. Für einige Teilnehmer der GAIN-Jahrestagung Grund genug, über Alternativen in der Industrie nachzudenken.

„Yes we can“, brachte Gerd Bungartz von der University of Pennsylvania die Hoffnungen auf einen anhaltenden Wandel im deutschen Wissenschaftssystem auf den Punkt. Den im laufenden US-Wahlkampf zum geflügelten Wort gewordenen Slogan wollte der Mediziner als Ermahnung an die Vertreter der deutschen Wissenschaftsszene und der Politik verstanden wissen, den Wandel konsequent weiter zu treiben.

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages waren von Enthusiasmus und Engagement der jungen Wissenschaftler beeindruckt. Sie versprachen ihren Teil dazu beizutragen, dass der Forschungsetat der Bundesregierung weiterhin kontinuierlich steigt. Die Erwartungen an die Politik, zusätzliches Geld für das Wissenschaftssystem zur Verfügung zu stellen, sind groß. „Bleibt zu hoffen“, so Michael Kruse vom Albert Einstein College of Medicine in New York, „dass diese Versprechungen auf dem Rückweg von Boston nach Berlin nicht verloren gehen.“

Autor: Christian Schwalb, Katja Simons (GAIN-Projektleitung)
Veröffentlichungsdatum: 12.09.2008
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