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Weihnachtsbräuche in…
Thailand: Reich geschmückte Shopping-Center
Von Ende November bis Anfang Januar steht Thailand im Zeichen von Lichterzauber, eingängigen Melodien und Geschenken. Mit Weihnachten im christlichen Sinne hat dies alles freilich wenig zu tun. Es sind buddhistische Feste, staatliche Zeremonien und die anstehenden Wahlen, die die Gemüter bewegen.
Keine Weihnachstbeleuchtung: Illumination zu Ehren des Königs auf dem Rachadamnoen-Boulevard
Keine Weihnachstbeleuchtung: Illumination zu Ehren des Königs auf dem Rachadamnoen-Boulevard
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Vermutlich zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte Thailands wurde der 24. Dezember dieses Jahr zum Feiertag erklärt. Grund dafür sind die tags zuvor stattfindenden Wahlen: Schließlich sollen die vielen Menschen aus der Provinz, die in der 12-Millionen-Stadt Bangkok arbeiten, zur Stimmabgabe in ihre Heimatorte reisen können. Der arbeitsfreie Tag dient so als Mittel zur Steigerung der Wahlbeteiligung. Die Stadtbevölkerung aber wird das verlängerte Wochenende schlicht und einfach zum Shopping nutzen, verstärkt durch eine Armada weihnachtsmüder Europäer, Amerikaner und Australier auf der Suche nach Sonne, Strand und Schnäppchen. Denn die touristische Hochsaison und die Schlussverkaufszeit mit ihren „Special Sales“ laufen parallel.

Kunstvoll dekorierte  Loy Krathongs
Kunstvoll dekorierte Loy Krathongs
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Loy Krathong: Leuchtender Dank an die Wassergöttin
Bereits einen Monat früher, am 24. November, begeht man in ganz Thailand ein Fest, das mit seinem vielfachen Kerzenschein Einheimische wie Auswärtige begeistert: Das buddhistische Loy Krathong zur Ehren der Wassergötin Mae Khongkha. Um ihr am Ende der Regenzeit für das nasse Element zu danken und sich für seine Benutzung und Verschmutzung zu entschuldigen, setzt man bei diesem ursprünglich hinduistischen Brauch kleine Flöße in Lotusform (krathong) auf Seen, Flüsse oder Kanäle und lässt sie treiben (loy). Die Bote aus Bananen- oder Palmblättern sind mit traditionellen Opfergaben geschmückt: Blumen, Kerzen und Räucherstäbchen (meist sind es drei: eins für Buddha, eins für das Weltgesetz Dharma und eins für die Gemeinschaft der Mönche).

In Bangkok strömen Zehntausende zu den nächtlichen Ufern des Chao Praya-Flusses, um die Bötchen ins Wasser zu lassen. Häufig legt man noch eine Münze oder Nahrungsmittel darauf, um die Wassergeister bei Laune zu halten. Manche stecken auch einzelne Haare oder Fingernägel zwischen die Blätter, damit samt dem Krathong auch das Schlechte und Unreine forttreibt. Und jedes junge Liebespaar vertraut dem Boot seine geheimen Wünsche an. Je länger dann die flackernde Kerzenflamme und die glühenden Räucherstäbchen auf dem Wasserspiegel zu sehen sind, desto mehr Glück ist dem Paar im nächsten Jahr beschieden ...

Königsgeburtstag: Feuerwerk der Huldigung
Schon wenige Tage später verwandeln sich erneut zentrale Plätze Bangkoks in ein Lichtermeer. Vor Ämtern, Krankenhäusern, Unternehmenszentralen und an Verkehrsknotenpunkten werden Portraits von König Bhumipol, Rama IX., aufgestellt und mit Leuchtgirlanden geschmückt. Rund um seinen Geburtstag, den 5. Dezember, finden Paraden, buddhistische Riten und andere Zeremonien statt, um den längstregierenden Monarchen der Welt zu ehren. Er gewährt Audienzen für wichtige Beamte und veranstaltet ein Unterhaltungsprogramm fürs Volk, dem Filme, Theater, Klassik-, Jazz- und Folklore-Konzerte geboten werden. 2006 und 2007 fiel all das aufgrund des 60-jährigen Thronjubiläums beziehungsweise seines 80. Geburtstags besonders opulent aus. Ein Höhepunkt waren riesige, farbenprächtige Feuerwerke an fünf aufeinanderfolgenden Tagen.

Wie sehr das Oberhaupt des Staates Thailand und der thailändischen Buddhisten verehrt wird, zeigt sich an den Hunderttausenden, die sich in der Umgebung des großen Königspalastes auf dem Sanam-Luang-Platz oder dem Rachadamnoen-Boulevard versammeln. Nahezu ausnahmslos tragen sie Kleidung in gelber Königsfarbe, wünschen ihm ein langes Leben und ehren ihn mit Hochrufen. Mit einer Opferkerze in der Hand demonstriert man die Loyalität mit dem „Landesvater“ und singt gemeinschaftlich die Königshymne sowie ein feierliches Geburtstagslied, das monatelang die öffentliche Geräuschkulisse prägt.

Shopping-Malls glänzen in traditionell europäischem  Weihnachtsschmuck
Shopping-Malls glänzen in traditionell europäischem Weihnachtsschmuck
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Grell, bunt und blinkend: Weihnachten im Shopping-Center
Daneben winden sich die trällernden Wahlkampfsongs der verschiedenen Parteien und der „Jingle Bells“-Muzak aus den Shoppingzentren in die Gehörgänge. Vor allem dort, wo wohlhabende Expats ihre Besorgungen machen, sind die Läden mit grellbunten, blinkenden Lichterketten und überdimensionalen Weihnachtsbäumen oder Lebkuchenmännern geschmückt. Kulinarische Weihnachts-Klassiker wie Truthahn oder Plätzchen sind mühelos zu erhalten, sogar frisch geschlagene Christbäume aus Frankreich kann man für wenig Geld bestellen. Wer allerdings selbst zum Weihnachtsbäcker werden will, stößt schnell an kulturelle Grenzen: Standardzutaten wie geriebene Haselnüsse oder Mandeln sind nirgendwo zu kaufen.

Weihnachten findet im Brauchtum der breiten Bevölkerung kaum Niederschlag, nur in den christlichen Gemeinden und Schulen wird ein wenig gefeiert. Und die Geschenke? Die gibt es zu Neujahr! Natürlich nicht, ohne dass an Silvester nochmals eine Batterie Leucht- und Knallkörper in den Himmel geschossen wurde. Besonders beliebt sind Präsentkörbe, gefüllt mit frischen Früchten, Hühnerextrakt und Schwalbennestsuppe. Für Männer sollte auf jeden Fall auch eine große Flasche Whiskey mit dabei sein. Wer also noch ein originelles Geschenk sucht, wird vielleicht in Thailand fündig.

Autor: Claudio Kasperl, DAAD-Lektor an der Chulalongkorn University, Bangkok
Veröffentlichungsdatum: 17.12.2007
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