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Lateinamerika
''Ich mag die deutschen Tugenden''
Das EU-Stipendienprogramm für die lateinamerikanische Elite ''Alßan'' ist eine Erfolgsgeschichte. Der DAAD betreut die Stipendiaten in Deutschland.
Großes Alßan-Stipendiatentreffen Ende Oktober in Bonn
Großes Alßan-Stipendiatentreffen Ende Oktober in Bonn
© DAAD
„Die Deutschen nehmen sogar den Humor ernst. Ich mag das. Ich mag die deutschen Tugenden wie Effizienz und Ernsthaftigkeit. Ich interessiere mich auch für die deutsche Geschichte. Das alles waren Gründe, um mich für ein Stipendium in Deutschland zu bewerben“, erzählt Javier Gomez Mata. Der 26-jährige Mexikaner – er lernte in seiner Heimat am Goethe-Institut Deutsch – hat vor kurzem an der Handelshochschule Leipzig für Wirtschaftswissenschaften (HHL) seinen MBA abgelegt. Zurzeit arbeitet er an seiner Promotion über das Thema Unternehmensführung. Sein Stipendium ist zwar im September ausgelaufen, aber inzwischen arbeitet Javier Gomez Mata an der HHL. Nach seiner Promotion will er als Hochschullehrer in seinem Heimatland Betriebswirtschaft unterrichten. Das Renommee der ersten privaten Business School in Deutschland und die kulturelle sowie historische Bedeutung der Stadt Leipzig waren für den Mexikaner bei der Wahl seines Studienortes ausschlaggebend.

DAAD ist Nationale Kontaktstelle
Javier Gomez Mata ist ehemaliger Stipendiat des Alβan-Programms. Alβan (sprich: Alban) steht für „América Latina Becas de Alto Nivel“. Für das Stipendien-Programm der Europäischen Union ist der DAAD als Nationale Kontaktstelle tätig. Das Programm – es besteht seit 2002 – hat das Ziel, die Hochschulzusammenarbeit zwischen Lateinamerika und der EU zu fördern. Deshalb erhalten hochqualifizierte lateinamerikanische Graduierte finanzielle Unterstützung für ein Aufbaustudium, für ein Promotions- oder für ein Weiterbildungsvorhaben in einem EU-Mitgliedstaat.

Als Nationale Kontaktstelle betreut der DAAD die Alβan-Stipendiaten in Deutschland und vermittelt ihnen Sprachkurse. „Dazu kommen Stipendiatentreffen, die den Kontakt der Lateinamerikaner untereinander stärken“, erklärt Angelika Sachsenröder, die zuständige Referatsleiterin im DAAD. Ein anderes Beispiel ist die Entwicklung einer eigenen Homepage für Alβan-Stipendiaten in Deutschland und Alβan-Alumni, die der DAAD finanziell und inhaltlich ebenfalls unterstützt.

Alßan-Stipendiaten sind eine Familie
Alßan-Stipendiaten sind eine Familie
© DAAD
Eigene Homepage für Stipendiaten und Alumni
Die Homepage und ihre interaktiven Funktionen stellte die Ecuadorianerin Katty Carolina Castillo Reinado auf dem großen Alβan-Treffen am 19. und 20. Oktober in Bonn vor: Der interkulturelle Erfahrungsaustausch steht im Vordergrund. Dafür gibt es ein Forum und einen Blog. „Stipendiaten können hier Fragen stellen, die ihnen sonst vielleicht peinlich sind“, erklärt Castillo Reinado und nennt Beispiele: „Es geht um alltägliche Dinge wie Mülltrennung oder das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“ Die Systemanalytikerin promoviert mit einem Alβan-Stipendium an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Sie beschäftigt sich mit dem Einfluss geographischer Faktoren auf die Verbreitung des Dengue-Fiebers in Ecuador.

Die Alβan-Stipendien sind begehrt: In den Jahren 2002 bis 2007 erhielten von 10.000 Bewerbern rund 4.000 Kandidaten aus 18 lateinamerikanischen Ländern den Zuschlag, fast die Hälfte sind Frauen. Obwohl das Alβan-Programm als sehr erfolgreich gilt, läuft es aus. „Diese Entscheidung hat politische Gründe, die Qualität des Programms steht außer Frage“, sagt Angelika Sachsenröder. In Zukunft wolle die Europäische Kommission den wissenschaftlichen Austausch mit hochqualifizierten Kandidaten aller Kontinente, also auch mit Lateinamerika, unter einem Dach koordinieren. Ob dann die beiden großen Vorzüge des bisherigen Programms bestehen bleiben, müsse man abwarten: zum einen ist die Auswahl der Alßan-Bewerber streng leistungsorientiert, zum anderen können die Stipendiaten ihre Hochschule frei wählen. „Dies hat besonders zur Erfolgsgeschichte von Alβan beigetragen.“ Davon sind Angelika Sachsenröder und der Direktor des Alβan-Büros in Porto, Professor Alberto Sereno, überzeugt.

Autorin: Claudia Wallendorf
Veröffentlichungsdatum: 30.10.2007
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