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DAAD-Stipendiaten/Deutsche Welle |
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Frieden und die Rolle der Medien |
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Neun DAAD-Stipendiaten besuchten das erste „Global Media Forum“ der Deutschen Welle in Bonn. Drei von ihnen diskutierten anschließend über ihre Eindrücke.
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Internationale Perspektive: Drei DAAD-Stipendiaten diskutieren im Anschluss an das Global Media Forum der Deutschen Welle
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| © Eric Lichtenscheidt |
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Mehr als 850 Teilnehmer aus 100 Ländern trafen sich zum ersten "Global Media Forum" der Deutschen Welle Anfang Juni in Bonn. Repräsentanten aus Medien und Politik, Kultur und Wirtschaft, Wissenschaft und Entwicklungszusammenarbeit tauschten sich über die Rolle der Medien bei Friedensstiftung und Konfliktprävention aus. Zu den Teilnehmern zählten auch neun DAAD-Stipendiaten aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Sie studieren an einem der vom DAAD unterstützten „Aufbaustudiengänge mit entwicklungsbezogener Thematik“. Zum Abschluss des Medienkongresses appellierte der Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, an die Teilnehmer, die Chancen von Medien bei Konfliktprävention und Friedensstiftung stärker zu nutzen.
Im Anschluss an das Forum diskutierten Christiana Amuzu aus Ghana, Jan Andrew Zubiri von den Philippinen und Sofyan Syahnur aus der Provinz Aceh in Indonesien über ihre Eindrücke und die Situation in ihren Ländern. Die 29-jährige Christiana Amuzu und der 24-jährige Jan Andrew Zubiri studieren zurzeit an der Universität Freiburg im Masterstudiengang „Environmental Governance“, der 38-jährige Sofyan Syahnur promoviert am Bonner Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF).
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Christiana Amuzu, Ghana
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| © Eric Lichtenscheidt |
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Können Medien in Konflikten deeskalierend wirken und den Friedensprozess unterstützen? Welchen Eindruck haben Sie von der Konferenz mitgenommen?
Christiana Amuzu: Wir dürfen die Rolle der Medien nicht überbewerten. Sie können keinen Frieden schaffen oder Korruption unterbinden, dafür braucht man integre Politiker und aufgeklärte, demokratiebewusste Bürger. Die Medien können allenfalls eine Vermittlerrolle spielen. Für mich ist wichtig, dass Menschen durch Medien nicht ausgegrenzt werden. Ressourcen sind heutzutage häufig der Zündstoff von Konflikten. Deshalb beobachte ich genau, wie mit den neuen Ölfunden in Ghana umgegangen wird – sie bedeuten nicht automatisch Wohlstand für alle. Letztendlich liegt die Verantwortung für eine gerechte Verteilung in den Händen der Regierung, obwohl es hilfreich ist zu wissen, dass die Medien diesen Prozess wachsam begleiten.
Jan Andrew Zubiri: Ich bewerte die Rolle der Medien etwas anders. Sie können deeskalierend wirken, wenn sie ihre Rolle als unabhängige Berichterstatter wahrnehmen und unzensiert berichten dürfen. Mir ist auf der Konferenz sehr klar geworden, wie stark die Medien die öffentliche Meinung beeinflussen und sensibilisieren. So können sie erheblich zum Bewusstseinswandel in punkto Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Diese aufklärende Funktion kann auf lange Sicht deeskalierend wirken, wenn es das Verhalten der Menschen verändert.
Sofyan Syahnur: Das ist sicher richtig. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass Medien mit ihrer Berichterstattung Konflikte sogar verstärken und Propaganda betreiben können, aus welchen Gründen auch immer. Ich denke da an die Zeit, als die Bewegung für ein freies Aceh (GAM) in der Ära Suharto mit Waffengewalt für einen unabhängigen Staat Aceh kämpfte und die indonesische Regierung Aceh zum Kriegsgebiet erklärte. Damals waren die Medien nicht frei, zu berichten. Über den späteren Friedensschluss in Aceh ist dann objektiver berichtet worden. Und nach dem Tsunami haben uns die Medien weltweit sehr unterstützt, indem sie das Ausmaß der Katastrophe zeigten und zu Spenden aufriefen.
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Jan Andrew Zubiri, Philippinen
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| © Eric Lichtenscheidt |
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Welche Funktion übernehmen internationale und welche lokale Medien, und wie werden diese in Ihren Ländern wahrgenommen?
Jan Andrew Zubiri: Die Trennung von lokalen und internationalen Medien ist durch die neuen Technologien teilweise verwischt: Im Internet laufen Blogs und Podcasts, Nachrichten lese ich auf dem Handy. Wenn jeder berichten und seine Perspektive einbringen kann, wird es allerdings schwerer, die „Wahrheit“ zu erkennen. Eine Aktualität rund um die Uhr gewährleisten nur die internationalen Medien, nicht die lokalen. Die Zuschauer sind hautnah bei Krisen dabei, der Tsunami war ein gutes Beispiel dafür. Zwar hat auf den Philippinen fast jede Familie einen Fernseher, egal wie arm sie ist, aber keinen Kabelanschluss oder Satellit, mit dem sie die internationalen Fernsehsender empfangen kann. Deshalb erfüllen lokale Sender eine wichtige Funktion in der Information.
Christiana Amuzu In Ghana haben in ländlichen Regionen längst nicht alle Haushalte einen Fernseher. Und die internationalen Medien senden auf Englisch, was nicht alle Ghanaer gut genug verstehen. Deshalb sind die lokalen Fernsehsender und Radioprogramme wichtig für die Nachrichtenübermittlung. Nach wie vor hören die Menschen in Ghana häufig Radio, weil dort das gesamte Programm in den lokalen Sprachen läuft. Bei diesen Sendungen können die Hörer mitmachen und sich an Diskussionen beteiligen, das stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
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Sofyan Syahnur, Indonesien
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| © Eric Lichtenscheidt |
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Welche Medien nutzen Sie persönlich?
Sofyan Syahnur: Medien sind für meine Arbeit sehr wichtig. Ich möchte sie künftig vor allem nutzen, um der Gesellschaft meine Forschungsergebnisse mitzuteilen. Ich bin Ökonom und Dozent an der Syiah Kuala Universität in Banda Aceh. Die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung steht nicht zum Besten, und ich hoffe, dass meine Untersuchungen dazu beitragen, das Finanzmanagement weiterzuentwickeln und eine solide Basis für Investoren in der Region Aceh zu liefern. Medien sind außerdem für den Unterricht wichtig – Multimedia in der Lehre, das ist eine ganz neue Herausforderung für mich.
Christiana Amuzu: Ich selbst nutze alle Medien, aber mit meiner Familie in Ghana telefoniere ich nur, was leider sehr teuer ist. Meine Mutter kann nicht mit Computern umgehen, also auch nicht mailen – dies ist eine Generationenfrage, die sicher überall auf der Welt ähnlich ist und uns zeigt, wie rasant sich manche Medien entwickelt haben.
Jan Andrew Zubiri: Ich schreibe über meine Erlebnisse und Erfahrungen in Deutschland einen Blog. Das ist einfacher, als mit allen Freunden zu mailen. Deshalb hat es mir besonders gefallen, dass ich im Global Media Forum von den Berichten professioneller Blogger profitieren konnte und auch andere digitale Medien thematisiert wurden. Die nächste Konferenz sollte insbesondere neue Medien und Formate zum Thema haben, daran würde ich gerne wieder teilnehmen.
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Autorin: Katja Spross |
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Veröffentlichungsdatum: 20.06.2008 |
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© DAAD |
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