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Deutsch-Arabisch/ Iranischer Hochschuldialog
Einheimische Experten für Artenvielfalt
Trainingskurse, Exkursionen, Feldstudien und im Herbst ein großer Kongress: Das Netzwerk Biodiversität im Mittleren Osten wird immer engmaschiger.
Dr. Friedhelm Krupp und Nadia Manasfi vom Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main hatten 100, im besten Fall 150 Anmeldungen erwartet. Nun sind es weit mehr als doppelt so viele geworden: Über 420 Wissenschaftler und Studierende aus 41 Ländern werden zum Biodiversitäts-Kongress im Oktober nach Amman kommen. Die beiden Frankfurter Wissenschaftler organisieren das Experten-Treffen zur Artenvielfalt mit ihren jordanischen Partnern der Aqaba Marine Science Station am Roten Meer.

Anpassungsfähig und dennoch bedroht: Gazelle in Saudi Arabien
Anpassungsfähig und dennoch bedroht: Gazelle in Saudi Arabien
© Friedhelm Krupp
Grundlagen für den Kongress schafft die mehrjährige engagierte Zusammenarbeit von fünf Hochschulen im Iran, Libanon, in Jemen, Jordanien und Deutschland: Unter der Federführung des Zoologen Friedhelm Krupp knüpfen das Forschungsinstitut Senckenberg, die Universität Teheran, die Marine Science Station in Aqaba, die Universität Sana’a, die American University in Beirut und die Universität Frankfurt ein Biodiversitäts-Netzwerk in Forschung, Lehre und Naturschutz, gefördert vom DAAD. Es geht darum, einheimische Expertise aufzubauen.

Die Universitäten im Nahen Osten brauchen die wissenschaftlichen Grundlagen, um als gleichwertige Partner in Projekten mitzuarbeiten. Zwar haben zahlreiche Staaten Schutzaktionen aufgrund der UN-Biodiversitätskonvention durchgeführt, doch ohne anhaltenden Nutzen. Denn häufig sind die Projektleiter ausländische Berater, die das Land wieder verlassen und das wissenschaftliche Know-how mitnehmen.

Korallenriff im Roten Meer: unzureichend dokumentiert
Korallenriff im Roten Meer: unzureichend dokumentiert
© Friedhelm Krupp
Maßgeschneidert für die Region
In der einzigartigen Übergangszone zwischen den drei biogeografischen Großräumen Europa und Nordasien, Afrika sowie Südasien sind Fauna und Flora unzureichend dokumentiert. Sie können deshalb nicht adäquat gemanagt werden, was sich auf Umweltschutz, Fischerei und Landwirtschaft auswirkt. So hat das Projektteam unter anderem die Entwicklung eines akademischen Kurses zur Biodiversität initiiert, an dem im vergangenen Jahr in Jordanien rund 30 Studierende und Graduierte der Partneruniversitäten teilnahmen.

Den Kurs hatten die Netzwerk-Universitäten über ein online-Forum im regen Austausch miteinander entwickelt, jede Hochschule steuerte eigene Module bei. „In einem weiteren Schritt wird nun jede Universität den Kurs speziell auf die Artenvielfalt ihrer Region zuschneiden und in ihr Curriculum einpassen“, sagt Koordinationsassistentin Nadia Manasfi.

Saudi Arabien: Brutkolonie der Rüppell-Seeschwalbe
Saudi Arabien: Brutkolonie der Rüppell-Seeschwalbe
© Friedhelm Krupp
Gemeinsam im Feld
Wie lebendig das Netzwerk ist, zeigen auch die vielfältigen Begegnungen – insgesamt 70 Studierende, Graduierte und Wissenschaftler förderte der DAAD bisher in dem Projekt: Forscher trafen sich zu Workshops in Teheran und Sana’a. In den letzten zwei Jahren besuchten führende Wissenschaftler, Graduierte und Technische Assistenten der Partneruniversitäten das Forschungsinstitut Senckenberg, um gemeinsam zu forschen und neueste technische Methoden zu üben. Mehrere deutsche und iranische Studenten untersuchten Süßwasser- und Meeresfische im Iran, zwei Kommilitonen erforschten marine Krebse an der libanesischen Küste. Außerdem wurden Feldstudien im Rahmen von Dissertationen im Jemen und im Iran vorangetrieben. Vor wenigen Monaten waren Deutsche und Iraner vier Wochen lang im Iran unterwegs, um Untersuchungen zur Biodiversität von Inlandsgewässern durchzuführen. Eine weitere Forschungsreise soll im Herbst in den Libanon gehen.

Dann kommen auch die Fachleute auf dem Biodiversitäts-Kongress in Amman zusammen. Alle Länder des Nahen Ostens werden in Jordaniens Hauptstadt vertreten sein, außerdem Forscher aus Europa, Australien, den USA und anderen Regionen. Allein aus dem Iran haben sich über 90 Studierende und Forscher angemeldet; 50 Teilnehmer werden aus Israel, 20 aus dem Irak, 30 aus Deutschland erwartet.

Bewusstsein schärfen
Vor über 20 Jahren hatte Netzwerkkoordinator Friedhelm Krupp schon einmal eine Konferenz zur Biodiversität im Nahen Osten mitveranstaltet, damals in Mainz. „Es ist gut, dass der jetzige Kongress in einem arabischen Land stattfindet“, sagt Nadia Manasfi. „Das gibt zum einen vielen Studierenden und Wissenschaftlern die Chance, teilzunehmen und ihre Ergebnisse einem Fachpublikum vorzustellen. Zum anderen wird das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung und den Schutz der Biodiversität in dieser einzigartigen Region geschärft.“

Weitere Informationen
Autorin: Uschi Heidel
Veröffentlichungsdatum: 05.09.2008
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