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Ausländische Studierende
Vom ''Mehrwert'' der Internationalität
Annähernd 200 Vertreter der Akademischen Auslandsämter und Auslandsbeauftragte der deutschen Hochschulen trafen sich Mitte November zur Jahrestagung in Bonn. Hauptthema war die Integration ausländischer Studierender und Absolventen im Zusammenhang mit der politischen Diskussion um Fachkräftemangel und Zuwanderung.
Podiumsdiskussion: Zugespitzte Thesen über die Ziele des Ausländerstudiums in Deutschland
Podiumsdiskussion: Zugespitzte Thesen über die Ziele des Ausländerstudiums in Deutschland
© David Ausserhofer
„Fast jedes politische Thema lässt sich heute zu einer Frage von Migration und Integration umformulieren“, stellte Michael Bommes, Professor am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien an der Universität Osnabrück, in seinem Einleitungsreferat fest. Grund genug für ihn, den Zustrom Studierwilliger aus dem Ausland in seiner Besonderheit herauszustellen. „Migrationspolitik im Hochschulbereich ist Hochschulpolitik“, stellte Bommes klar. „Unis und Fachhochschulen müssen heute internationale Bildungsmärkte erschließen, um sich dort intellektuelle Ressourcen zu beschaffen. Brain gain heißt das neue Stichwort.“ Darin bestehe der Unterschied zum älteren Paradigma vom Ausländerstudium als Entwicklungshilfe mit der Erwartung, dass die Absolventen zum Aufbau in ihre Heimatländer zurückkehren sollten. Diese zugespitzte Gegenüberstellung gefiel womöglich nicht jedem im Auditorium – aber wirklichen Widerspruch gab es keinen. Die Vorstellungen vom Wünschenswerten und vom Notwendigen haben sich in der großen (Hochschul-) Politik wie unter den Auslandsamtsleitern in den vergangenen zehn Jahren offensichtlich gewandelt.

Bommes betonte ferner deutsche Erfolge in der Internationalisierung der Hochschularena. Nach den USA und Großbritannien liegt Deutschland auf Platz 3 der Beliebtheitsskala unter ausländischen Studienbewerbern. Im Lande Humboldts können Hochschulabsolventen (ohne Pass aus einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union) jetzt ein Jahr lang nach einem entsprechenden Arbeitsplatz suchen, in Frankreich laut Bommes nur sechs Monate, in Dänemark keinen Tag. Schon wegen des besonderen Angebots von „Teilnahmechancen“ für Hochschulabsolventen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sei die Migrationsproblematik der Akademiker nicht mit der „in anderen Segmenten des Arbeitsmarktes“, nämlich mit den Integrationsproblemen der „Gastarbeiter“-Familien seit den sechziger Jahren vergleichbar.

Chancenungleichheit unter Inländern
Dass Deutschland in der Hochschul-Zuwanderung nichts Wesentliches verpasst habe, wollte aber Achim Meyer auf der Heyde, der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, so nicht gelten lassen. Er verwies auf die im Studium unterrepräsentierten Ausländer mit deutschem Abitur, anders gesagt: die „Bildungsinländer“ mit Migrationshintergrund. Weil zu wenige von ihnen zur Hochschulreife gelangen, würde Deutschland viele Talente, den „Mehrwert der Internationalität“ achtlos vergeuden. Das aber ist für Bommes keine Hochschulfrage, sondern ein Problem des „vorgelagerten Schulsystems“.

Gäste diskutierten engagiert mit dem Podium
Gäste diskutierten engagiert mit dem Podium
© David Ausserhofer
Wissenschaftliche Ausbildung contra Persönlichkeitsbildung
Jennifer Elrick, eine Kanadierin beim Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut, suchte die Integrationsprobleme von Ausländern teilweise mit Unterschieden der deutschen und angelsächsischen Hochschultyp zu erklären: an deutschen Universitäten gehe es ja von Anfang bis zum Ende in allererster Linie um die wissenschaftliche Ausbildung des einzelnen; demgegenüber habe etwa in Amerika die Sozialisierung über Jahrgangsklassen, das Studium als Erlebnisphase in der Persönlichkeitsbildung (education) und das community-life vergleichsweise mehr Bedeutung. Diese Stilunterschiede hat Ulrich Littmann, der ehemalige Leiter der Deutschen Fulbright-Kommission, in seinem Buch über den bilateralen Studentenaustausch seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geradezu klassisch beschrieben („Gute Partner -Schwierige Partner“, DAAD-Forum Bd. 19, Bonn 1997).

Dorothea Rüland: Ausländische Studierende müssen Deutsch verstehen
Dorothea Rüland: Ausländische Studierende müssen Deutsch verstehen
© David Ausserhofer
Gemeinsamkeiten erzeugen - Deutsch gehört dazu
„Die deutschen Hochschulen müssen Gemeinsamkeiten unter den Studierenden erzeugen“, fordert Bommes. Vor diesem Hintergrund schlägt Dorothea Rüland, die stellvertretende DAAD-Generalsekretärin, beispielsweise vor, deutschen Studierenden, die enger mit internationalen Kommilitonen zusammenarbeiten, dafür im Bereich der abschlussrelevanten Soft Skills („Sozialkompetenz“) besondere Credit Points zu gewähren. Andererseits unterstrich Rüland die Erwartung, dass ausländische Studierende unbedingt gut Deutsch verstehen, also lernen müssen. „Dieses Erfordernis“, meinte sie selbstkritisch, „haben wir in der Vergangenheit vielleicht nicht jedem klar genug gemacht.“

Autor: Hermann Horstkotte
Veröffentlichungsdatum: 19.11.2007
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