 |
Samuel Fischer-Gastprofessor |
 |
 |
 |
 |
 |
Das Warten hat sich gelohnt |
 |
 |
Der isländische Autor Sjón ist ein Grenzgänger zwischen Poesie, Performance und Punk. Er lehrt im Wintersemester Literatur an der Freien Universität Berlin zum Thema „Iceland: Small World/World Literature“. Am 27. November liest Sjón in Berlin aus seiner Novelle „Schattenfuchs“.
|
 |
 |
 |
 |
 |

|
 |
|
Der isländische Autor Sjón liest in Berlin
|
| © Fotograf: Hordur Sveinsson |
 |
Seit Jahren weht der Name des isländischen Dichters Sigurjón Birgir Sigurosson, der sich kurz Sjón nennt, wie ein Mythos aus dem Land der Elfen und Geysire in die mitteleuropäische Literaturwelt. Das Multi-Talent veröffentlichte surrealistische Lyrik, schrieb Songtexte für den etwas anderen Pop-Weltstar Björk (und erhielt dafür eine Oscar-Nominierung), glänzte als Punk-Musiker mit den legendären „Sugarcubes“, agierte als Performance-Künstler und schrieb einige Romane. In deutscher Sprache ist 2007 die Novelle „Schattenfuchs“ (S. Fischer) erschienen, hoch-aufgeladene, raffiniert montierte, fantastisch-realistische Meisterprosa über Menschen, Landschaften und Mythen in einem historischen Island, das aber wohl noch gegenwärtig ist. Die Kritiker waren beeindruckt. „Jahrelanges Warten hat sich gelohnt“, hieß es in einer Buchbesprechung.
Nun kann die literatisch-akademische Öffentlichkeit den Grenzgänger zwischen Punk, Performance und Poesie aus der Nähe kennen lernen. Seit Beginn des Wintersemesters 2007/2008 lehrt Sjón als „Samuel Fischer-Gastprofessor“ an der Freien Universität in Berlin zum Thema „Iceland: Small World/World Literature“. Diese Gastprofessur wird seit 1998 gemeinsam vom DAAD, dem S. Fischer-Verlag, der Freien Universität Berlin und dem Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Holtzbrinck vergeben. Gastprofessoren waren bisher unter anderem Literaturnobelpreisträger Kenzaburô Ôe, Antonio Skarmeta, Vladimir Sorokin, Marlene Streeruwitz, Feridun Zaimoglu, Yann Martel und Nuruddin Farah.
|
|
Neue Erfahrungen in Deutschland
|
|
„Das ist für mich eine phantastische Erfahrung“, sagt Sjón, der in seiner Heimatstadt Reykjavik die Hochschule für bildende Künste absolviert hat. „Ich lehre erstmals Literatur – das ist auch eine Forschung über mich selbst. Natürlich hoffe ich, dass auch die Studenten etwas lernen.“ Die Voraussetzungen scheinen gut. „Ich fühle mich hier sehr freundlich aufgenommen“, sagt der Künstler, der Jahre in London und Den Haag verbracht hat, nun wieder in seiner Heimatstadt lebt und erstmals längere Zeit in Deutschland verbringt.
Mit 15 veröffentlichte Sjón, Jahrgang 1962, seinen ersten Lyrikband. Nach Abschluss der Kunsthochschule, gerade zwanzig Jahre alt geworden, begann die Existenz als freier Künstler. „Ich habe vieles ausprobiert“, sagt Sjón heute, „als ich dreißig war, da war mir klar, dass die Produktion von Texten meine eigentliche Passion ist.“ Inzwischen hat der Autor zehn Lyrikbände, sechs Romane und drei Theaterstücke vorgelegt, dazu noch ein Opern-Libretto, ein Kinderbuch, einen Band mit Kurzgeschichten und einige Dutzend Songtexte, darunter die für den Oscar-nominierten Film „Dancer in the dark“ von Lars von Trier, mit Björk in der Hauptrolle.
Zurzeit, so berichtet Sjón, arbeitet er an einem Roman über einen isländischen Naturforscher aus dem 17. Jahrhundert, der aber „wie alle meine Landsleute, natürlich nebenher noch Poet ist“. Sein nächster Text in deutscher Sprache wird Anfang Dezember in der Literaturzeitschrift „Neue Rundschau“ erscheinen. Er erzählt die Geschichte eines isländischen Jungen, der sich aus der Ferne in Gudrun Ensslin verliebt, weil sie ihm so deutsch und walkürenhaft erscheint.
|
Mehr von Sjón gibt es am 27. November 2006, 20.00 Uhr im Münzsalon, Berlin-Mitte, Münzstraße 23, 10178 Berlin, zu hören und zu sehen. Der Autor liest aus seiner Novelle „Schattenfuchs“, die deutsche Übersetzung trägt der Schauspieler Wanja Mues („Yella“, „Der Fürst und das Mädchen“) vor. Das Gespräch mit dem Autor moderiert Falko Hennig. Eintritt: 5 Euro. |
|
 |
 |
 |
Autor: Horst Willi Schors |
 |
 |
Veröffentlichungsdatum: 26.11.2007 |
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
© DAAD |
|
 |
|
|