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Deutsch-Arabisch/Iranischer Hochschuldialog
Jugendliche im Fokus
Mauern überwinden und Brücken bauen – das ist das Ziel der Kooperation zwischen der Katholischen Fachhochschule Köln und der Universität Bethlehem. Die Hochschulpartner binden Studierende in die Forschungsarbeit ein.
Über schlechte Motivation in seinen Seminaren kann sich Professor Josef Freise nicht beklagen. Im Gegenteil: Engagiert und oft bis in die späten Abendstunden sitzen die Studierenden der Katholischen Fachhochschule Köln an Projekten, die sie mit palästinensischen Kommilitonen von der Universität Bethlehem bearbeiten. Der DAAD unterstützt das Projekt zur praktischen Sozialarbeit, wie auch weitere Vorhaben, die aus der langjährigen Partnerschaft zwischen beiden Hochschulen erwachsen; ihr Koordinator ist Josef Freise.

Empfang im Kölner Rathaus: Studierende aus Köln und Bethlehem
Empfang im Kölner Rathaus: Studierende aus Köln und Bethlehem
© Josef Freise/KFH Köln
Zwei deutsche und palästinensische Studentengruppen hatten in Köln und Bethlehem 70 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu Familie, religiöser Einstellung, beruflichen Wünschen und politischen Vorstellungen befragt. Unter den jungen Deutschen waren sowohl Haupt- und Realschüler als auch Gymnasiasten, ebenso Jugendliche aus Migrantenfamilien. In Palästina interviewten die Studierenden Jugendliche auf dem Land, in der Stadt und in Flüchtlingslagern.

Berührungspunkte schaffen
Ergebnisse aus Köln: Jugendliche aus Migrantenfamilien und einheimische Jugendliche leben in getrennten Welten und haben kaum Berührungspunkte. Die Vorstellungen, die sie voneinander haben, sind oft falsch. Genau dort wollen die Studierenden ansetzen. In einem Kölner Jugendzentrum entwickeln sie gezielt Aktionen, die die unterschiedlichen Jugendgruppen zusammenführen sollen. Regelmäßige Treffen in Moscheen und Kirchen organisiert ein Student, um junge Muslime und Christen miteinander ins Gespräch zu bringen und zu ermutigen, die gegenseitigen Feindbilder zu überprüfen.

Auch in Bethlehem leben die Jugendlichen in abgeschlossenen, zum Teil rivalisierenden Gruppen, wie die Befragung verdeutlichte. Ein Jugendparlament, das die Studierenden anregen, soll verhindern, dass die jungen Leute immer weiter auseinanderdriften.

Forschungsprojekt: Wie reagieren Jugendliche auf die Mauer in Bethlehem?
Forschungsprojekt: Wie reagieren Jugendliche auf die Mauer in Bethlehem?
© Josef Freise/KFH Köln
Gefühle der Enge und Unfreiheit bestimmen Jugendliche in den Flüchtlingslagern. Um diesem Empfinden Raum und Ausdruck zu geben, haben die Studierenden eine Aktion mit einem palästinensischen Künstler initiiert: An einer durchsichtigen, stabilen Folie, als Symbol der Mauer, konnten sich die Jugendlichen körperlich ausdrücken, indem sie sich gegen die Folie stemmten und „Eindrücke“ hinterließen; außerdem schrieben sie Gedichte.

Gegenseitiges Verständnis bereitet den Boden für Freundschaften
Gegenseitiges Verständnis bereitet den Boden für Freundschaften
© Josef Freise/KFH Köln
Über Fächergrenzen hinweg
Ein weiteres Projekt zwischen Köln und Bethlehem reicht über die Fächergrenzen hinaus. Es geht um Formen der gesellschaftlichen Partizipation: Wie können beispielsweise Jugendliche aktiv an ihrer Berufsfindung beteiligt werden, wie Patienten am Heilungsprozess? Im Projekt arbeiten angehende Pädagogen, Gesundheits- und Pflegewissenschaftler sowie Sozialarbeiter zusammen. Um die Kommunikation zu vertiefen, fand im Mai erstmals ein Seminar mit fortlaufenden Videokonferenzen zwischen Köln und Bethlehem statt. „Solche kooperativen Seminare wollen wir langfristig etablieren, damit auch zwischen den Reisen ein lebhafter wissenschaftlicher Austausch möglich ist“, sagt Josef Freise.

Der Koordinator der west-östlichen Hochschulpartnerschaft entwickelt gemeinsam mit seinen Kollegen bereits ein neues Programm, für das die Katholische Fachhochschule eine Förderung beim DAAD beantragen will. Der interdisziplinäre Arbeitsansatz soll verstärkt werden – auch durch neue Lehrmethoden, die die Studierenden stärker in die Forschung miteinbeziehen. Vor allem an der Universität Bethlehem sind diese Methoden noch wenig ausgeprägt. „Wir wollen eine qualitative Sozialforschung einführen, in der die Studierenden Teil des Forschungsprozesses sind, diesen mitgestalten und weiterführen“, so Josef Freise.

In Kürze reisen die Kölner Studierenden wieder nach Bethlehem. Mit ihren palästinensischen Kommilitonen werden sie über die Bedeutung der Religion im Alltagsleben von muslimischen und christlichen Jugendlichen diskutieren.

Weitere Informationen
Autorin: Uschi Heidel
Veröffentlichungsdatum: 18.08.2008
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