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Deutsch-Arabisch/Iranischer Hochschuldialog
Professionelle Hilfe für kleine Patienten
Der Jemen braucht Kinderchirurgen: Fast die Hälfte der 20 Millionen Einwohner ist unter 14 Jahre alt. Nachhaltige Erfolge zeigt jetzt ein engagiertes, vom DAAD gefördertes Projekt, das eine moderne kinderchirurgische Ausbildung etablieren will.
Im kommenden Jahr wird der erste Lehrstuhl für Kinderchirurgie im Jemen eingeweiht, zeitgleich soll der erste Fachkongress in dem arabischen Land stattfinden. Das ist Inhalt einer schriftlichen Vereinbarung zwischen der Universität von Sana’a und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), die in Kürze beide Präsidenten unterzeichnen werden. Auch eine Kinderklinik wurde gebaut, für die medizinische Einrichtung werden Sponsoren gesucht.

Deutsch-jemenitische Zusammenarbeit Im OP: Claus Petersen (Medizinischen Hochschule Hannover, li.) und  Ali Al-Gamrah (Universität Sana'a)
Deutsch-jemenitische Zusammenarbeit Im OP: Claus Petersen (Medizinischen Hochschule Hannover, li.) und Ali Al-Gamrah (Universität Sana'a)
© Claus Petersen/MHH
Die Zusammenarbeit zwischen beiden Hochschulen läuft seit einigen Jahren intensiv. Treibende Kraft sind Professor Claus Petersen von der MHH und sein jemenitischer Kollege, Professor Ali Al-Gamrah von der Universität Sana’a. Der ehemalige DAAD-Stipendiat, der den neuen Lehrstuhl übernehmen soll, hatte sich 2003 an die Hannoveraner Mediziner gewandt. „Es ist sehr gut, dass die Initiative zum Aufbau der Kinderchirurgie von einer im Jemen so angesehenen Persönlichkeit wie Ali Al-Gamrah ausging. Damit ist das Projekt besser vor Ort verankert, als wenn wir die Sache angeregt hätten“, so Claus Petersen.

Kindern im Jemen fehlt häufig eine fachgerechte ärztliche Betreuung
Kindern im Jemen fehlt häufig eine fachgerechte ärztliche Betreuung
© Claus Petersen
Regierung unterstützt die Ärzte
Die jemenitische Regierung unterstütze das Projekt von Anfang an – die Notwendigkeit zu handeln, war offensichtlich: Mit sieben Prozent ist die Kindersterblichkeit hoch, die medizinische Infrastruktur hat das Niveau eines Entwicklungslandes. 20 Prozent der jemenitischen Neugeborenen, die operiert werden müssen, sterben wenige Tage nach dem Eingriff; in Deutschland kommt dies bei weniger als einem halben Prozent der kleinen Patienten vor. „Wenn wir im Jemen die Todesfälle auf fünf Prozent senken könnten, wäre das ein Riesenerfolg“, sagt Claus Petersen.

Wenn Allgemeinchirurgen Kinder operieren, ist das nicht unproblematisch: „Heranwachsende haben andere Entwicklungsrhythmen als Erwachsene“, erklärt der deutsche Kinderchirurg. „Bestimmte Erkrankungen müssen beim Kind sofort operiert werden, andere wiederum verschwinden mit dem Alter von selbst. Der Knackpunkt ist, dieses Potenzial der Spontanentwicklung richtig einschätzen zu können.“

OP-Schwester aus Hannover übt mit jementischen Kolleginnen die Assistenz
OP-Schwester aus Hannover übt mit jementischen Kolleginnen die Assistenz
© Claus Petersen/MHH
Wissensaustausch als Basis
Genau hierbei hilft das DAAD-Projekt durch Wissensaustausch. Fünf Mal im Jahr hält ein deutscher, belgischer oder Schweizer Kinderchirurg Vorlesungen in Sana’a und leitet Operationen. Auch eine OP-Schwester aus Hannover kommt einmal jährlich, um die ebenso wichtige Assistenz bei Eingriffen mit jemenitischen Kolleginnen zu üben. „Ich finde es besonders bemerkenswert, dass der DAAD auch diese nicht-akademische, ganz entscheidende Arbeit unterstützt“, so Petersen.

Unentbehrlich ist auch die Fortbildung des medizinischen Personals aus Sana’a in der Medizinischen Hochschule Hannover: Dort lernen zurzeit zwei Krankenschwestern und ein OP-Pfleger; ein Chirurg absolviert die Facharztausbildung zum Kinderchirurgen. Außerdem arbeitet ein jemenitischer Student an seiner Doktorarbeit: Er ermittelt in Feldstudien, wie viele Kinderchirurgen der Jemen braucht. Diese epidemiologischen Untersuchungen liefern wichtige Daten, um eine passende medizinische Infrastruktur im Land aufbauen zu können.

Sponsoren gesucht
Seit wenigen Monaten steht die Kinderklinik in Sana’a, die der Staat Jemen finanziert hat. Um die medizinische Ausrüstung kümmern sich die Hannoveraner Mediziner. „Wir müssen jetzt rasch Sponsoren finden, damit den kranken Kindern optimal geholfen werden kann“, sagt Claus Petersen. 1,5 Millionen Euro braucht er, um zwei OP-Trakte, eine Notfallaufnahme, eine diagnostische Abteilung sowie eine Intensivstation mit den notwendigen Geräten ausstatten zu können. „Jede Spende ist willkommen; Hauptsache, die Klinik kann schnell ihren Betrieb aufnehmen.“


Der Bau steht, die medizinischer Ausrüstung fehlt noch: Spenden sind willkommen
Der Bau steht, die medizinischer Ausrüstung fehlt noch: Spenden sind willkommen
© Claus Petersen/MHH
Das Projekt Sana’a-Hannover hat Modellcharakter und soll später auf die anderen beiden Universitäten in Aden und Taizz übertragen werden – und über die Landesgrenzen hinaus. Dazu dient der Aufbau eines Netzwerkes, zu dem neben Sana’a und Hannover jetzt Kairo hinzugekommen ist. In diesem Sommer wird die Kooperation mit der Ain Shams Universität in Kairo besiegelt – ein idealer Partner, denn die ägyptische Hochschule verfügt über eine sehr gute Kinderchirurgie.

Weitere Informationen
Kontakt:
Prof. Dr. med. Claus Petersen
Medizinische Hochschule Hannover
E-mail: petersen.claus@mh-hannover.de
Autorin: Uschi Heidel
Veröffentlichungsdatum: 12.08.2008
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