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Deutsch-Arabisch/Iranischer Hochschuldialog
Auf dem Weg in die Informationsgesellschaft
Sprache und Handschriften sind ein wichtiger Teil der Kultur. Braunschweiger Ingenieure entwickeln gemeinsam mit tunesischen Kollegen Erkennungstechnologien. Der DAAD unterstützt die Zusammenarbeit.
Der Computer lernt arabische Handschriften lesen
Der Computer lernt arabische Handschriften lesen
© TU Braunschweig/DAAD
Moderne Computersysteme erkennen heute automatisch gesprochene Sprache und Handgeschriebenes und stellen die Daten digitalisiert zur weiteren Nutzung bereit. Das gilt in erster Linie für europäische Sprachen – im arabischen Raum existieren bislang kaum derartige Lesetechniken. Im Rahmen des „Deutsch-Arabisch/Iranischen Hochschuldialog“ entwickeln Ingenieure des Instituts für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig gemeinsam mit Projektpartnern an den tunesischen Universitäten Sfax (École Nationale d’Ingénieurs de Sfax) und Tunis (École Nationale d’Ingénieurs de Tunis) solche Erkennungstechnologien für das Arabische.

Bei Postadressen streikt die automatische Erkennung - noch
Bei Postadressen streikt die automatische Erkennung - noch
© TU Braunschweig/DAAD
Handschriften automatisch erfassen
„Unsere Arbeit konzentriert sich auf arabische Handschriften – das können historische Dokumente sein, die digital erfasst werden und so als kulturelles Gut erhalten bleiben“, sagt Projektleiter Dr. Volker Märgner. In Industrie und Verwaltung sind die Erkennungstechnologien der Braunschweiger ebenso gefragt: Sie können beim automatischen Lesen von Postadressen oder handschriftlich ausgefüllten Formularen zum Einsatz kommen. In Tunesien werden noch immer viele Geschäfte auf Englisch oder Französisch abgewickelt. Das Arabische hält erst langsam Einzug in die Geschäftswelt. „Inzwischen haben aber viele Tunesier erkannt, welche Bedeutung die eigene Sprache für ihre Kultur und Identität hat“, sagt Volker Märgner.

Die Braunschweiger Nachrichtentechniker schulen ihre Partner an den tunesischen Hochschulen im Umgang mit den unterschiedlichsten Daten und unterstützen sie dabei, die Erkenntnisse langfristig in die universitäre Lehre zu integrieren. Studierende sind in das Projekt eingebunden. Dabei geht es nicht nur darum, Fragen zu technischen Details zu lösen. In den praktisch orientierten Aufgabenstellungen trainieren die Studierenden ihre Teamfähigkeit. Außerdem fördert das Programm die persönlichen Begegnungen und den Austausch über Kultur und Religion. So bleibt neben der Klärung wissenschaftlicher Fragen immer auch Zeit, bei einem Tee oder einem traditionellen Essen in ungezwungener Atmosphäre zu diskutieren.


Die Entwickler: Nachrichtentechniker aus Tunesien und Deutschland
Die Entwickler: Nachrichtentechniker aus Tunesien und Deutschland
© TU Braunschweig/DAAD
Obwohl sich Volker Märgner mit dem Erkennen arabischer Schriftzeichen befasst, spricht er kein Arabisch: „Für die Entwicklung von Erkennungstechnologien ist die Bedeutung eines Wortes nachrangig“, sagt der Ingenieur. Schon seit vielen Jahren beschäftigen sich die Wissenschaftler in Braunschweig und Tunesien mit Fragen der Bildverarbeitung und Mustererkennung von einzelnen Zeichen oder handgeschriebenen Wörtern. Im Zuge ihrer Zusammenarbeit entstanden bereits zwei Dissertationen, die sich mit dem Erkennen arabischer Schrift beschäftigen – eine in Deutschland, die andere in Tunesien.

Tunesische Forscher finden zusammen
Im Frühjahr organisierten die Braunschweiger Ingenieure in Tunesien einen Workshop, um die Zusammenarbeit der beiden tunesischen Universitäten zu fördern. „Wir übernehmen die Rolle der Koordinatoren und möchten die tunesischen Wissenschaftler an einen Tisch bringen.“ Einen Austausch zwischen den Fachbereichen in Sfax und Tunis gab es bisher nicht – die Deutschen leisten Pionierarbeit.

„Unsere eigenen Vorarbeiten und die langjährigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Hochschulen in Tunesien befördern den Hochschuldialog“, sagt Volker Märgner. Die Bedeutung des Dialogs wird in Tunesien sehr hoch eingeschätzt. Das erste Treffen der Braunschweiger Wissenschaftler mit den Kollegen in Tunis besuchten auch interessierte Dozenten anderer Hochschulen.

Autorin: Doris Bünnagel
Veröffentlichungsdatum: 25.08.2008
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